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Ausgabe Nr. 17/2018 vom 24.04.2018, Fotos: zvg
Gut „gepecht“ geht‘s auf den Maibaum
Die „Sauwald Kraxler“ : Mathias Höllinger, Thomas Greiner, David Berndl, Stefan Haidinger, Florian Reitinger, Markus Reitinger, Lukas Moser, Stefan Kropf, Florian Reiter, Christoph Pretzl, Stefan Haidinger, Johannes Fesel; Helene Reitinger, Andreas Kohlbauer, Eva Kropf, Gabriel und Martin Reiter
Die „Sauwald Kraxler“ sind … Artisten auf dem Maibaum
Kopfüber in luftiger Höhe hängen und dabei Kunststücke vollführen, das geht nicht nur am Trapez. Die „Sauwald Kraxler“ aus Vichtenstein (OÖ) zeigen ihr Geschick und ihr Können am Maibaum. Zum Trainieren haben sie sogar einen Fichtenstamm in einem Stadl aufgestellt, an dem die 17 Mitglieder der Truppe die verschiedenen
Figuren einüben.
Nimm meine Hand“, sagt Eva Kropf, als sie nach oben zu Christoph Pretzl blickt. Gesagt, getan, und an der Hand des 25jährigen richtet sich ihr Oberkörper, der zuvor kopfüber nach unten zeigte, langsam wieder auf. „Jetzt gib mir die zweite Hand“, gibt nun der Mann das Kommando. „Und mit den Füßen auslassen.“ Kaum gesagt, schwingt die 23jährige nur an den Händen ihres Freundes hin und her. „Deshalb heißt diese Figur auch ‚Das Pendel‘“, erklärt Pretzl. Ein bisschen Händchen halten, ein bisschen pendeln. Hört sich nach einer Tanzstunde für Anfänger an, erfordert aber wesentlich mehr Konzentration und Körperbeherrschung. Denn das Paar „tanzt“, an einem Baumstamm hängend, etwa fünf Meter über dem Boden. Als wäre das nicht ungewöhnlich genug, befindet sich der Stamm nicht in freier Natur, sondern steht entrindet in einem Stadl bei Vichtenstein (OÖ). Es ist der Trainingsraum der „Sauwald Kraxler“. Einer Gruppe von 17 jungen Oberösterreichern, die ihre artistischen Kunststücke auf Maibäumen zeigt.

„Den Fichtenstamm stellen wir jedes Jahr Ende März hier auf, damit wir die Figuren einstudieren können“, erklärt Pretzl. „Denn wenn der erste Maibaum steht, sollten die Handgriffe schon sitzen“, lacht der junge Mann, der nun am Boden steht und beobachtet, wie seine Partnerin mit Helene Reitinger den Stamm emporklettert. Die beiden Mädchen der Maibaumkraxel-Truppe hangeln sich in Windeseile nach oben, bis etwa auf halbe Höhe des Stammes, der bis knapp unter das Dach reicht. Auf etwa viereinhalb Metern sitzen sie sich gegenüber, fassen sich gegenseitig an den Fußgelenken und lassen ihre Oberkörper nach hinten sinken. So weit, dass ihre Hinterköpfe fast den Stamm berühren. „Diese Figur nennen wir ‚Die Maibaum-Krone‘, weil es ein bisschen wie eine Krone aussieht, wie sie da hängen“, sagt Pretzl.

Der die „Sauwald Kraxler“ mit seinem besten Freund Florian Reiter vor fünf Jahren gründete. „Das ‚normale‘ Maibaumkraxeln ist der Höhepunkt jeder Maifeier. Beim Zusehen haben wir uns überlegt, ob es nicht etwas spektakulärer geht.“ Der Freundeskreis zeigte sich von der Idee derart begeistert, dass aus der Idee bald ein konkretes Projekt wurde. Und als Markus Reitinger seinen Vater überreden konnte, den Stadl als Trainingsraum zur Verfügung zu stellen, musste nur noch ein Name gefunden werden. „Da die Region, in der wir leben, auch als Sauwald bezeichnet wird, mussten wir nicht lange nachdenken“, lacht Pretzl.

Länger dauerte es, den richtigen „Kleber“ zu finden. Was das bedeutet, erklärt der Chef der Truppe. „Jeder Maibaumkraxler schmiert auf Hände und Füße ein klebriges Gemisch, um an dem glatten Stamm nicht abzurutschen. Das Problem dabei ist, dass keiner verrät, was er verwendet. Die Zusammensetzung wird wie ein großes Geheimnis gehütet.“

So tüftelten die „Sauwald Kraxler“ drei Jahre, bis sie die perfekte Rezeptur gefunden hatten. „Sie besteht aus fünf Komponenten. Baumpech und Saupech sind dabei.“ Und? „Das ist jetzt unser großes Geheimnis“, sagt Pretzl mit einem breiten Schmunzeln.

Dass den Hobby-Artisten das Pech nur buchstäblich an den Händen klebt und nicht im übertragenen Sinne, dafür sorgen die Sicherheitsvorkehrungen. „Beim Training üben wir die neuen Figuren zuerst in geringer Höhe und steigern uns dann langsam“, sagt Florian Reiter. „Und falls doch einer abrutschen sollte, haben wir hier überall dicke Matratzen aufgelegt.“ Vor Publikum sorgt dann ein eigens in Deutschland angefertigtes Luftkissen für Sicherheit. Denn da schweben die jungen Oberösterreicher bis zu zehn Meter hoch über dem Boden. „Je dicker der Baum ist, umso höher müssen wir hinauf, weil wir ihn sonst nicht mit den Beinen umschließen können“, erklärt Pretzl. „Aber wenn eine Figur nicht zu 100 Prozent sitzt, dann machen wir sie auch nicht.“

Dank der professionellen Einstellung und der Sicherheitsvorkehrungen sind die Maibaumkraxler bisher vor schweren Verletzungen verschont geblieben. „Das Schlimmste war bisher eine blutige Nase. Und Abschürfungen sowie aufgerissene Hände sind ja keine Verletzungen“, sagt Pretzl.

„Angst haben wir beim Kraxeln aber keine. Ich jedenfalls nicht“, sagt Eva Kropf. „Wenn ich mit Christoph oben bin, dann weiß ich, dass ich mich auf ihn verlassen kann.“ Sie muss es wissen, denn immerhin sind die beiden nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden ein Paar.

Zu sehen sind die „Sauwald Kraxler“ demnächst bei den Maifeiern am 6. Mai in St. Florian am Inn, weiters in Waizenkirchen, Vichtenstein, St. Roman und Rainbach (alle in OÖ). Wer die Truppe für die kommenden Feste buchen will, muss sich beeilen. Im Mai sind nur noch wenige Termine frei. Informationen unter Tel.: 0664/4098525.
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