Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 06/2018 vom 06.02.2018, Fotos: Getty Images, BMG
„Simple Minds“ lassen im 40. Jahr ihres Bestehens neue Töne hören. Jim Kerr ist stolz auf die Karriere.
Charlie Burchill (Gitarre) und Jim Kerr haben ein abwechslungsreiches Album produziert.
„Wir haben geschuftet, sind zäh und ausdauernd“
Die aus der schottischen Großstadt Glasgow stammenden Jugendfreunde Jim Kerr (Gesang) und Charlie Burchill (Gitarre) lassen auch im jeweils 59. Lebensjahr nicht locker. Mit „Walk Between Worlds“ haben die „Simple Minds“-Frontmänner nun ein griffiges, melodiegetränktes, sich vielleicht ein bisschen zu sehr an austauschbar-kommerziellen Elektroklängen anbiederndes Album aufgenommen, das den Bogen spannt vom Gestern zum Heute. Eine Reise, über die der WOCHE-Reporter Steffen Rüth mit Kerr gesprochen hat. Ebenso erfuhr er, wann der Musiker im eigenen Hotel anzutreffen ist und ob es eine Feier zum 40-Jahr-Jubiläum der Bandgründung gibt.
Herr Kerr, warum besteht das neue Album „Walk Between Worlds“ (bereits im Handel) aus nur acht Liedern?
Das ist eine Frage der Fokussierung. Acht Lieder in 43 Minuten schien uns genau die richtige Dosis zu sein. Wir denken noch in Langspielplatten, und so haben wir vier Lieder auf jeder Seite, erst die eher poppigen und kommerziellen Stücke, dann die ausladenden, vom Klang bewusst etwas an die 80er Jahre angelehnten Nummern. Wenn wir das Album auf zwölf oder mehr Songs aufgebläht hätten, wäre am Ende ein Durcheinander entstanden, eine Minestrone.

Mag der Teilzeititaliener Jim Kerr keine nahrhafte, italienische Gemüsesuppe?
(lacht) Doch. Ich liebe Minestrone. Morgen werde ich eine kochen, wirklich wahr.

Sie sind derzeit in Glasgow (Schottland), besitzen jedoch auch ein Hotel in den Hügeln über Taormina auf Sizilien (Italien). Wann sind Sie denn im „Hotel Villa Angela“ anzutreffen?
Meine liebsten Monate sind Oktober, November und Dezember. Dann ist es ruhig und oft noch ein bisschen mild. Ich halte es nicht aus, wenn es zu heiß ist. Im Sommer bleibe ich meistens fern.

Also beschreiben Sie in dem fröhlich klingenden Lied „Summer“ nicht unbedingt den sizilianischen August?
Stimmt, der Sommer, den wir in dem Lied besingen, ist der skandinavische Sommer. „Summer“ entstand auf einem kleinen Festival im Norden Norwegens. Wir warteten auf unseren Auftritt, es war bereits ein Uhr nachts und noch immer hell. Und dann dieses Licht. Wirklich überwältigend. Die ganze Nacht war unglaublich, ich schlief am Ende keine Sekunde und war in einer Art positiven Hysterie.

Sie haben im Jahr 2014 das erfolgreiche Studioalbum „Big Music“ und zuletzt das Unplugged-Werk „Simple Minds Acoustic“ veröffentlicht. Wann und wie haben Sie die Lieder für „Walk Between Worlds“ geschrieben?
Die ganze Zeit eigentlich. Ich kann gut zwischendurch arbeiten, sogar auf Tournee in den zwei, drei nutzlosen Stunden zwischen Tonprobe und Konzert. Ich spaziere gern durch die Gegend und jongliere dabei mit Liedideen im Kopf. Manche Ideen trage ich wiederum schon seit Ewigkeiten mit mir herum, das Grundgerüst zu „Magic“ stand zum Beispiel schon seit fünfzehn Jahren.

Geht es in „Magic“ um das Wunder der Jugend?
Ja. Der Text ist eine Rückschau auf unsere Anfänge. Charlie und ich fragen uns heute hin und wieder, woher wir damals bloß den Mut nahmen, woher unsere Energie kam und unsere Gewissheit, es zu schaffen. Wir waren zwei Jugendliche aus dem armen Glasgow der Siebziger, und wenige Jahre später spielten wir in Stadien. Im Nachhinein bin ich stolz darauf, wie zäh und ausdauernd wir waren. Wir haben geschuftet, aber die harte Arbeit hat uns fast nie etwas ausgemacht.

Mehr als drei Jahrzehnte nach Welthits wie „Don‘t You (Forget About Me)“ oder „Alive And Kicking“ müssten Sie nicht mehr arbeiten. Wie motivieren Sie sich?
Das ist eine Sache der Mentalität. Ich kann nicht herumsitzen. Dieses Künstlersein, das ist unser Leben. Ich kann mich in einen neuen Song immer noch richtig reingraben.

In diesem Jahr steht ein Jubiläum an. Seit der Bandgründung sind 40 Jahre vergangen. Wird das gefeiert?
Das bleibt nicht aus. Genaueres wissen wir aber noch nicht.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung