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Ausgabe Nr. 5/2018 vom 30.01.2018, Fotos: Trölß, duty
Der Wirt des „Sternbräu“, Mag. Harald Kratzer (li.) und Gesundheitsreferent Christian Stöckl.
Jazz Gitti, 71, Sängerin
„Ich habe vor ein paar Monaten
Schluss mit den Zigaretten gemacht“

„Seit meinem 16. Lebensjahr war ich starke Raucherin. Bis zu 30 Zigaretten habe ich mir jeden Tag angezündet. Ich habe mehrmals versucht, aufzuhören. Das erste Mal mit 22 Jahren. Geschafft habe ich es aber nie. Bis mich vor ein paar Monaten eine Krankheit zum Umdenken gebracht hat. Ich bekam hohes Fieber, Atemnot und Kreislaufbeschwerden. Im Spital wurde ich drei Stunden untersucht, die Ärzte befürchteten einen Lungeninfarkt. Gott sei Dank war es nur eine Lungenentzündung. Mir war aber sofort klar: Für mich ist Schluss mit den Zigaretten. Mir reicht‘s. Von heute auf morgen habe ich keine Zigarette mehr angezündet. Die Krankheit war ein großer Schock für mich. Ich warne auch die Jugend: Lasst bitte die Finger von den Zigaretten. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum die neue Regierung das in der Gastronomie geplante absolute Rauchverbot gekippt hat. Die wollen das doch nur für sich selbst machen, weil einige Politiker starke Raucher sind. Das finde ich unverantwortlich. Ich kann nur sagen: Seit ich nicht mehr rauche, fühle ich mich fitter, ich bekomme mehr Luft, meine Stimme ist besser und ich bin nicht mehr verkühlt. Ich möchte ein gesundes, hohes Alter erreichen und wegen der Zigaretten nicht dahinsiechen müssen.“
Schluss mit dem Qualm
Eigentlich hätten mit Anfang Mai alle Gastronomiebetriebe in unserem Land rauchfrei sein sollen. Doch die neue Regierung hat die Regelung gekippt. Vizekanzler Strache, selbst Raucher, hat sich für Raucherlokale eingesetzt und Kanzler Kurz in die Knie gezwungen. Was per Verordnung nicht geschieht, wollen im Land Salzburg Wirte tun. 80 Betriebe haben sich der Aktion „Salzburg freiwillig rauchfrei“ angeschlossen.
Für die einen ist es Genuss, für die anderen eine Sucht, die zum Tod führt. Die einen pochen auf ihre Selbstbestimmung, die anderen auf harte Gesetze. Beim Thema Rauchen scheiden sich die Geister. Wer dem Glimmstängel verfallen ist, will seiner Sucht nachgeben, wo immer es geht. Zum Leidwesen der anderen, die als Passivraucher gesundheitsgefährdende Stoffe gegen ihren Willen einatmen. Dies ist in Lokalen oft der Fall. Selbst bei getrennten Bereichen für Raucher und Nichtraucher. Der Qualm verbreitet sich überall. Zum Handkuss kommt auch das Personal, das dem blauen Dunst ständig ausgesetzt ist.

Unsere Gesundheit sollte geschützt werden, daher war vorgesehen, ab Anfang Mai ein allgemeines Rauchverbot in gastronomischen Betrieben einzuführen. Eine Regelung der alten SPÖ/ÖVP-Regierung, mit der Heinz-Christian Strache nie einverstanden war. Er bezeichnete sie als „unseligen Gesetzesbeschluss“. Der FPÖ-Chef, selbst Raucher, ist gegen diesen staatlichen Zwang. Deshalb kippte er den Beschluss, als er in der neuen Regierung die Möglichkeit dazu hatte. Kanzler Sebastian Kurz wurde dabei von ihm überfahren. Es darf also weiterhin geraucht werden. Für Ärzte ein Wahnsinn. Eine neue Studie von Forschern des Krebsinstitutes der Universität London bestätigt dies. „Ein großer Teil der Gesundheitsgefährdung entsteht bereits durch das Rauchen von nur einer Zigarette am Tag“, meint Studienleiter Allan Hackshaw. Wer sich eine Zigarette am Tag anzündet, ist immer noch einem um 40 bis 50 Prozent erhöhtem Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko ausgesetzt, das mit dem Konsum einer Schachtel Zigaretten am Tag in Verbindung gebracht wird. Fünf Zigaretten am Tag machen im Vergleich zu 20 Zigaretten 55 bis 65 Prozent des erhöhten Risikos aus. Hackshaw rät daher: „Bevor Raucher mit dem Gedanken spielen, ihren Zigarettenkonsum einzuschränken, sollten sie besser ganz aufhören.“

Den Glimmstängel zumindest aus den Lokalen zu verbannen, scheint den Menschen in unserem Land ein Bedürfnis zu sein. Zwei Drittel sprachen sich in einer Umfrage für ein Rauchverbot aus. In den Bundesländern Tirol, Kärnten, Vorarlberg und Salzburg waren es gar vier von fünf Befragten. Weil die neue ÖVP/FPÖ-Regierung aber das Nichtraucherschutzgesetz gekippt hat, ergreifen die Wirte selbst die Initiative. Vor allem im Land Salzburg regt sich starker Widerstand.

Ausgelöst hat ihn der Gesundheitsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl, 60, von der ÖVP. Er wollte den „Umfaller“ seines Parteichefs Kurz nicht hinnehmen und rief Anfang des Jahres die Aktion „Salzburg freiwillig rauchfrei“ ins Leben. „Damit sollen Salzburger Gastronomiebetriebe den Gästen auf freiwilli-
ger Basis ein Nichtraucherlokal anbieten“, erklärt Stöckl und zeigt sich von der Teilnahme zufrieden. „Die Aktion verläuft erfreulich. Bislang haben sich 80 Wirte dazu bekannt und machen dies mit dem Aufkleber ,Salzburg freiwillig rauchfrei‘ für Gäste ersichtlich.“ Luft nach oben bleibt noch, immerhin gibt es im Land Salzburg mehr als 4.000 Hotellerie- und Gastronomiebetriebe. „Dennoch bin ich zufrieden, weil wir bereits in jedem Bezirk Wirte haben, die mitmachen“, sagt Stöckl.

Der erste, der auf den Rauchfrei-Zug aufgesprungen ist, war Mag. Harald Kratzer, 54, der Wirt des „Sternbräu“ in der Stadt Salzburg. Ein traditionelles Haus, das seit 1542 besteht und in dem nachweislich das Musik-Genie Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1777 getanzt hat. „Die meisten unserer Räume sind seit Jahren rauchfrei, weil die Gäste das schätzen. Nur in unserer Sternzeit-Bar durfte nach Mitternacht geraucht werden. Aber seit 1. Jänner habe ich das eingestellt“, erklärt Kratzer, der sich mit vielen seiner Kollegen solidarisch sieht. „Die meisten Gastronomen, die ich kenne, haben mir gesagt, dass
sie froh seien, wenn im Mai das Rauchverbots-Gesetz gekommen wäre. Sie wollen nicht, dass geraucht werden
darf. Das will die Mehrzahl der Gastronomen in Salzburg,
die ich kenne, nicht. Bei mir wird viel gegessen und ich musste feststellen, dass die Raucher-Räume in den vergangenen Jahren immer unbeliebter wurden. Sogar die Ausländer sind hinausgegangen, um zu rauchen, obwohl sie drinnen hätten rauchen dürfen, aber die sind halt schon darauf eingestellt, weil in anderen Ländern seit Jahren das Rauchen in Lokalen verboten ist. Deshalb haben wir uns entschlossen, diesen letzten Raucher-Raum auch rauchfrei zu machen. Es war eine gute Entscheidung, denn der Umsatz ist insgesamt gestiegen. Es wird ja immer wieder das Argument gebracht, dass mit dem Rauchverbot Verluste einhergehen. Bei uns war das Gegenteil der Fall, denn die Räume, in denen nicht mehr geraucht werden durfte, haben mehr Umsatz gebracht und zwar erheblich, zwischen fünf und zehn Prozent. Nun sind alle elf Räume inklusive der Bar rauchfrei.“ Die Mitarbeiter freut‘s, denn
sie sind keinem schädlichen Qualm mehr ausgesetzt, zudem profitieren sie vom gesteigerten Umsatz.

Bereits im November des Vorjahres rauchfrei gemacht hat Karl Rößlhuber in Bergheim seine Café-Konditorei-Bäckerei. Mit Anlaufschwierigkeiten, wie er sagt. „Wir hatten 50 Raucherplätze und 70 für Nichtraucher. Die Raucher waren es gewohnt, hereinzukommen, sich eine Zeitung zu nehmen und sich eine Zigarette anzuzünden. Als sie das nicht mehr durften, waren einige böse und meinten, sie würden nicht mehr zu uns kommen. Mittlerweile überwiegen die positiven Aspekte.“ Dass sie ihren Familienbetrieb längst auf rauchfrei umstellen wollten, bestätigt Bruder Michael Rößlhuber. Der 34jährige ist Bäcker und Konditor im Betrieb. „Die Mütter mit ihren Kindern, die zu uns frühstücken kommen, sind heilfroh, dass im gesamten Lokal nicht geraucht wird. Umsatzein-
bußen mussten wir nicht hinnehmen. Die paar Raucher, die uns jetzt meiden, fallen nicht ins Gewicht. Wir konnten den Umsatz sogar um fünf Prozent steigern. Unsere Zukunft liegt in der Gesundheit, deshalb haben wir unsere Mitarbeiter in die Aktion des Landeshauptmann-Stellvertreters miteinbezogen. Jeder unserer 50 Mitarbeiter im Service oder der Bäckerei, die nicht rauchen oder zu rauchen aufhören, bekommen einen monatlichen Bonus von zehn bis zwanzig Euro. Eigentlich müsste die Politik ein derartiges System fördern, indem sie solche kleinen Beträge abgabenfrei hält. Das heißt, es dürften keine Lohnnebenkosten anfallen, keine Abgaben für Betriebe und Mitarbeiter. Auf diese Weise würden alle profitieren. Das Sozialsystem natürlich auch, weil die Menschen gesünder leben.“

Eine Änderung des Gesetzes muss kommen, da sind sich die Rauchgegner einig. Christian Stöckl scheut sich nicht, die schärfste Waffe zu gebrauchen, die der Bevölkerung zur Verfügung steht, um ihr Recht durchzusetzen. „Ich denke, wenn wir direkte Demokratie befürworten, müssen wir auch eine Volksbefragung oder Volksabstimmung befürworten, gerade beim Thema Gesundheit.“
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Reiskörndl
Schluss mit dem Qualm...
Dafür soll es sogar ein Volksbegehren geben? Dabei hat eine EU Studie nun vor ein paar Tagen eröffnet, dass 400.000 Menschen im Jahr in Europa an den Abgasen der Autos sterben.
Die Flugzeuge sind hier ebenfalls Lungenkrebs bringer, davon reden diese Ärzte nicht. Warum nicht? Weil sie da auf etwas verzichten müssten das sie nicht aufgeben möchten!
Warum nicht? Die feinsten tausenstel Partikel in der Luft, sind es die unsere Lunge angreifen. Ich war Kettenraucherin bis 1997 im Juni und hatte kein Fleckerl auf der Lunge. Diese Lüge ärgert mich und wie wäre es wenn diese Initiatoren aufhören würden Auto zu fahren? S ie weggeben müßten, um nicht die Fußgeher, dazu gehöre ich, zu gefährden? 400.000Menschen sterben allein an Auto- Abgasen.
Ich bin tolerant, obwohl ich nun 20 jahre nicht mehr rauche. Denn ich muss ja in kein Raucher Lokal gehen!
Und das verstehe ich unter einem guten Miteinander!

Denken Sie alle einmal darüber nach

Reisinger Hermine
9500 Villach
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