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Ausgabe Nr. 22/2018 vom 28.05.2018, Foto: Schrotter Karl
Gottfried
Pignitter: geb. 25.3.1972 in Voitsberg, Beruf: Schneiderwirt, verheiratet mit Karin, zwei Kinder, Sohn von Fritz Pignitter (Posaunist der „Orig. Kern Buam“), Instrumente: Steirische Harmonika, Posaune, Trompete, Hackbrett.

Manfred
Pignitter: geb. 12.8.1980 in Voitsberg, Beruf: Mechatroniker, verheiratet mit Babsi, zwei Kinder, Neffe vom Posaunen-Fritz der „Orig. Kern Buam“, Instrumente: Bassgeige, Posaune, Flügelhorn, Xylophon, Schlagzeug.

Markus
Kern: geb. 16.1.1979 in Voitsberg, Beruf: Selbstständig im Transportwesen, verheiratet mit Andrea, drei Kinder, Enkerl von Erich Kern (Trompeter der „Orig. Kern Buam“), Instrumente: Gitarre, Klarinette.
„Wir haben ein reiches Erbe“
Die „Kern Buam“ aus der Steiermark gehörten jahrzehntelang zu den bekanntesten Vertretern der volkstümlichen Musik. Ihre Lieder leben im „Schneiderwirt Trio“ weiter. Nicht nur, weil es persönliche Bande gibt. Von 1. bis 3. Juni werden Jubiläen gefeiert. Wir sprachen mit Gottfried Pignitter, dem „Schneiderwirt“ aus Voitsberg und Sohn des „Kern Buam“ Fritz.
Herr Pignitter, Anfang Juni feiern Sie zehn Jahre „Schneiderwirt Trio“ und 70 Jahre „Der Steirische Brauch“. Die heimliche Hymne der Steirer und ein Lied der „Kern Buam“, das um die Welt ging …
Ja, dieses Lied ist weit verbreitet. Ich glaube, wenn in Grönland Steirer leben, kennen sie es dort auch. Aber im Ernst, im „Kern Buam“-Museum bei uns daheim in Voitsberg (Stmk.), das gleich bei meinem Gasthof, dem „Schneiderwirt“ liegt, gibt es Dokumente, die belegen, wo die „Kern Buam“ überall gespielt haben. Sie waren bis zu 280 Tage im Jahr unterwegs, sogar auf ausgedehnter Amerika-Tour. Der „Steirische Brauch“ ist mit Sicherheit eine der weltweit bekanntesten volkstümlichen Melodien unseres Landes.

Es ist aber auch ein provokantes Stück, das Mann und Frau mit Augenzwinkern ins Spannungsfeld führt. In der fünften Strophe des Liedes heißt es: „Ja, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst, weil des Saumensch ums Maul herum z’dreckig gwen is.“ Wird das heute nicht schon als zu frauenfeindlich angesehen?
Marketingexperten würden heute sagen, um aufzufallen, müssen Grenzen überschritten werden, am besten jene des guten Geschmacks. Früher war die Sprache rauer. Allerdings ist mir diese Strophe nicht bekannt, wir vom „Schneiderwirt Trio“ beschränken uns auf die drei Strophen, die von den „Kern Buam“ gesungen wurden. Und die sind tauglich für alle Altersklassen. Am türkischen Sterz und der Schwammsuppen wird sich wohl niemand
stören.

Wie ist das bei Ihren Auftritten? Merken Sie, dass die Menschen nicht mehr so viel Spaß verstehen wie früher?
Ich denke, es ist wie bei der Satire, was darf sein und was nicht. Bei diversen Gstanzlsingen, die heute beliebter sind denn je, und denen der Privatsender Servus TV sogar eigene Sendereihen widmet („Gstanzlbattle“), geht es auch oft ziemlich zur Sache. Am liebsten lachen Menschen über andere, das war immer schon so und ist auch äußerst facettenreich. Wenn wir heute den „Steirischen Brauch“ anstimmen, singen die Besucher mit.

Die „Kern Buam“ haben immer wieder musikalische heitere Seitenhiebe ausgeteilt. Mit Liedern wie „Junggesellen sind wir“ oder „Alte, geh‘ ziag ma …“. Alleine schon die Anrede „Alte“ für die Ehefrau. Waren die „Kern Buam“ „böse“ Buben und ist dies heute beim „Schneiderwirt Trio“, das die alten Lieder spielt, ebenso?
Die „Kern Buam“ waren immer mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen erfolgreich. Ich glaube, dabei wurden sie nie als „böse“ Buben wahrgenommen, aber als Musikgruppe, die dem Volk auf den Mund geschaut hat. Es war aber auch Platz für nachdenkliche Lieder wie etwa „Der Weltverdruss“, auch ein Klassiker der „Kern Buam“.

Stimmt es, dass Ihr „Schneiderwirt Trio“ quasi Privat-
vorstellungen gibt?

Ja, wir sind in einem Paket buchbar. Zu uns nach Voitsberg kommen gern Reisegruppen. Bis zu 150 Busse pro Jahr voll mit Gästen machen bei uns Halt. Es wird ja auch was geboten. In einem 300 Jahre alten Bauernhof ist das „Kern Buam“-Museum untergebracht. Darin wird die Geschichte der Band mit Bildern, Filmen, Instrumenten und natürlich mit Musik erzählt. Dann können die Besucher natürlich beim „Schneiderwirt“ essen. Unsere Spezialität „ein halbes Backhenderl in der Fuatakrax‘n“ kostet 6,90 Euro (Infos unter: 03142/22112). Zum Nachtisch spielen wir dann auf und erzählen zwischendurch Witze.

Welchen zum Beispiel?
Ein Mann geht beim Gasthaus vorbei und sieht, wie drei Mal der gleiche Mann durch die Eingangstür fliegt. Da geht er zu ihm hin und fragt: „Warum gehst den immer wieder rein, wenn du schon drei Mal rausgeschmissen worden
bist, geh doch heim.“ Darauf sagt der Mann: „Des geht nicht, ich bin der Wirt.“

Sie haben in zweierlei Hinsicht ein großes Erbe angetreten. Haben Sie das je bereut?
Nicht einen Augenblick. Obwohl es viel zu tun gibt. Ich habe vor 16 Jahren mit meiner Frau Karin von meinen Eltern den Gasthof „Schneiderwirt“ übernommen. Unsere beiden Söhne Christoph, 22, und Matthias, 18, helfen jedoch fleißig mit. Vom Papa, der die Posaune bei den „Kern Buam“ gespielt hat, zudem die Musik. Ich durfte ihn als Bub schon bei Auftritten begleiten. Gemeinsam mit Manfred Pignitter, er ist der Neffe meines Vaters, und mit Markus Kern, dem Enkerl des „Kern Buam“-Trompeters Erich, wollen wir den Sound unserer erfolgreichen Vorfahren wach halten. Markus hat sogar jedes Lied der „Kern Buam“, das seit dem Jahr 1949 aufgenommen wurde, archiviert. Bis zur Auflösung der Gruppe im Jahr 2009.

Wie reich ist das Erbe? Es umfasst an die 600 Lieder. Ein kleiner Auszug davon wird beim Zehn-Jahre-Jubiläum zu hören sein. Wer feiert mit?
Vom 1. bis 3. Juni wird es in der Sporthalle Bärnbach hoch hergehen. Zu unserem Jubiläum kommen das „Nockalm Quintett“, „Saso Avsenik und seine Oberkrainer“, die
Sängerin Allessa und viele mehr. Wer dabei sein möchte, hier können Karten gekauft werden: Ö-Ticket, Schneiderwirt Tel.: 0664/3322112 und Viertbauer Promotion GmbH 07619/2235-0.

Wann haben Sie angefangen zu musizieren?
Mit vier Jahren brachte mir Papa das Spielen auf der Blockflöte bei. Heute spiele ich am liebsten die Steirische Harmonika.

Wie sehen Sie die Zukunft der volkstümlichen Musik? Radio und Fernsehen haben sie ja weit-gehend verbannt …
Diese Musik ist und bleibt Bestandteil unserer Gesellschaft. Auch wenn es manchem „Hüter des guten Geschmacks“ in den Medien nicht gefällt.
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