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Ausgabe Nr. 22/2018 vom 28.05.2018, Fotos: duty
Neues Therapie-Modell bei Rückenschmerzen
Prof. Zimpfer zeigt seiner Patientin Frau Pfeiffer am Wirbelsäulenmodell, wo ihre Schmerzquelle lag.
Dieses Strecken ist kein Schrecken
Eine schlechte Körperhaltung, Bandscheibenleiden, Abnützungen oder Brüche an den Wirbeln sind häufig Quelle chronischer Rückenschmerzen. Mit Hilfe einer modernen „Streckbank“ und eines elektrischen Muskel-Trainings wird die Wirbelsäule entlastet und auch bei älteren Patienten wieder gestärkt.
Schmerzen, jeden Tag, im Sitzen, beim Stehen und Gehen, ja sogar in der Nacht im Liegen. „Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte. Ohne Schmerztabletten und Zähne zusammenbeißen ging nichts mehr. Ständig hatte ich Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, zum Schluss so stark, dass sie bis in den linken Fuß reichten“, erzählt Eveline Pfeiffer ihre Leidensgeschichte. Ihr Rücken machte der gebürtigen Oberösterreicherin immer wieder Probleme.

„Ich hatte sechs Bandscheibenvorfälle, wurde sogar zwei Mal deswegen operiert. Doch die Schmerzen kamen zurück. Ich war bei vielen Ärzten und zum Schluss rieten sie mir nur noch, am Stock zu gehen. Aber das wollte ich nicht.“ Das Leiden von Frau Pfeiffer ist kein Einzelfall. Tatsächlich sind „Kreuzschmerzen“, also Beschwerden im unteren Rücken, auf dem ersten Platz unter den chronischen Schmerzen, und oft werden sie nur ungenügend behandelt, erklärte Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft anlässlich der 17. Österreichischen Schmerzwochen im Februar in Wien.

Heute geht Frau Pfeiffer nicht nur ohne Stock, sondern
so gut wie schmerzfrei durch den Tag. „Ich kann wieder sitzen, habe eine größere Bewegungsfreiheit, kann Einkaufstaschen in meinen Händen tragen und würde mich freuen, wieder ein bisschen in unserem schönen Land zu reisen“, erzählt die 80jährige zufrieden.

Für diesen Erfolg und den Neugewinn an Lebensqualität unterzog sie sich der ganzheitlichen Therapie, die der Schmerzspezialist Univ.-Prof. Dr. Michael Zimpfer in seiner neuen Klinik „Zentrum für Medizin und Gesundheit“ im 9. Wiener Gemeindebezirk anbietet (www.zimpfer.at). „Das dreistufige Behandlungskonzept soll schmerzfrei und mittel- oder langfristig unabhängig von weiteren Behandlungen machen“, erklärt der Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin sein Ziel.

Raum und Nährstoffe für die Wirbelsäule

Dafür geht der Schmerzexperte neue Wege, wie die Behandlung der Wirbelsäule mit Hilfe einer modernen
„Streckbank“. Sie bereitet nicht wie im Mittelalter Schmerzen, im Gegenteil, sie nimmt Schmerzen und löst Wohlbefinden aus. „Wir reden von der SpineMed-Therapie. ‚Spine‘ bedeutet Wirbelsäule, sie wird durch das Strecken entlastet. Dafür liegen die Patienten auf dem
speziellen Behandlungsbett, dessen Hälften sich compu-
tergesteuert langsam auseinanderbewegen. Das schafft Raum zwischen den Wirbeln, Nerven und Blutgefäße an der Wirbelsäule erholen sich, verlagertes Bandscheibengewebe zieht sich auf seine Position zurück und der entstehende Unterdruck saugt Sauerstoff, Nährstoffe und Flüssigkeit in das Gewebe“, beschreibt Prof. Zimpfer die Wirkung dieser Streckbank, die sich für Schmerzen in der Nacken- oder Kreuzregion, bei Ausstrahlungen in Arme, Beine, Rücken oder Kopf eignet. „Als Einzeltherapie kann sie bei leichten Rückenbeschwerden durch falsche Haltung, durch Sport oder zu viel Sitzen wirksam sein. Auch wenn jemand zu schwer gehoben oder Schmerzen durch unterschiedlich lange Beine hat“, ergänzt er und empfiehlt ein bis zwei Behandlungen pro Woche. In schweren Fällen, wie bei Abnützungen, Wirbelbrüchen und knöchernen Verengungen im Wirbelkanal ist vor der „Streckung“ eine Schmerztherapie mit Injektionen oder Nerven-Behandlungen mit „Schlüsselloch“-Chirurgie vonnöten.

Patientin Eveline Pfeiffer war ein schwerer Fall. Die Wirbel sind stark angegriffen, der Wirbelkanal musste gereinigt werden. Jetzt liegt sie zum dritten Mal auf dem modernen Behandlungsbett. „Das Strecken fühlt sich angenehm an. Einmal bin ich dabei sogar ein wenig eingeschlummert“, verrät sie und lächelt. Zeit zum Entspannen bleibt in jedem Fall, denn die „Streckbank“ arbeitet eine halbe Stunde, in der sie abwechselnd die Wirbelsäule des Patienten dehnt und entlastet. „Das Computerprogramm wird mit den Daten des Patienten ‚gefüttert‘, damit die Behandlung exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Hält ein Patient, zum Beispiel aus Unsicherheit dagegen, stoppt der Computer automatisch die Behandlung. Möchte ein Patient die Behandlung beenden, kann er das auch jederzeit mit einem Knopfdruck am Behandlungsbett tun.“

Strom-Impulse stärken schwache Muskeln

Andauernde Rückenschmerzen schwächen nicht nur den Lebensmut, sie lassen auch die Muskeln schwinden. „Vor allem ältere Patienten bewegen sich kaum noch, wenn sie Rückenschmerzen haben. Doch Muskeln sind wichtig, um die Stabilität der Wirbelsäule zu garantieren. Viele Patienten im höheren Alter haben aber nicht mehr die Kraft für ein Training mit Gewichten. Daher ist der dritte Teil meiner ganzheitlichen Rücken-Therapie der Muskelaufbau mit Hilfe von Strom-Impulsen“, erklärt Prof. Zimpfer den Einsatz des EMS-Trainings.

Die Strom-Impulse, die dabei über einen eigenen Anzug (gr. Bild) als Kribbeln auf der Haut wahrgenommen werden, kräftigen die Muskeln. „Diese neu gewonnene Kraft und Stabilität halten nicht nur die Wirbelsäule auf
lange Sicht schmerzfrei. Sie senken das Risiko einer anderen drohenden Gesundheitsgefahr, vor allem für ältere Patienten. Den Sturz und damit den lebensgefährlichen Bruch des Oberschenkelhalses.“ Für Eveline Pfeiffer ist das EMS-Training der nächste Schritt in ein schmerzfreies Leben, denn nur schmerzfrei macht das Spielen mit den vier Ur-Enkerln auch wieder Spaß.
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