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Ausgabe Nr. 15/2018 vom 10.04.2018, Fotos: picturedesk.com, dpa
Schauspieler Hardy Krüger
Krüger 2009 mit seiner Frau Anita und Sohn Hardy jr. bei der Verleihung des deutschen Bundesverdienstkreuzes.
„Hitler konnte aus mir keinen Mörder machen“
Filme wie „Hatari“ und „Der Flug des Phönix“ machten Hardy Krüger in den 1960er Jahren weltberühmt. Dieser Tage feiert der Hollywood-Schauspieler seinen 90. Geburtstag. Krüger, der während des Zweiten Weltkrieges Juden zur Flucht ins Ausland verhalf, gilt heute als „Mahner“ gegen Rechtsextremismus.
Früher sagten die Menschen, ‚Juden raus. Juden sind unser Unglück‘, heute sagen viele, ‚Muslime raus. Muslime sind unser Unglück.‘ Die schrecklichen Ereignisse von damals dürfen sich aber niemals wiederholen“, sagte Hardy Krüger kürzlich vor einer deutschen Schulklasse. Die Jugendlichen folgten den Erzählungen über seine Kindheit in Nazi-Deutschland mit großem Interesse.

Er selbst wandelte sich im Laufe des Krieges vom überzeugten Hitlerjungen zum erbitterten Gegner des NS-Regimes. Später sollte er eine Hollywood-Traumkarriere absolvieren, wie sie nur wenigen deutschsprachigen Schauspielern vorbehalten war.

Der Weg des blonden und blauäugigen Buben schien vorgezeichnet zu sein. Franz Eberhard August „Hardy“ Krüger kam am 12. April 1928 in Berlin-Wedding (D), als Sohn des Ingenieurs Max Krüger und dessen Frau Auguste, zur Welt. Seine Eltern waren überzeugte Nationalsozialisten, weswegen sie ihren Sohn bereits mit dreizehn Jahren auf ein Nazi-Elite-Internat in Bayern schickten. Später berichtete er von seinen „liebevollen“ Eltern, die jedoch „einen schweren Fehler begangen haben“, sie hätten sich, „wie viele andere auch, vom Nazi-Regime verblenden lassen“. Dies habe er aber erst später verstanden, meint Krüger.

Aus seiner anfänglichen Begeisterung für den Nationalsozialismus machte er nie ein Geheimnis. „Meine Eltern hatten aus mir einen glühenden Hitler-Verehrer gemacht“, jedoch hätte es dieser nicht geschafft, einen Mörder aus ihm zu machen, wie er schildert. Ein Schlüsselerlebnis sollten für ihn die Olympischen Spiele 1936 werden.

Als achtjähriger Bub beobachtete er den Reichsführer mit dem Fernglas von der Zuschauertribüne aus. „Damals verstand ich noch nicht, warum Adolf Hitler meinem Idol, dem schwarzen Leichtathleten Jesse Owens, die Goldmedaille nicht verlieh.“ Von seinem Vater hatte er darauf keine Antwort bekommen.

Als Kind hatte Hardy Krüger zwei große Träume. Er wollte als Flieger in die Lüfte steigen, und er wollte Bücher schreiben. Der erste erfüllte sich für ihn schon als Kind, als er mit dreizehn Jahren zum Piloten ausgebildet wurde. Auch der Traum vom Schreiben sollte Wirklichkeit werden, aber erst viele Jahre später.

Im Jahr 1943 wurde der 15jährige Vorzeige-Bursche aus der Hitlerjugend von dem Regisseur Alfred Weidenmann für den Nazi-Propagandafilm „Junge Adler“ entdeckt. Am Drehort in Berlin lernte er den Schauspieler Hans Söhnker kennen. Er war ein Untergrundaktivist, der Juden zur Flucht aus Deutschland verhalf und erzählte dem jungen Eliteschüler von den schrecklichen Konzentrationslagern. „Dein Halbgott Hitler ist ein Verbrecher“, öffnete Söhnker ihm die Augen. Fortan unterstützte Krüger ihn unter Lebensgefahr, um die vom NS-Regime verfolgten Menschen per Zug außer Landes zu bringen.

Im Jahr 1945 musste der 16jährige Hitlerjunge in die Waffen-SS einrücken. Weil er sich während eines Gefechtes weigerte, auf amerikanische Soldaten zu schießen, wurde Krüger zum Tode verurteilt. Doch er entging seiner Hinrichtung, weil der zuständige SS-Offizier den jungen Soldaten zu seinem Meldegänger machte. Später flüchtete er und ließ sich zu Kriegsende in Tirol von den Amerikanern gefangen nehmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Krüger in Deutschland zu einem bekannten Filmschauspieler. Später zog es ihn in die Vereinigten Staaten, wo er mit Hollywood-Legenden wie John Wayne („Hatari“, 1962), James Stewart („Der Flug des Phönix“, 1965) sowie Roger Moore und Richard Burton („Die Wildgänse kommen“, 1978) vor der Kamera stand.

Bis zum Ende seiner Schauspielkarriere im Jahr 2011 wirkte er in etwa 70 Filmen und Dokumentationen mit, für die er zahlreiche Auszeichnungen wie den deutschen Filmpreis, die „Goldene Kamera“ sowie internationale Preise erhielt. Mit 81 Jahren bekam er für seine Lebensleistung als Schauspieler sogar das „Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland“
verliehen.

Krüger ist heute als Schriftsteller aktiv, womit sein zweiter Kindheitstraum in Erfüllung ging. Die ersten Bücher schrieb er bereits in den 1970ern, als er noch in Afrika lebte. Von dort wollte er nach Dreharbeiten gar nicht mehr weg. Er kaufte die „Hatari-Lodge“-Farm in Tansania, wo der gleichnamige Film gedreht wurde. Seine Eindrücke und Erlebnisse schrieb er in dem Buch „Eine Farm in Afrika“ nieder, das ein großer Erfolg wurde.

In seinem im Jahr 2016 veröffentlichten Werk „Was das Leben sich erlaubt: Mein Deutschland und ich“ arbeitete er seine Jugend in Nazideutschland auf, die ihn nicht ruhen lässt. „Nachts kommt manchmal die alte Todesangst vor der Gestapo und den Bomben auf Berlin zurück“, gesteht Krüger. Damit die Schrecken dieser Zeit nicht in Vergessenheit geraten würden, sei er heute noch aktiv.

Hardy Krüger ist seit 1978 in dritter Ehe mit der „Liebe seines Lebens“, dem ehemaligen US-Fotomodell Anita Park, verheiratet. Gemeinsam pendeln sie zwischen Hamburg (D) und Palm Springs in Kalifornien (USA).

Die Filmlegende hat drei Kinder aus seinen ersten beiden Ehen mit der Schauspielerin Renate Densow und der italienischen Malerin Francesca Marazzi. Christiane, Hardy jr. und Malaika traten in die Fußstapfen des Vaters und schlugen ebenfalls Schauspielkarrieren ein.

Zu seinem 90. Geburtstag am Donnerstag wünscht sich Hardy Krüger vor allem „Gesundheit“, und dass das Leben für ihn so weitergehe wie bisher.

„Ich möchte gerne mit der Frau glücklich bleiben, mit der ich seit so vielen Jahren verheiratet bin.“ Der Nachwelt möchte er als „Glückspilz“ in Erinnerung bleiben, den seine „innere Stimme immer beschützt und bewahrt hat“. rb
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