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Ausgabe Nr. 20/2018 vom 15.05.2018, Foto: bright light fotography, michal noeljv
Christian Pichler, Josef Pröll
Hat der Wolf bei uns Platz?
Immer mehr Bauernvertreter und Jäger wollen Wölfe in Ausnahmefällen abschießen können. Doch der Wolf ist streng geschützt. In Allentsteig (NÖ) hat sich vor ein paar Jahren ein Wolfsrudel niedergelassen. Für Aufregung sorgen aber die „Durchzügler“, zuletzt in Salzburg. Sie kommen aus Italien, der Schweiz oder vom Balkan und sind auf der Suche nach Partnern. Pro Nacht kann ein Wolf bis zu hundert Kilometer zurücklegen. Wölfe reißen neben Wildtieren auch ungeschützte Nutztiere wie Schafe.
JA: Christian Pichler,
WWF-Wolfsexperte

„Österreich ist das letzte Alpenland, in das der Wolf zurückkehrt. Das ist nach so vielen Jahren, in denen er abwesend war, zunächst ungewohnt. Trotz der Herausforderung, die das für Landwirte oder die gängige Jagdpraxis darstellt, ist der Wolf auch eine Bereicherung. Zum Beispiel, weil Fuchs oder Goldschakal wieder einen natürlichen Feind bekommen. Außerdem leiden unsere Wälder unter dem viel zu hohen Wildstand. Auch hier erweist sich der Wolf als nützlich. Als Raubtier ernährt er sich zu 99 Prozent von Reh- und Rotwild. Schafe stellen nur eine Gelegenheitsbeute dar, was an den insgesamt 17 Rissen im Jahr 2017 zu erkennen ist. Tausende Schafe sterben durch Absturz, Steinschlag oder Krankheit. Natürlich ist dem WWF ein Schaf nicht weniger wert als ein Wolf. Deshalb setzen wir uns für effektiven Herdenschutz und eine gesicherte Finanzierung dafür ein. Wenn im dicht besiedelten Deutschland ein Nebeneinander von Jagd, Tourismus und Almwirtschaft bei 500 Wölfen möglich ist, sollte dies auch hier funktionieren. Mit etwas gutem Willen und tatkräftiger Unterstützung der Politik. Deshalb muss Ministerin Köstinger jetzt rasch einen Wolfs-Gipfel einberufen, um gemeinsam bundesweite Lösungen auszuarbeiten.“

NEIN: Josef Pröll,
Landesjägermeister NÖ

„Aus Sicht des Landesjagdverbandes NÖ erscheint ein konfliktfreies Miteinander von Wolf und Gesellschaft in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft, wie wir sie hier in Österreich vorfinden, nur schwer möglich. Gravierende negative wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen betreffen vor allem die landwirtschaftliche Weidehaltung und den Tourismus. Aufgrund der leichteren Verfügbarkeit der Weidetiere als Beute ist davon auszugehen, dass steigende Wolfsbestände zuallererst zu einer großen Gefahr für unsere bäuerliche Landwirtschaft werden. Darüber hinaus wird der Wolf auch für unser heimisches Wild die Lebensräume und das Verhalten massiv beeinflussen. Bereits jetzt ist für viele Wildarten in einem so dicht besiedelten Lebensraum das natürliche Biotop nachhaltig verändert und führt zu Spannungsfeldern zwischen menschlicher Naturnutzung und notwendiger Ruhe für unser Wild. Es ist ein gravierender Unterschied, ob Wölfe in den unendlichen Weiten Sibiriens leben und jagen können oder im dicht besiedelten Mitteleuropa. Daher braucht es dringend eine Anpassung der europäischen Gesetzeslage sowie eine Überarbeitung des Wolfmanagementplans in Österreich.“
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