Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 17/2018 vom 24.04.2018, Foto: picturedesk
Helga Papouschek und Guggi Löwinger
Guggi Löwinger starb nach längerer Krankheit. Ihre Freundin Helga Papouschek erinnert sich: „Mit ihr war es immer lustig“
Ihre Heiterkeit bleibt. „Die Guggi war ein Mensch mit stets positiver Stimmung. Wenn ich einmal niedergeschlagen war, habe ich sie angerufen. Sie fand die richtigen Worte und schon ging es mir wieder gut. Mit ihr war es immer lustig“, erinnert sich Helga Papouschek (76,) an ihre Freundin Guggi Löwinger. Die Tochter des unvergessenen Paul Löwinger und dessen Frau Liesl starb am vergangenen Samstag in einem Wiener Spital im Alter von 79 Jahren. Sie dürfte seit Längerem Beschwerden gehabt haben, denn sie benötigte immer wieder Infusionen.
„Nach außen ließ sie sich nichts anmerken. Natürlich habe ich mitbekommen, dass mit ihr etwas nicht stimmt“, sagt Papouschek. „Ich habe immer wieder mit ihr telefoniert, zuletzt drei Tage vor ihrem Tod. Unter welchen Beschwerden sie litt, hat sie nie gesagt. Nur, dass ihr die Behandlungen im Spital furchtbar auf die Nerven gegangen sind. ,Es ist nicht lustig, Helga‘, hat sie gesagt. Dann sprach ich ihr Mut zu.“

Immerhin wartete die Bühne auf die erfolgreiche Darstellerin, die beinahe ihr ganzes Leben auf den Brettern verbracht hat, die für sie die Welt bedeuteten. Schließlich hatte sie die Schauspielerei im Blut. Wer der berühmten Löwinger Dynastie entstammte, für den kam nur die Schauspielerei in Frage. Das war bei ihrer Schwester Sissy (1940 bis 2011) ebenso wie bei ihrem Bruder Paul junior (1949 bis 2009). Guggi, eigentlich Margarethe, war die Älteste. Die mit sechs Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand und mit neun Jahren Tanzunterricht erhielt. Doch während später ihre Schwester Sissy die Leitung der „Löwinger Bühne“ übernahm und damit auch im Fernsehen Erfolge feierte, blieb Guggi dem Familienunternehmen fern. Nur ein einziges Mal trat sie mit Papa und Schwester auf. Guggi Löwinger fand in der Wiener Volksoper ihre künstlerische Heimat, der sie stets treu blieb. Dementsprechend bestürzt zeigt sich Direktor Robert Meyer, 64. „Guggi Löwinger hat am 15. Mai 1959 als Lisa in der Operette ,Gräfin Mariza‘ debütiert und stand zuletzt am 26. Jänner dieses Jahres als Frau Schmidt in ‚The Sound of Music‘ auf unserer Bühne. Wir werden sie schrecklich vermissen.“ Die Schauspielerin sei ein Urgestein der Volksoper gewesen, betont Meyer. Eine leidenschaftliche Volksopernsängerin, die selbst dann im Haus war, wenn sie keine Vorstellung hatte. Dass es ihr schlecht ging, habe er zwar bemerkt, doch danach fragen wollte er nicht, sagt der Direktor. Um nicht indiskret zu sein. „Da sehe ich immer Guggis Mann Peter Minich vor mir. Immer, wenn ich zu ihm gesagt habe, ,Peter, du schaust aber gut aus‘, meinte er, ,Ja, im G‘sicht fehlt mir auch nichts‘. Womit er Recht hatte.“

Minich war der Lebensmensch für Guggi Löwinger, wie sie immer wieder betonte. Die beiden waren 30 Jahre lang zusammen und von 1999 bis zu seinem Tod im Jahr 2013 verheiratet. Den Verlust konnte die Schauspielerin lange nicht überwinden. In einem Gespräch mit der WOCHE meinte sie im März 2016, „erst jetzt in der Lage zu sein, mir Fotos von meinem Mann anzusehen. Nach seinem Tod konnte ich das nicht – so gelähmt und geschockt war ich. So wahnsinnig war es zu begreifen, dass er nicht mehr da ist. Aber er hat zu mir gesagt: ,Mach weiter. Hör nicht auf, bitte.‘“

Also hat sie weitergemacht, ihrem Mann eine Ausstellung in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten gewidmet und Vorstellungen an der Volksoper gespielt. In mehr als 2.000 Aufführungen hat Guggi Löwinger mitgewirkt, 18 Premieren gegeben und 34 Charaktere verkörpert.

Ein zierliches Energiebündel mit Konfektionsgröße 34 und den Füßen eines Kindes. „Weil sie bei uns kaum die passenden Schuhe fand, hat sie jeden, der nach Japan flog, beauftragt, etwas Passendes mitzubringen. Sie war selbst dort und wusste deshalb, dass die Japaner kleine Schuhe für sie hatten“, erinnert sich Direktor Meyer, der von seiner Kollegin mitunter Geburtstagsgeschenke erhielt. „Ein Mal war es ein kleiner silberner Elefant, dann wieder ein Bernstein-Elefant. Ich sammle die gar nicht, aber jetzt stehen die beiden auf meinem
Schreibtisch.“

Seit Samstag, meint Meyer, hätten diese Geschenke nun eine neue Bedeutung für ihn. Sie seien Erinnerungen an eine wunderbare Frau, die zwar eitel war, aber daraus nicht Arroganz, sondern Charme entwickelte.

Mehr als Erinnerungen an eine liebe Freundin bleiben nun auch Waltraut Haas, 90, nicht. „Ich bin schockiert“, sagt die Wienerin. „Immerzu muss ich an sie denken und wie schnell das Leben zu Ende sein kann. Die Guggi war eine begeisterte Kollegin, an der ich Aufrichtigkeit, Herzlichkeit, Heiterkeit und das positive Denken geschätzt habe. Wir hatten uns stets viel zu erzählen. Auch, weil unsere Männer eine Zeitlang im selben Spital, Zimmer an Zimmer gelegen sind. Bei den Besuchen haben wir uns oft
getroffen.“

Wann es für sie zum letzten Mal Abschied nehmen heißt, stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Ausgabe noch nicht fest. Waltraut Haas, Robert Meyer und Helga Papouschek wollen Guggi Löwinger diesen Dienst nicht versagen. Wo sie ihre letzte Ruhestätte finden wird, ist ebenfalls noch nicht klar. Eine Möglichkeit wäre bei ihrem Lebensmenschen Peter Minich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Zurück bleibt ihr Sohn Andreas aus erster Ehe. Aber mit dem Tod von Guggi Löwinger ist der letzte bekannte Spross einer großen Schauspieler-Familie gegangen. „Ein Mensch, der fürs Theater gelebt und gekämpft hat“, erinnert sich Helga Papouschek. „Und der lachte, das werde ich nie vergessen.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung