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Ausgabe Nr. 06/2018 vom 06.02.2018, Fotos: Peter Just, Villacher Fasching/Kampitsch
„Heiter geht‘s weiter“ von Manfred Tisal.
Tisals Nachfolgerin Tanja Karl absolvierte nur vier Auftritte als EU-Bäuerin.
„Ich habe alles verloren“
Er war 28 Jahre Mitglied der Villacher Faschingsgilde und als EU-Bauer 25 Jahre der Quotenbringer im ORF. Doch Aussagen über Flüchtlinge führten dazu, dass er heuer nicht mehr auftritt. Und auch seine Nachfolgerin Tanja Karl warf als EU-Bäuerin das Handtuch, weil ihr die Texte nicht passten. Intrigen innerhalb der Gilde sollen an der Tagesordnung stehen.
Ihm und seinen Anhängern ist in diesem Jahr nicht zum Lachen. Denn das Aushängeschild des Villacher Faschings, der beliebte EU-Bauer, verabschiedete sich von der Bühne. Manfred Tisal, 64, hat den wortgewaltigen Kritiker 25 Jahre lang verkörpert, bis ein Eintrag auf der Internetplattform Facebook im August vorigen Jahres seine Karriere zerstörte.

Tisal schrieb unter anderem: „Jeden Tag erzählen mir Menschen, dass Flüchtlinge in Geschäften einkaufen und dann sagen, die Caritas zahlt. Sie haben eine Karte bei sich, von der das abgebucht wird.“ Des Weiteren behauptete Tisal, „ich sehe tagtäglich vor meinem Balkon, wie Asylanten mit Adidas-Schuhen, Nike-Leiberln und Diesel-Jeans samt Smartphone und nagelneuen Fahrrädern diskutierend vorbeigehen. Mich frisst ein bisschen der Neid. Nicht, weil ich das nicht habe, sondern weil sie es gratis bekommen. Neben einer Mindestsicherung, die sie nicht verdient haben.“

Der ORF stellte danach die Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten ein. „Mir wurden nicht nur meine ,Kuhmentare‘ entzogen, sondern auch meine Radio-Kärnten-Frühschoppen-Sendung. Gut 15 Jahre lang habe ich für den ORF gearbeitet und werde einfach von heute auf morgen auf die Straße gesetzt. Das tut weh. Ich stehe vor dem Existenzminimum und weiß oft nicht, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll. Sämtliche Auftritte habe ich verloren, nur die FPÖ steht hinter mir“, meint Tisal, der sogar als Kandidat für die Freiheitlichen bei der anstehenden Kärntner Landtagswahl am 4. März im Gespräch ist. „Es ist aber noch immer nicht geklärt, welche Rolle ich übernehmen soll“, meint Tisal, der gerne weiterhin als EU-Bauer beim Villacher Fasching aufgetreten wäre. „Doch ich habe freiwillig aufgehört, weil ich den Villacher Fasching in diese leidige Angelegenheit nicht hineinziehen wollte. Es gibt Menschen in der Gilde, die mich nun nicht einmal mehr grüßen, nur weil ich bei einer Veranstaltung von Heinz-Christian Strache aufgetreten bin“, schüttelt Tisal verständnislos den Kopf.

Von seiner veröffentlichten Meinung abrücken will der 64jährige nicht. „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, sondern nur etwas gegen Wirtschaftsflüchtlinge. Beim Flüchtlingsansturm im Jahr 2015 habe ich sogar Kleidung verteilt und mitbekommen, wie ein Flüchtling eine Daunenjacke für den Winter nicht nehmen wollte, nur weil ihm die Farbe und die Marke nicht gefielen. Die Caritas hat mich nach meinem Facebook-Eintrag sogar eingeladen, mich davon zu überzeugen, dass die Flüchtlinge keineswegs mit Markenprodukten ausgestattet sind. Auf meine Frage, ob sie denn die teuren Mobiltelefone der Flüchtlinge bezahlen, bekam ich jedoch keine Antwort. Sie wollten auch, dass ich mich in aller Öffentlichkeit entschuldige, doch das tue ich nicht.“

Dafür wollte er seiner Nachfolgerin bei der Faschingsgilde einen harschen Text schreiben. Denn der Programmrat der Villacher Faschingsgilde, zu dem nach wie vor Manfred Tisal gehört, war der Meinung, dass der EU-Bauer nicht so einfach in der Versenkung verschwinden könne. Deshalb entstand die Idee, eine EU-Bäuerin auftreten zu lassen, also die Frau des EU-Bauern. In Frage dafür kam Tanja Karl, die 20 Jahre lang der Villacher Faschingsgilde angehörte und Prominente wie Arabella Kiesbauer oder Vera Russwurm parodierte. Sie verließ im Jahr 2009 die Gilde, kehrte nun zurück. Es wurde ein kurzes Vergnügen, für das Manfred Tisal sogar den Text geschrieben hat. Und er hatte klare Vorstellungen, wie seine „Frau“ aussehen sollte.

„Mit Kopftuch, Mantelschürze und Mistgabel in der Hand. Aber Karl wollte das nicht und kleidete sich lieber ,tussihaft‘ in einem rosa Dirndl mit Blumen im Haar. Das war überhaupt nicht passend. Außerdem hat sie auch die Pointen nicht richtig gesetzt. Dabei hatte ich wirklich gute Gags für sie geschrieben, wie etwa: ,Die Roten holten wie a Kett‘n. Aber wo es viele Nullen gibt, is leicht a Kette bülden“, erzählt Tisal.

Also entschied der Programmrat, dass Karl nach vier Auftritten als EU-Bäuerin bereits wieder Geschichte ist. „Die Zuschauer haben einfach nicht gelacht“, lautet Tisals Begründung. Doch das will Tanja Karl nicht auf sich sitzen lassen, zumal Tisal auch nur die Generalprobe gesehen hat. „Das Publikum hat sehr wohl gelacht. Nur weil es manchen Herrschaften nicht gepasst hat, wie ich meine Rolle angelegt habe, musste ich gehen. Ich wollte keine Parodie auf den EU-Bauern sein, sondern eine emanzipierte Bäuerin spielen. Deshalb habe ich auch keine Stallkleidung angezogen. Ich habe daher auch einige Textpassagen geändert. Das ist doch mein gutes Recht und künstlerische Freiheit. Früher hat es noch Spaß gemacht, bei der Gilde mitzuwirken“, kann sich Karl einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Dass es hinter den Kulissen des Villacher Faschings nicht lustig zugeht, belegt auch ein Streit vor zwei Jahren, woraufhin mehrere Mitglieder die Gilde verlassen haben. Auslöser für die Unstimmigkeiten war das „unmögliche Verhalten einiger Mitglieder, die sich besser als die anderen vorkamen. Es herrschte ein fürchterliches Klima. Doch auch heute ist die Situation nicht viel besser. Einige in der Gilde glauben, sie haben die Weisheit mit dem Löffel gegessen. Kritik üben oder eine eigene Meinung haben, ist hier nicht erwünscht“, erzählt ein Gilden-Mitglied, das nicht genannt werden möchte.

Um den EU-Bauern nicht sterben zu lassen, hat Manfred Tisal nun ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Heiter geht‘s weiter … Best of(f) 25 Jahre EU-Bauer.“ Was er mit seiner legendären Stallkleidung machen wird, weiß er schon. „Die werde ich für einen guten Zweck versteigern lassen“, sagt Tisal.
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