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Ausgabe Nr. 19/2018 vom 07.05.2018, Foto: Martin Luser, Simonis
Heinz Fassmann, Sonja Hammerschmid
Sind Deutschklassen der richtige Weg?
In Berlin (D) lernen Kinder ohne Deutschkenntnisse in „Willkommensklassen“. Im Schuljahr 2016/2017 waren darin 12.000 Schüler zusammengefasst, heuer sind es noch rund 8.000. Auch bei uns wird es künftig „Deutschförderklassen“ geben, aber nur für Taferlklassler und Neuankömmlinge, die dem Unterricht nicht folgen können. In 80 eigenen Klassen sollen die Kinder ab Herbst 15 bis 20 Stunden Deutsch lernen. Abseits davon haben sie Zeichnen, Musik oder Turnen mit den anderen Schülern.
JA: Heinz Faßmann,
ÖVP-Bildungsminister

„Wir haben in Österreich seit Langem ein verfestigtes Problem bei der Sprachkompetenz in der Unterrichtssprache Deutsch. Trotz unterschiedlicher Maßnahmen ist die Zahl derer, die Defizite vorweisen, seit mehr als 15 Jahren konstant. Dieses Problem zeigt sich bereits im Kindergarten. Eine Erhebung im Jahr 2016 hat ergeben, dass knapp 70 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch war, zusätzliche Fördermaßnahmen benö-tigten. Die Defizite begleiten die Schülerinnen und Schüler oft die ganze Schullaufbahn hindurch. Die bisherigen Sprachstartgruppen und Sprachförderkurse waren ein erster Schritt als rasche Reaktion auf die Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015. Diese Kurse waren jedoch nicht verbindlich und aufgrund der Abhängigkeit von jährlichen Sonderbudgetmitteln konnte keine beständige Grundlage geschaffen werden. Die Förderung erfolgte ohne eine ausreichende Systematik, der Lernfortschritt wurde nicht klar getestet. Mit dem gut durchdachten Konzept der Deutschförderklassen wollen wir nun genau das ändern. Ziel ist, die Kinder so rasch wie möglich fit zu machen, damit sie dem Regelunterricht problemlos folgen können.“

Nein: Sonja Hammerschmid,
SPÖ-Bildungssprecherin

„Beim Ziel sind wir uns einig: Jedes Schulkind soll Deutsch so beherrschen, dass es dem Unterricht gut folgen kann. Wer unsere Sprache noch nicht ausreichend spricht, braucht zusätzliche Sprachförderung. Die Frage ist, wie wir diese Kurse organisieren. Wir haben in der letzten Regierung eigene Fördergruppen geschaffen, in denen die Kinder zusätzlich zum normalen Unterricht Deutsch lernen. Was Bildungsminister Faßmann jetzt plant, eigene Klassen für die Kinder, die Deutsch lernen, geht leider in die falsche Richtung. Denn Sprache lernt man nicht, indem man Kinder komplett voneinander absondert. Alle Wissenschaftler, die sich mit Sprachenlernen beschäftigen,
sagen, dass separate Deutschklassen nicht zum gewünschten Erfolg führen. In Berlin wurden solche Klassen eingeführt. Jetzt werden sie wieder zurückgebaut, weil sie nicht gut funktionieren. Außerdem haben ÖVP
und FPÖ das Geld gekürzt. Es gibt weniger Sprachlehrer, und für jene Kinder, die schon in der Schule sind, werden die wöchentlichen Förderstunden von elf auf sechs Stunden gekürzt. Mein Appell an den Minister:
Überdenken Sie Ihr Konzept! Deutschlernen ja, aber richtig.“
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