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Ausgabe Nr. 21/2018 vom 22.05.2018, Foto: Sandra Ludewig
Rainhard Fendrich
„Kinder können sich nicht wehren“
Er hat der Kinderarmut in unserem Land den Kampf angesagt. Deshalb ging Rainhard Fendrich, 63, auf Tour und spielte für den guten Zweck. Bereits 30.000 Euro konnte der Wiener an die Volkshilfe übergeben, die damit armutsgefährdete Kinder unterstützt. Fast 300.000 sollen es in unserem Land sein. Seine Konzert-Mitschnitte hat Fendrich auf die CD „Für immer a Wiener“ gebannt, deren Einnahmen ebenfalls für Kinder gespendet werden. Im Interview mit dem „Woche“-Reporter Robert Berger spricht er über Armut und was ihn so sehr mit Wien verbindet.
Herr Fendrich, was bedeutet für Sie Armut?
Das bedeutet für mich, sich die mindesten Dinge des Lebens nicht leisten zu können. Gemeinsam mit der Volkshilfe möchte ich Familien und Alleinerzieher unterstützen, bei denen die Kinder so aus -der Gesellschaft ausgeschlossen sind, dass sie --keine Freunde zum Geburtstag einladen oder nicht am Schikurs teilnehmen können. Zudem ist es wichtig, Kindern jene Ausbildung zu ermöglichen, die ihnen zusteht. Chancengleichheit ist auch eine Form der Menschenwürde.

Geben Sie auch armen Menschen auf der Straße, also Bettlern, Geld?
Ja, immer, ich kann gar nicht anders. Ich habe das schon als kleiner Bub gemacht. Früher hat es ja noch viel mehr Bettler als heute gegeben. Auch meine Großmutter gab ihnen Geld. Unser Haus war deshalb mit sogenannten „Gauner-​zinken“ gekennzeichnet, das waren Symbole, die Bettler auf die Türe kritzelten, dann wussten andere, „hier gibt es was zu holen“.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass fast 300.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahren in unserem Land armutsgefährdet sind? Hat die Politik versagt?
Ich möchte grundsätzlich keine Schuldzuweisungen machen. Wer oder was im Endeffekt schuld an der Kinderarmut ist, kann ich schwer sagen. In der Politik ist es ja oft so, dass gerne die Schuld auf andere geschoben wird. Außerdem denken Politiker in Legislaturperioden und leider nicht in Menschenleben.

Sind Ihrer Meinung nach vielleicht einfach die Einkommen der Eltern zu niedrig? Als armutsgefährdend gilt ein Einkommen von etwa 1.200 Euro für einen Erwachsenen und ein Kind.
Das ist sicherlich ein Grund, weil ja durch die Inflation auch ständig alles teurer wird. Ein geringes Einkommen kann da schon einschränkend sein. Es ist traurig, wenn junge Menschen nicht am sozialen Leben teilhaben können.

Dabei wird unser „ausuferndes“ Sozialsystem immer wieder kritisiert. Setzt die finanzielle Unterstützung am falschen Fleck an?
Fest steht jedenfalls, dass obwohl unser soziales Netz gut gespannt ist, es immer noch Menschen gibt, die durchrutschen. Früher habe ich mich für Senioren-Obdachlose engagiert, das waren meist ältere Menschen, die sich nicht mehr wehren konnten. Und bei Kindern ist das genauso. Sie können sich ebenfalls nicht wehren.

Waren Sie einmal in der Situation, sich etwas nicht leisten zu können?
Die erste Hälfte meines Lebens konnte ich mir oft etwas nicht leisten, aber wirklich arm war ich Gott sei Dank nie. Ich komme zwar aus keiner reichen Familie, wir waren eher der klassische Mittelstand. Mein Vater war Maschinenbauingenieur bei den Österreichischen Bundesbahnen und hat nicht viel verdient. Meine Mutter hatte eine Modevertretung. Ich bekam nie Taschengeld. Alles, was ich hatte, habe ich mir in den Ferien selbst verdient, so wie meinen ersten Kassettenrekorder, später den Führerschein und mein Auto. Das war ein Fiat 1100D um damals 3.500 Schilling, ein grandioses Auto (lacht).

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich für arme Kinder stark machen?
Sie sind die Schwächsten der Gesellschaft. Als mir vor längerer Zeit ein Plakat der Volkshilfe auffiel und ich auf deren Internetseite las, dass 300.000 Kinder in unserem Land armutsgefährdet sind, war für mich einfach klar, dass ich etwas unternehmen muss.

Warum haben Sie Ihr neues Album „Für immer a Wiener“ genannt, soll es eine Liebeserklärung an Ihre Heimatstadt sein?
„Für immer a Wiener“ ist ein Lied von meinem letzten Album. Es ist eine Hommage an meine Heimatstadt, der ich viel zu verdanken habe. Ich durfte als erster Pop-Künstler die Wiener Festwochen eröffnen, zudem habe ich das Goldene Ehrenzeichen bekommen. Nicht zuletzt habe ich hier auch meine ersten musikalischen Auftritte gehabt, ich bin zutiefst mit dieser Stadt verbunden.

Auf dem Album ist auch Ihr Hit „Tango Korrupti“ zu hören. Hätte der nicht auch als Titel in die heutige Zeit gepasst?
Das ist ein Dauerbrenner. Den gibt es schon seit 25 Jahren. Ja, es gibt Lieder, die haben immer noch eine gewisse, traurige Aktualität.

Wird es weitere Konzerte geben?
Im Moment nicht. Jetzt gibt es einmal dieses Album, das hierzulande und in Deutschland verkauft wird. Die Erlöse aus unserem Land fließen dann an die Volkshife und die Erlöse, die in Deutschland erzielt werden, gehen an die „Karuna“. Das ist eine karitative Organisation, die sich vorwiegend um Straßenkinder kümmert. Ich habe viel Geld mit meinen Platten verdient, da kann ich auch was geben. Ich sehe mich dabei nicht als „Gutmensch“, aber es ist schön, einen Beitrag gegen Armut zu leisten.

Rainhard Fendrich wurde am 27. Februar 1955 in Wien-Alsergrund geboren. Zu seinem 15. Geburtstag bekam er die erste Gitarre geschenkt. Er brachte sich selber die Griffe bei und begann zu texten. Sein Jus-Studium brach er ab und widmete sich der Schauspielerei und dem Gesang. Den musikalischen Durchbruch schaffte er 1981 mit „Strada del Sole“. Es folgten viele weitere Erfolge wie „Vü schöner is des G‘fühl“ und „I am from Austria“. Fendrich lebt heute in Wien und Niederösterreich. Er war zwei Mal verheiratet und hat drei Söhne.
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