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Ausgabe Nr. 13/2018 vom 27.03.2018, Foto: Judith Maria Trölß
Hubert Reitbauer (li.) ist Major der
Bürgergarde Freistadt (OÖ) und im Einsatz
Wir bewachen seit 300 Jahren das Heilige Grab“
Gerade zu Ostern werden in unserem Land alte Traditionen gepflegt. So auch im oberösterreichischen Freistadt, wo die Mitglieder der Bürgergarde am Karfreitag und Karsamstag vor dem Heiligen Grab in der Pfarrkirche Wache stehen. Die Wachablöse am Karsamstag ist ein dem Anlass angemessenes, würdevolles Ereignis, das jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht.
Natürlich ist es eine Ehre für mich, wieder dabei zu sein“, sagt Hubert Reitbauer, während er einige Kleidungsstücke in seinem Kasten ordnet. Die etwas unzeitgemäß wirken. „Die Kopfbedeckung, der sogenannte Federbusch, die grüne Uniformjacke mit den goldfarbenen Knöpfen, die weiße Hose und natürlich der Säbel“, zählt der 60jährige auf und reiht die einzelnen Utensilien nebeneinander auf.

Allem Anschein nach sind das alles Teile einer altertümlichen Uniform, die der 60jährige aber nicht aus nostalgischen Gründen besitzt. Sie sind bei ihm in regelmäßigem Gebrauch, denn der gelernte Buchhändler ist Major der Bürgergarde von Freistadt (OÖ). Mit seinen insgesamt 43 Kollegen rückt Reitbauer zu Repräsentationszwecken oder hohen kirchlichen Festen aus. „Wir sind etwa bei Fronleichnam dabei, oder auch zu Allerheiligen beim Totengedenken am Kriegerdenkmal“, sagt der Major. Eine ganz besondere Funktion kommt der Bürgergarde in der Karwoche zu, wenn das Korps in der Stadtpfarrkirche von Freistadt das Grab Christi bewacht.

„Es ist eine wichtige Aufgabe“, erklärt Reitbauer. „Durch unsere Anwesenheit werden Störenfriede vom Grab ferngehalten.“ Das sich neben dem Altar, auf dem rechten Seitenaltar befindet, wo eine Nachbildung des Leibes Christi aufgebahrt zu sehen sein wird. Wie wichtig den Freistädtern die Bürgergarde ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass sie schon lange Habt-Acht steht, um auf das Grab aufzupassen. „Diese Tradition wird bei uns seit etwa 300 Jahren gepflegt“, erklärt Reitbauer.

Bei der Angelobung neuer Mitglieder durch die Bürgermeisterin Elisabeth Paruta-Teufer müssen die Gardisten sogar einen Eid ablegen.„Ich gelobe, dass ich die Statuten des Bürgerkorps beachten werde und dass ich mich dem Ansehen der Stadt Freistadt würdig erweisen werde“, kennt Hofrat Mag. Ernst Duschlbauer den Wortlaut ganz genau. Der 70jährige ist Oberst des Bürgerkorps und Obmann des Vereines „Bürgergarde Freistadt“. Auf die Frage, ob die Bewachung des Grabes mit Säbel und Bajonett nicht ein wenig unzeitgemäß ist, hat der Pensionist eine klare Antwort.

„Für die Stadtgemeinde Freistadt ist die Grabwache ein wichtiges Zeichen unserer Tradition und unserer Verbundenheit mit den Bräuchen. Gerade in diesen Zeiten ist Tradition nicht Rückschritt, sondern die tragfähige Basis, die Zukunft zu gestalten“, sagt Duschlbauer, der seit 32 Jahren der Garde angehört und sie vom 20 Meter hohen Bürgerkorps-Turm aus leitet. „Das ist der zweitälteste Turm der Stadt. Die Steine, aus denen er gebaut ist, sind aus dem Jahr 1320“, weiß der Oberst.

„Ich hatte 29 Mal die Ehre, Wachposten am Heiligen Grab zu sein“, sagt der 70jährige stolz. Und er wird auch dieses Jahr seiner Verpflichtung wieder nachkommen. Auch wenn es nun schon etwas beschwerlich für ihn ist, die halbe Stunde bis zur Ablöse zu stehen. „Die zweite Viertelstunde kann schon lang werden“, lächelt der Senior.

Was für seinen jüngeren Kollegen Julian Fosen noch kein Problem darstellt. „Ich bin seit acht Jahren bei der Bürgergarde“, sagt der 34jährige Obergardist. „Seit Beginn bewache ich das Heilige Grab. Es ist je eine halbe Stunde, in der ich Zeit habe, in mich zu gehen und nachzudenken. Innerlich rede ich mit dem lieben Gott und danke ihm, dass ich gesund bin. Und ich bitte ihn darum, es auch zu bleiben. Es ist eine tief religiöse Angelegenheit für mich.“

Ist es in der Kirche naturgemäß ruhig und andächtig, dürfen auch die Gardisten während der Wache nicht sprechen. Auch die Ablöse erfolgt ohne gesprochene Befehle. Dafür erwartet die Besucher ein umso turbulenteres Spektakel am Karsamstag um 12 Uhr. Dann bezieht die Mannschaft am Hauptplatz vor dem Rathaus Stellung, die am Vormittag Dienst hatte. „Von der Ferne wird dann der Trommelwirbel immer lauter, der den Zug ankündigt, der von der Pfarrgasse heraufkommt und am Nachmittag Dienst haben wird“, weiß Major Reitbauer. „Sie kommen im Gleichschritt und Zweierreihen vom Bürgerkorpsturm. Beim Rathaus, schräg gegenüber der Kirche, stellen sich die Gardisten links von der Fahne auf. Ein Trompeter bläst eine Minute ‚Zum Gebet‘. In kurzer Stille kann jeder in sich gehen und beten. Der erste Zug vom Vormittag darf abtreten und geht im Gleichschritt und in Zweierreihe Richtung Bürgerkorpsturm. Der zweite Wachzug, der den Nachmittagsdienst beginnt, tritt ab und geht formlos in das Wachlokal“, beschreibt er den Ablauf.

Wer sich die Wachablöse der Bürgerwehr am Karsamstag ansehen will, ist herzlich dazu eingeladen.

„Am Karfreitag können die Gardisten von 14 bis 17 Uhr und am Karsamstag von 8 bis 15 vor dem Grab des Erlösers gesehen werden.
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