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Ausgabe Nr. 12/2018 vom 20.03.2018, Fotos: Trölß
Der Chef Markus Lentsch stößt mit eigenem Wein an.
Küchenchef Josef Roiss
Gebratener Zander mit Wurzelgemüsepüree und Erdäpfeln
Die Dankbarkeit, es im Leben geschafft zu haben
Weil der Urgroßvater vom Schicksal gebeutelt wurde und dennoch den Mut nicht verlor, nannte er sein Wirtshaus „Zur Dankbarkeit“. Es ist eine beliebte Gaststätte in Podersdorf am Neusiedler See im Burgenland. Heute führen Markus Lentsch, 33, und seine Familie den Betrieb.
Wie das Leben so spielt. Da versucht der kleine Mann zu sparen, um sich eine Existenz aufbauen zu können und dann zerrinnt ihm das Glück zwischen den Fingern. Mehr noch, er wird verspottet. „Dies wiederfuhr meinem Urgroßvater Josef, der von 1881 bis 1958 gelebt hat“, erzählt Markus Lentsch. Der 33jährige führt heute jenen Gastbetrieb weiter, den sein Vorfahre gründete. Obwohl ihm das Leben übel mitgespielt hat.

„Mein Urgroßvater lebte als Geselle in Wien und hat sich mit seinen kargen Ersparnissen auf Anraten von Freunden Staatsanleihen gekauft. Sie waren zwischenzeitlich so viel wert, dass er sich in seiner Heimatgemeinde Podersdorf im Burgenland ein Wirtshaus hätte kaufen können. Das war sein Traum. Leider hat er den richtigen Zeitpunkt verpasst, denn durch den Krieg hat er alles verloren. Als er einmal daheim in Podersdorf war, hat er seinen Jahrgangskollegen von diesem Schicksalsschlag erzählt. Sie haben ihn ausgelacht und verhöhnt. Daraufhin schwor er sich, sollte er noch ein Mal zu Geld kommen, würde er sich ein Gasthaus kaufen und es ,Zur Dankbarkeit‘ benennen. Also hat er in Wien als Kellner geschuftet und gespart. Und er hat es tatsächlich geschafft. Im Jahr 1934 kaufte er in Podersdorf, an der Hauptstraße das Haus Nummer 39 und machte daraus eine Gaststätte, die ich heute leite. Sie heißt ,Zur Dankbarkeit‘“, berichtet Lentsch stolz.

Freilich wurde zwischenzeitlich renoviert und umgebaut, zudem gehört ein moderner Weinbaubetrieb zur Gastwirtschaft. Zwischen 40.000 und 50.000 Liter Wein werden pro Jahr hergestellt. „Mein Vater Josef Lentsch,
58, kümmert sich um den Weinanbau, hilft daneben aber auch bei mir im Service mit, wie auch meine Mutter und Schwester“, erklärt der Junior-Chef, der mit viel Liebe zum Detail Veränderungen vorgenommen hat.

Der Gast soll sich wohlfühlen, dem Alltag für ein paar Stunden entfliehen können. In angenehmer Atmosphäre und durch örtliche kulinarische Schmankerln verwöhnt. Die an das religiöse Jahr angepasst sind. Die Dankbarkeit findet ihre Fortsetzung. Vor allem nächste Woche am Karfreitag, erklärt Lentsch. „Bei uns wird dieser streng gebotene Fasttag eingehalten. Es gibt weder Fleisch noch Wurst, sondern nur Fisch. Zum Beispiel Zander aus dem Neusiedler See.“

Wir Christen gedenken am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu. Den Namen erhielt der Tag vom jüdischen Wort „Kara“, das „Klage“ bedeutet. Dieser Tag dient der Besinnung auf die Leiden Christi am Kreuz. Im Gasthaus „Zur Dankbarkeit“ kommt deshalb am Karfreitag unter anderem herrlich zartes Zanderfilet auf den Tisch. „Es ist äußerst fettarm und hat einen feinen Geschmack“, erklärt der Wirt, der für den Freitag gebratenen Zander mit Wurzelgemüsepüree und Erdäpfeln um 24,50 Euro anbietet. Auch gebratener Wels mit Zucchini-Knoblauchsauce und Gemüserisotto ist zum Preis von 24,50 Euro erhältlich. Wer mit einer Vorspeise beginnen möchte, kann dies mit einer Selleriecremesuppe samt Grieß-Nuss-Knödel um 6 Euro, Fischsuppe mit Paprika um 6,50 Euro oder einer Burgenländischen Krautsuppe um 5 Euro tun.

Unterm Jahr dürfen die Besucher, für die im Saal 50 Plätze zur Verfügung stehen und in kleineren Räumen noch einmal je etwa 20, natürlich dem Koch des Hauses ihre Dankbarkeit auch für fleischliche Gerichte zum Ausdruck bringen. Im Sommer überdies im 100 Personen fassenden Gastgarten. Dann stehen Geschmortes vom Steppenrind mit Kohlrabigemüse und Serviettenknödel (21 Euro), gebratener Wildschweinrücken mit Speck-Kohlsprossen und Erdäpfelgnocchi (21 Euro) oder Hauswurst mit Paprikakraut und Erdäpfeln (13,50 Euro) auf dem Speiseplan.

Für das Süße danach stehen Nuss-Nougatknödel mit Fruchtsauce (7,50 Euro), Mohnauflauf mit mariniertem Dörrobst (7,50 Euro), Somloer Nockerln (6 Euro) oder Gundelpalatschinke (7,50 Euro) zur Auswahl.

Wer die Region um den Neusiedler See für einen Kurzurlaub nützen will, findet im Familienbetrieb „Zur Dankbarkeit“ auch eine Nächtigungsmöglichkeit. Fünf Zimmer mit zehn Betten stehen zur Verfügung. Eine Nacht mit Frühstück wird zum Preis von 54 Euro pro Person angeboten. Die Besucher danken dem perfekten Service mit Treue und kommen immer wieder.

Zur Dankbarkeit
Hauptstraße 39
7141 Podersdorf am See,
Tel.: 02177/22 23
Geöffnet: Do., Fr. 11.30–14 Uhr, 18–21 Uhr;
Sa., So. 11.30–21 Uhr,
www.dankbarkeit.at
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