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Ausgabe Nr. 04/2018 vom 23.01.2018, Fotos: picturedesk.com, Gepa
Abfahrtslegende und Kitzbühel-Vermarkter Harti Weirather feiert seinen 60er.
Weirather mit seiner Frau Hanni (li.) und Tochter Tina (Mitte).
„Ich war nur ein einfacher Bauernbub mit zwei Schi”
Einst hielt Hartmann „Harti“ Weirather, 59, als „Mr. Streif“ zehn Jahre lang den Streckenrekord der Hahnenkamm-Abfahrt, am vorigen Wochenende besuchte der Bauernsohn aus Wängle (T) die Hahnenkammrennen bereits zum 22. Mal als Vermarkter. Hier erinnert sich die Schi-Legende, die am 25. Jänner 60 Jahre alt wird, an die schönsten Erlebnisse zurück.
Am Tag danach sind seine Augen jedes Jahr rot und der Körper bleiern müde. „Die Rennen in Kitzbühel (T) sind immer noch Schwerstarbeit für mich, auch abseits der Piste“, schmunzelt Harti Weirather, 59. Seit 22 Jahren vermarktet er mit seiner Frau Hanni Wenzel und beider Firma WWP (Weirather, Wenzel & Partner) die Hahnenkamm-Rennen und kümmert sich um Sponsoren. „Dass mit Thomas Dreßen am Samstag ein Deutscher auf der Streif die Abfahrt gewann, der seinen Vater bei einem Gondel-Unglück verlor, in der er selbst fast gesessen wäre, ist eine unglaubliche Geschichte, die wohl für uns Vermarkter geschrieben wurde“, strahlt er nach dem sportlichen Ausgang, obwohl das Ex-Abfahrtsass selbst dem Feiermarathon in der Gamsstadt eher mit einer Hass-Liebe gegenübersteht. „Ich komme das ganze Wochenende kaum zum Schlafen. Eigentlich sind das Partymachen, Feiern und der Alkohol ein Horror für mich“, gesteht er. „Aber da muss ich durch, das wird von mir verlangt.“

Ursprünglich stammt der frühere Schi-Held aus einfachen Verhältnissen, Luxus kannte er nicht. „Ich war ein Bauernbub, meine Eltern hatten einen Hof in Wängle bei Reutte (T)“, erinnert er sich. Weirather hatte zwar kein Geld, doch an Mut mangelte es ihm schon in frühen Jahren nicht. „Als ich in Neustift (T) als Kind die Schischule besuchte, waren mir alle anderen mit ihrem Schi-Material überlegen. Also stellte ich mich mit 13 Jahren eines Tages krank und stahl mich heimlich aus der Schule, um per Autostopp zur Schifirma Kneissl nach Kufstein zu fahren.“ Der Firmenleiter Franz Kneissl war so erstaunt, dass ein 13jähriger plötzlich in seinem Büro Unterstützung verlangte, dass er ihm fünf Paar Rennschi mitgab und 2.000 Schilling in die Hand drückte, damals ein kleines Vermögen. Es folgte eine erfolgreiche Rennkarriere, gekrönt vom Gesamtweltcupsieg 1981 und insgesamt sechs Abfahrtssiegen. „Das Jahr 1982 war sicher der Meilenstein meiner aktiven Zeit“, betont Weirather. „Erst gelang mir der Triumph auf der Streif mit dem Streckenrekord und wenig später die Abfahrts-Goldmedaille bei der Heim-WM in Schladming“. Noch heute kann er die 50.000 Zuschauer johlen hören, als er ins Ziel einfuhr. Allerdings musste der Tiroler auch etliche Rückschläge wegstecken. „Einige bittere Enttäuschungen sind bei mir ebenso hängen geblieben wie die Erfolge“, gibt er zu. „Etwa, dass bei den Olympischen Spielen immer alles gegen mich lief. In Lake Placid musste ich 1980, in Superform befindlich, mit Startnummer eins für die anderen den Schneepflug spielen. In Sarajewo stach mich Jimmy Steiner hauchdünn in der internen Qualifikation aus.“

Dafür lief es im Privatleben umso besser, 1983 wurde er mit der Lichtensteinerin Hanni Wenzel, heute 61, ein Paar. „Wir kannten uns damals nur vom Sehen. Es funkte dann in der Wartehalle des Flughafens in San Francisco (USA) zwischen uns, als wir auf einen Flieger nach Japan warteten“, erzählt Weirather die Entstehungsgeschichte der Beziehung mit der zweimaligen Olympiasiegerin. „An Bord hatten wir reichlich Zeit, zarte Bande zu knüpfen.“ Im Jahr 1986 wurde geheiratet, es folgten die Söhne Herbert, 29, und Thomas, 22, sowie Tochter Tina, 28, die trotz österreichischem Pass heute für Lichtenstein erfolgreich im Schiweltcup startet und erst am Wochenende Abfahrtszweite in Cortina d‘Ampezzo (It) wurde. „Wenn sie die Pisten hinuntersaust, mache ich mir große Sorgen, denn sie hatte ja schon schwere Verletzungen“, klagt der Schi-Papa. „Hanni kann überhaupt nicht hinschauen, wenn Tina fährt, sie geht dann hinterher nur die Ergebnisse durch, ob alles gutgegangen ist.“ Das Weihnachtsfest ist eine der seltenen Gelegenheiten, wo die Familie in Tirol heute noch zusammenkommt, manchmal sogar ein paar Tage gemeinsam Schi fährt. Beide Söhne galten früher als Tennistalente, arbeiten aber heute bei der Organisation der „Drohnen-Champions-League“ mit, wobei mit den fliegenden „Untertassen“ vor bis zu 180.000 Zuschauern spektakuläre Kunstflugbewerbe absolviert werden. Enkerl gibt es noch keine, obwohl Weirather sie sich wünschen würde. „Tina fährt ja noch aktiv, Thomas ist erst auf Partnersuche und bei Herbert tut sich nichts, obwohl er seit acht Jahren in festen Händen ist“, schmunzelt der ehemalige „Mr. Streif“.

Beruflich ist Gattin Hanni Wenzel schon seit 1987 Harti Weirathers gleichberechtigte Geschäftspartnerin, die Vermarktungsfirma WWP, die heute weltweit tätig ist, unterhält mit 90 Mitarbeitern auch Büros in Barcelona,
Madrid (Sp) und Mailand (I). „Kitzbühel ist für uns das Wimbledon des Winters und unsere Visitenkarte in der Marketingszene“, erzählt er von der Gamsstadt, wo Prominente von Bernie Ecclestone bis Arnold Schwarzenegger auf seiner Gästeliste stehen. „Wir arbeiten aber auch häufig im Fußballbereich, betreuen Sponsoren für große Kunden wie die Superklubs Real Madrid oder Barcelona“, schildert er. Seine 60er-Geburtstagsfeier in dieser Woche will er hingegen nur im kleinen Kreis abhalten. „Nur Hanni, die Kinder und ich sollen dabei sein, in den vergangenen Tagen gab es ohnehin viel zu viel Rummel“, schmunzelt Weirather. Die meisten Ziele habe er mittlerweile erreicht, sein Leben sei glücklich und erfüllt, versichert der Jubilar. „Ich wollte mit 60 das Tagesgeschäft der Firma so etabliert haben, dass ich nur noch tun muss, was mir Spaß macht. Ich denke, das habe ich erreicht.“
Kreuziger
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