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Ausgabe Nr. 15/2018 vom 10.04.2018, Foto: Adrian Schätz
Schauspielerin Marisa Burger
„Ich fand eine Leiche im Wasser“
Sie ist die gute Seele der „Rosenheim-Cops“. Aber auch eine, die gerne weiß, was sich in ihrem Sekretariat abspielt. Vor allem, wenn es um Kriminalfälle geht, möchte die Frau Stockl auf dem Laufenden sein. Eine Rolle, die für die deutsche Darstellerin Marisa Burger, 44, wie ein Lotto-Gewinn ist. Dass sie privat auch schon eine Leiche sah, erfreute sie weniger.
Frau Burger, die „Rosenheim-Cops“ genießen eine ungeheure Popularität. Worauf führen Sie das zurück?
Wir sind keine Krimi-Serie im klassischen Sinn. Die Charaktere in und um das Kommissariat spielen bei uns eine wesentliche Rolle. Dadurch wird die Serie lebendig. Natürlich spielt die schöne Landschaft auch eine Rolle.

Sie sind seit der ersten Folge mit dabei …
… weil die vorgesehene Regisseurin ersetzt wurde. Sie hätte die Rolle mit einer anderen Darstellerin besetzt, aber bei ihrem Nachfolger kam ich dann zum Zug. Ich habe den Eindruck, alle Beteiligten sind jetzt ganz froh darüber (lacht).

Frau Stockl hat sich in den vergangenen 17 Jahren entwickelt.
Stimmt, am Anfang war meine Rolle kleiner angelegt. Dass sie derart erfolgreich wird und beim Publikum derart gut ankommt, hat mich selbst überrascht. Aber es macht natürlich Spaß, wenn du als Schauspielerin die Möglichkeit bekommst, eine Figur weiterzuentwickeln. Es ist eine Bestätigung meiner Arbeit.

Es gibt einen Satz, den Sie immer sagen: „Es gabat a Leich.“
Ich glaube, es heißt, dass es eine einzige Folge gibt, in der dieser Satz nicht gesagt wurde. Die Anhänger unserer Serie sind ziemlich aufmerksam. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, diesen Satz einmal nicht gesagt zu haben. Schließlich gibt es immer einen Mordfall und ich gehe ja dann ans Telefon und sage den Kommissaren, was passiert ist. Ich meine, ich müsste den Satz in jeder Folge gesagt haben (lacht).

Sie bestechen in Ihrer Rolle durch Charme und Raffinesse …
Charme und Raffinesse sind jene Eigenschaften, die die „Frau Stockl“ ausmachen. Sie tratscht zwar auch gerne, aber letzten Endes kommt das in jedem Bürobetrieb vor und im Endeffekt trägt auch sie immer ihren Teil dazu bei, dass der Fall gelöst wird.

Wie sind Sie denn, wenn Sie privat sind?
Da bin ich natürlich Marisa Burger. Da recherchiere ich nicht und ich führe auch keine Telefonate mit „Es gabat a Leich.“ (lacht) Es ist wichtig, Beruf und Privates zu trennen und das fängt zum Beispiel bei den Kleidern an. Ich mag Frau Stockls Kleidung – aber privat kleide ich mich ganz anders.

Wie denn?
Ich gehe nach dem Zeitgeist. Ich trage gerne modische Jeans oder auch einmal eine Bikerjacke. Mein Kleiderstil ist insgesamt eher dunkel, ich bin nicht bunt angezogen.

Haben Sie Hobbys?
Mein Ausgleich ist Sport. Ich laufe gerne und habe einen persönlichen Trainer, mit dem ich arbeite. Im Sommer surfe ich zudem gern.

Hatten Sie privat auch schon einmal mit der Polizei zu tun?
Ja, ich habe vor vier Jahren im Winter beim Laufen eine Leiche entdeckt. Sie trieb am Ufer des Rheins. Ich blieb stehen und habe Männer in einem kleinen Boot zu Hilfe gerufen. Erschreckend war, dass auch andere Menschen die Leiche gesehen haben, aber nicht reagierten. Als ich fragte, ob mir jemand sein Mobiltelefon leihen könne, um die Polizei zu verständigen, hat zunächst niemand reagiert. Das fand ich abstoßend. Das waren genau die Sorte von Menschen, die an einem Autounfall langsam vorbeifährt und in aller Ruhe gafft. Nach meinem Anruf kam dann ziemlich schnell die Wasserschutzpolizei und hat die Leiche aus dem Wasser geholt. Ich habe dann eine Zeugenaussage gemacht.

Wissen Sie, was bei diesem Fall herauskam?
Die Frau hatte Selbstmord begangen.

Was war das für ein Gefühl, diese Tote zu sehen?
Im ersten Moment schien ich routiniert zu sein und klar denken zu können. Ich bin nicht in Panik verfallen. Aber danach hat es mich gebeutelt. Schließlich war das eine nicht alltägliche Situation. Ich war innerlich doch aufgewühlt.

Gab‘s Spätfolgen wie Albträume?
Nein, zum Glück nicht. Dafür bin ich stabil genug.

Das muss wohl auch für Ihre Ehe gelten. Schließlich lebt Ihr Mann in Basel (Schweiz) und Sie in München (D)?
Wenn ich frei habe, bin ich in Basel, wenn ich arbeite, in München. Für eine Beziehung ist das gar nicht so schlecht. Wir freuen uns aufeinander, wenn wir uns dann wiedersehen. Wir treffen uns auch öfter einmal einfach so, in einer anderer Stadt – bei uns ist es nie langweilig.

Sie haben eine Tochter aus erster Ehe. Sie kam im Jahr 1994 zur Welt. 2014 ließen sie sich scheiden, ein Jahr später haben sie klammheimlich Werner Müller geheiratet. Stimmt es, dass Sie sich vom „Gartenzaun“ kennen?
Wir haben uns zufällig wieder getroffen und haben festgestellt, dass wir wirklich gut zusammenpassen.

Und dass Sie keinen Führerschein haben?
Das stimmt.

Wie kommt das?
Ich bin früh Mutter geworden, deshalb habe ich mein Geld für etwas anderes gebraucht. Zudem lebe ich in einer Großstadt, da gab es nicht die Notwendigkeit, den Führerschein zu machen. Wenn ich arbeite, werde ich abgeholt, dann muss ich mich um nichts kümmern. Ich muss mich nicht mit einem Auto auf die Menschheit loslassen. Vor allem, weil ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln stets gut gefahren bin. Ich kann vieles und mich interessiert vieles, aber das Autofahren gehört nicht dazu. Das Parkplatzsuchen würde mich unglaublich nerven. Mir geht der Führerschein nicht ab und ich habe noch nie bereut, ihn nicht gemacht zu haben.
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