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Ausgabe Nr. 22/2018 vom 28.05.2018, Fotos: all mauritius, Fotolia, www.zecken.d
Die Braune Hundezecke (li.) und die Schafzecke oder Frühjahrswaldzecke (re.)

Die zwei häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten:

FSME
(Frühsommer-Meningoenzephalitis)
• Erreger: FSME-Virus im Speichel der
Zecke
• Übertragung: Direkt mit dem Stechen
• Inkubationszeit: Etwa eine bis drei
Wochen
• Erste Anzeichen: Hohes Fieber
• Therapie: Keine, nur Symptomlinderung
• Betroffene Organe: Nervensystem
(Hirnhautentzündung)
• Impfung möglich: Ja

BORRELIOSE
• Erreger: Bakterien im Darmbereich der
Zecke
• Übertragung: Späterer Zeitpunkt
während des Saugens
• Inkubationszeit: Mehrere
Wochen/Monate
• Erste Anzeichen: Kreisförmige Rötung in
50 bis 80 Prozent der Fälle
• Therapie: Antibiotika
• Betroffene Organe: Haut, Gelenke,
Muskeln, Augen, Nervensystem, Herz
• Impfung möglich: Noch nicht
„Gemeiner Holzbock“ (Vergrößerung)
Zecken erobern immer mehr Lebensraum
Acht Beine und scharfe Zangen. Kaum wird es wärmer, krabbeln auch die Zecken wieder verstärkt hervor. Sie sind nicht nur gruselig anzusehen, sondern wegen übertragbarer Krankheiten auch gefährlich für uns Menschen.
Auf den ersten Blick sieht er aus wie eine kleine Spinne, doch der Schein trügt. Es ist ein „Gemeiner Holzbock“, neben einem Dutzend weiterer Verwandter, die häufigste Zeckenart in unserem Land.

Meist lauert das 2,5 bis 4,5 Millimeter kleine Spinnentierchen im hohen Gras oder Gebüsch und wartet nur darauf, dass ein potenzielles Opfer an ihm vorbeistapft. Dann heftet es sich geschickt auf seinen Wirt und saugt Blut. Ob Mann oder Maus, spielt dabei keine Rolle. Hauptsache, es zirkuliert der begehrte rote Lebenssaft, den die weiblichen Tiere zur Bildung ihrer 2.000 bis 3.000 Eier dringend benötigen.

Doch obwohl es im Volksmund „Zeckenbiss“ heißt, stimmt diese Bezeichnung wissenschaftlich betrachtet nicht. Denn Zecken beißen nicht, sie stechen. „Genauer gesagt ritzen sie mit ihrem kleinen Mundwerkzeug eine winzige Öffnung in die Haut, in die sie dann ihren mit Widerhaken besetzten Rüssel hineinstechen, der mit Zeckenzement festgeklebt wird“, erklärt Dr. Georg Duscher von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Ein Cocktail aus Schmerzmitteln sorgt schließlich dafür, dass wir den Stich nicht spüren und die Zecke einige Tage lang ungestört saugen kann.

„Vollgepumpt kann das Weibchen dabei das 100- bis 200-fache seines Gewichtes an Blut aufnehmen, womit es sein Volumen um etwa das 120-fache vergrößert“, sagt Duscher. Im Idealfall ist es damit auch schon getan. Verläuft das Attentat jedoch weniger glimpflich, kann es sein, dass ein gefährlicher Erreger übertragen wird, der bei uns Menschen zu einer schweren Erkrankung, im Extremfall sogar zum Tod führen kann.

Problematisch dabei ist, dass nicht nur die weiblichen Zecken dafür verantwortlich sind. „Die Nymphen, also die Jungzecken, möglicherweise auch die Männchen und selten sogar die Larven, sind ebenfalls Überträger“, warnt der Parasitologe. Abgesehen davon scheint die Häufigkeit von Erkrankungen durch Zeckenstiche wieder anzusteigen. Wissenschaftler vermuten, dass die Blutsauger neben den verstärkten menschlichen Freizeitaktivitäten auch vom Klimawandel profitieren.

Weshalb Zecken in den Alpen von ursprünglich maximal 1.200 Metern nun auch in immer größeren Höhen von bis zu 1.500 Metern zu finden sind. Die Erderwärmung sorgte vermutlich bereits auch dafür, dass die Tierchen ganzjährig aktiv bleiben. Selbst zu Weihnachten konnten Forscher schon aktive Zecken aufspüren. Und die kleinen „Biester“, von denen es weltweit rund 850 Arten gibt, erweisen sich dabei als so robust, dass sie sogar eine Maschinenwäsche von bis zu 40 Grad überleben. Ertrinken können Zecken dabei nicht, „da sie es bis zu drei Wochen unter Wasser aushalten“, weiß Dr. Georg Duscher.

Wenn sich also jemand häufig in freier Natur bewegt, „sollte er sich täglich nach Zecken absuchen und sich impfen lassen“. Vor allem, weil inzwischen kein Bundesland mehr FSME-frei ist und die Blutsauger tatsächlich überall lauern. Auch im eigenen gepflegten Gartenparadies. hwie
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