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Ausgabe Nr. 04/2018 vom 23.01.2018, Fotos: Sony Music
Camila Cabellos, 20, Lied „Havana“ wurde ein Erfolg.
Kürzlich erschienen: ihr Album „Camila“.
Zu jung für Alkohol, aber alt genug für die Hitlisten der Welt
Sie hat kubanisch-mexikanischen Migrationshintergrund. Das sind derzeit keine guten Voraussetzungen, um in Amerika, dem Land des Präsidenten Donald Trump, ein sorgenfreies Leben führen zu können. Dennoch könnte es für die 20jährige Camila Cabello, wohnhaft im sonnigen Miami (US-Staat Florida), nicht besser laufen. Ihr eingängiges Lied „Havana“ ist weltweit ein Erfolg und ihr kürzlich erschienenes Album „Camila“ wird wohl ähnlich gut beim Publikum ankommen. Wer und was hinter der fröhlichen Cabello steckt, hat der WOCHE-Reporter Steffen Rüth ergründet.
Sie sind 20 Jahre alt. Erst ab März, mit Ihrem 21. Geburtstag, dürfen Sie in Ihrer Heimat Amerika Alkohol trinken und Nachtklubs aufsuchen. Nervt Sie das derzeit?
Nur ein bisschen, weil ich ohnedies nicht gerne ausgehe. Ich war zuletzt vor einem Jahr abends unterwegs. Viel lieber höre ich mir daheim Musik an. Sie ist mein Ventil, wenn ich traurig bin, aber auch, wenn ich mich freue. Musik und das Leben gehören für mich untrennbar zusammen. Was wäre das ohne Musik für eine traurige, magielose Welt.

Mochten Sie die Musik immer schon?
Ja. Als Kind habe ich oft eine CD mit meinen Lieblingsliedern in die Schule mitgenommen, um sie den anderen vorzuspielen. Ich hörte am liebsten Latin Pop, die „Gypsy Kings“ und Shakira zum Beispiel. So brach ich das Eis mit den anderen Kindern.

Waren Sie schüchtern?
Ziemlich. In mich gekehrt bin ich immer noch, aber es ist schon besser geworden. Früher hätte ich mich nicht einmal getraut, vor meiner Familie aufzutreten.

Sie haben mit 15 Jahren an der Talenteshow „The X Factor“ teilgenommen und dann in der Mädchengruppe „Fifth Harmony“ gesungen. Im Dezember 2016 stiegen Sie allerdings aus, warum?
Ich spürte, wie ich in der Gruppe mehr und mehr verkümmerte und unglücklich wurde. Ich hatte immer
im Hinterkopf, meine eigenen Lieder zu schreiben, aber mir wurde klargemacht, dass ich parallel zu „Fifth Harmony“ keine Solokarriere haben dürfe. Als ich mit den Mädchen auf Tour war, habe ich heimlich Songs geschrieben, das war mein kleines Fenster zur Freiheit. Dazu habe ich in meinem Hotelzimmer den Fernseher laut aufgedreht, geschrieben und gesungen.

Kam das Lied „Havana“ auch so zustande?
An „Havana“ habe ich ewig herumgestrickt, bestimmt sechs Monate lang. Das Lied habe ich zusammen mit Pharrell Williams aufgenommen, es sollte perfekt werden. „Havana“ ist meine Ode an die Heimat, eine Verbeugung vor meiner Kultur und Herkunft. Außerdem fand ich es super, ein Lied über Männer zu schreiben.

Haben Sie Zeit für die Liebe?
Na ja, für einen Mann, in den ich verliebt bin, kann ich immer Zeit finden. Derzeit ist keiner in Sicht, aber wenn es sich ergibt, würde ich jetzt nicht sagen „Nein, du, geh wieder, ich bin zu beschäftigt“. Das wäre ja deprimierend. Du kannst nicht das Leben stoppen und dir selbst die Liebe verbieten, nur weil du arbeitest.

Ihre Mutter ist Kubanerin, Ihr Vater Mexikaner. Präsident Donald Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und Menschen wie Sie und Ihre Familie nicht mehr ins Land lassen oder aus den USA hinauswerfen. Was sagen Sie dazu?
Ich finde das schockierend und nehme die Anfeindungen persönlich. Wir als Gemeinschaft mit latein-amerikanischen Wurzeln müssen aufstehen, uns wehren,
auf unsere Rechte pochen. Überhaupt: Gegenseitiger Respekt und Gleichberechtigung für alle Menschen sind für mich selbstverständlich. Das kann doch nicht so kompliziert sein. Warum können wir nicht nett zueinander sein?
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