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Ausgabe Nr. 14/2018 vom 03.04.2018, Foto: zvg
Der Kultphysiker und ehemalige „Science Buster“ Werner Gruber war bereits zwei Mal klinisch tot und einmal obdachlos.
„Auf einmal war ich bei den Sandlern“
Mit der ORF-Sendung „Sience Busters“ wurde der Experimentalphysiker Werner Gruber hierzulande bekannt. Er schaffte es, den Zusehern die Gesetze der Physik mit viel Humor näherzubringen. Nach seinem zweiten Herzstillstand vor rund drei Jahren ist er wieder wohlauf. Heute leitet er das Wiener Planetarium, das ihn schon als Kind interessiert hat.
Wenn der Herd einmal streikt, müssen Sie auf eine warme Eierspeise trotzdem nicht verzichten. Sie schlagen ein oder mehrere rohe Eier in eine Pfanne, übergießen sie mit hochprozentigem Alkohol wie zum Beispiel Rum (80 %) und verrühren das Ganze. Durch den Alkohol entrollt sich das Eiweiß und Sie müssen die Eierspeise nur noch mit einem Feuerzeug flambieren, wodurch der Alkohol verdampft und Ihr Frühstück warm wird.“ Mit Experimenten wie diesem in der ORF-Sendung „Science Busters“ wurde der gebürtige Oberösterreicher Werner Gruber hierzulande bei Jung und Alt bekannt.

Vor etwa drei Jahren änderte sich seine Karriere dann schlagartig. Gruber erlitt einen Herzstillstand, als er mit seinen Kollegen Martin Puntigam und Heinz Oberhummer auf dem Weg zu einem Auftritt ins Burgenland war. Weil sein Kabarettkollege Puntigam blitzschnell reagierte und mit Wiederbelebungsmaßnahmen begann, die ein vorbeikommender Sanitäter fortsetzte, überlebte Gruber den Zwischenfall ohne Folgeschäden. Jedoch sollte er das Ende seiner Fernsehkarriere einläuten. Nach dem Tod von Heinz Oberhummer, nur zwei Monate später, stieg der Wissenschaftler aus der beliebten Fernsehserie „Science Busters“ endgültig aus. Dem Tod von der Schaufel gesprungen war Werner Gruber jedoch schon einige Jahre zuvor einmal. Der Physiker erlitt auf der Straße seinen ersten Herzstillstand. Dies aufgrund einer kalten Lungenentzündung, wie sich später herausstellte. Damals verständigte ein Student die Rettung und Gruber wurde erfolgreich reanimiert. Den bekannten „Tunnel“ habe er nicht gesehen, aber „es wurde einfach hell, als ginge die Sonne auf. Dazu spürte ich eine entspannte Gleichgültigkeit. Ich dachte, ‚Ich muss sterben.‘“

Heute ist der 48jährige wieder zum Scherzen aufgelegt. „Lebendig bekommt mich der Tod nicht“, sagt der Wissenschaftler. Es gehe ihm gesundheitlich besser denn je. Bereits im Jahr 2014 erhielt Gruber einen Magenbypass, woraufhin er viel Gewicht verlor. Er achtet nun darauf, dass die Kilos nicht wieder kommen, zudem trinkt er keinen Alkohol mehr und ist Nichtraucher geworden.

Heute leitet Werner Gruber das Planetarium im Wiener Prater, das er als Kind bei einem Wien-Ausflug das erste Mal besuchte. „Ich war sofort davon angetan und etwa 35 Jahre später war ich der Chef dieser Einrichtung“, schildert der Kultphysiker begeistert, der am 15. März 1970 in Ostermiething (OÖ) auf die Welt kam. „Es gab dort wirklich gar nichts. Ein soziales Leben wäre unmöglich gewesen“, blickt Gruber zurück. Glücklicherweise ließ sich sein Vater, der als Kraftwerkstechniker einer großen Firma oft unterwegs war, nach Linz versetzen, als Gruber viereinhalb Jahre alt war.

Vom Kindergarten war Werner Gruber gar nicht begeistert. Mehrmals sei er von dort ausgerissen. „Das erste Mal bin ich einfach gegangen, das zweite Mal haben mein damals bester Freund Helmut und ich uns mit einem Leintuch aus dem Fenster abgeseilt. Wie wir es aus dem Gefängnis kennen.“ Beim dritten Ausbruchsversuch wollten sich die beiden Kindergartenverweigerer unter dem Zaun des Spielplatzes durchgraben, wurden aber von ihren Betreuerinnen gestoppt. „Die Sicherheitsmaßnahmen in unserem Kindergarten wurden drastisch verschärft. Es war wie in einem Hochsicherheitsgefängnis“, erinnert er sich lachend an diese Zeit zurück.

Die Schulzeit war für Gruber ebenfalls turbulent. Er sei zwar ein guter Schüler gewesen, wegen Problemen mit Lehrern musste er aber in der Oberstufe auf ein anderes Gymnasium wechseln.

Werner Grubers Interesse an Physik zeichnete sich schon in frühen Jahren ab. „Das erste Buch, das ich gelesen habe, war ‚Die kleine Hexe‘, dann kam ‚Der kleine Schneemann‘ und das dritte war ‚Raumfahrttechnik heute und morgen‘.“ Als achtjähriger Bub bekam er von seinem Vater einen Elektronikbaukasten geschenkt, woraufhin der junge Forscher begann, Alarmanlagen zu bauen. Und als 17jähriger bekam er für die Entwicklung eines 3D-Bildschirmes den „ersten österreichischen Jugendforscherpreis“ verliehen. Mit 20 Jahren begann er schließlich ein Physikstudium und schloss es im Jahr 1999 erfolgreich ab. Danach kam der tiefe Fall. Gruber wurde obdachlos. Er habe damals als Lehrbeauftragter an der Universität Wien unter dem Existenzminimum verdient. Als er aus dem Studentenheim raus musste, stand er auf einmal ohne Wohnung da. „Ich zog eigentlich aus, um die Welt zu erobern, und auf einmal war ich bei den Sandlern.“ Sozialarbeiter hätten ihm aber nach etwa einem halben Jahr geholfen, eine Wohnung zu bekommen, schildert er seine damalige Situation.

Werner Gruber hat eine Lebensgefährtin und wohnt heute im zweiten Wiener Gemeindebezirk. In seiner Freizeit betreibt er regelmäßig Nordic Walking. Für die Zukunft wünscht sich der Kultphysiker am liebsten „zwei bis drei Nobelpreise und dass ich die nächsten dreißig Jahre noch erlebe“.

Kabarett macht der Publikumsliebling auch noch. Allein. Er gastiert mit seinen Programmen regelmäßig auf der Bühne und bringt Laien mit viel Humor die Gesetze der Physik näher. rb
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