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Ausgabe Nr. 04/2018 vom 23.01.2018, Fotos: B.Boissonnet/Fotolia, zVg
Röntgen, MRT und CT
Dr. Franz Frühwald, Radiologe:
„Sogar bei der Untersuchung der kleinen Herzkranzgefäße kann eine CT Veränderungen erkennen, die mit einem EKG oder Ultraschall nicht oder nicht in dem Ausmaß sichtbar sind.“
Regelmäßig den Körper durchleuchten
Kürzere Wartezeiten, geringstmögliche Strahlung und präzisere Bilder versprechen radiologische Institute bei Untersuchungen mit Hilfe von Röntgen, Computer- (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Dieser Fortschritt hilft, viele Erkrankungen bereits zu einem Zeitpunkt zu erkennen, zu dem Betroffene meist noch keine Beschwerden spüren.
Zahlreiche Kassenpatienten können ein Lied davon singen. Wer sich für ein Röntgen, eine CT oder MRT anmeldet, muss Wartezeiten von Wochen oder Monaten hinnehmen.

Das soll sich nun ändern. „Seit Jahresbeginn gilt für alle 133 Radiologie-Institute mit Kassenvertrag verpflichtend, dass Patienten für eine Untersuchung mit Computertomographie binnen zehn Tagen, für eine mit Magnetresonanz-Tomographie binnen 20 Tagen einen Termin bekommen müssen“, betont Alexander Biach, Verbandsvorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Die bildgebende Diagnostik, dazu gehören Röntgen, Computer-Tomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT), ist für das Abklären von akuten Krankheiten und inneren Verletzungen unerlässlich.

Doch nicht nur dann. Mit dem „Blick ins Innere des Körpers“ können Krankheiten zu einem Zeitpunkt entdeckt werden, da sie noch keine Beschwerden verursachen. „Der technische Fortschritt ist enorm, es ist immer weniger Strahlung notwendig. Bei einem Brustkorb-Röntgen etwa ist der Patient einer Strahlung ausgesetzt, die einem Fünftel der Strahlung eines Hin- und Rückfluges über den Atlantik entspricht, und eine Ganzkörper-CT ist heute ohne Kontrastmittel in zwanzig Sekunden möglich“, sagt Univ.-Doz. Dr. Franz Frühwald, ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Institutes Frühwald in St. Pölten (NÖ).

Auch bei der jüngsten Generation der MRT-Geräte, dem 3-Tesla, müssen Patienten viel kürzer in die Röhre. Das Atemanhalten während der Untersuchung ist bis zu 90 Prozent verkürzt oder gar nicht mehr notwendig. „Das Gerät liefert auch präzisere Bilder. Es können Details erkannt werden, die mit den herkömmlichen Geräten nicht abgebildet werden konnten“, sagt Till Bader vom MR-Ambulatorium am Standort Wien-Speising. Diese Entwicklung macht es möglich, dass Röntgen, CT und MR immer öfter im Sinne der Vorsorge und Früherkennung eingesetzt werden.

Zahnröntgen
Gefahren im Kiefer aufspüre
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Ein Röntgen beim Zahnarzt kann tiefliegende Schäden an Zähnen, im Gewebe sowie Kieferbrüche oder Geschwülste aufdecken. „Nicht alle Veränderungen im Kiefer spüren Patienten sofort. Wurzelbehandelte Zähne etwa sind unempfindlich. Gelingt es Bakterien, sich an den ‚toten‘ Wurzelspitzen anzusiedeln, kommt es zu einer vorerst nicht spürbaren Entzündung im Kiefer“, erklärt Dr. Frühwald. „Am Röntgenbild ist sie früh erkennbar, der Zahnarzt kann sofort mit der Behandlung, meist eine Wurzelspitzenentfernung, beginnen. Ähnlich ist es mit Weisheitszähnen, die sich nicht aus dem Kieferknochen heben. Hier kann sich eine Zyste um den Zahn im Kiefer entwickeln und den Knochen verdrängen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Knochenbruches im Kiefer. Ein Röntgen macht das Problem sichtbar, bevor größerer Schaden entsteht. Patienten, die fürchten, ein Röntgen am Kopf belaste die Gesundheit, können beruhigt sein. Die Strahlenbelastung ist aufgrund empfindlicher Röntgendetektoren sowie durch die zunehmende Digitalisierung um 90 Prozent gesunken.“

Die jüngste Entwicklung ist das 3D-Röntgen, das in wenigen Minuten ein dreidimensionales Bild des Kiefers digital erstellt. Die Strahlenbelastung ist bei diesem modernen System ähnlich niedrig wie beim digitalen Pano-
ramaröntgen.

Knochendichtemessung
Brüchen vorbeugen

Die Knochendichtemessung ist eine Röntgenuntersuchung mit extrem niedriger Dosis, bei der die „Dichte“ des
Knochens (Mineralgehalt) gemessen wird. Die Werte
werden mit Standardwerten einer 20jährigen gesunden Frau verglichen. Liegt der T-Score höher als -1, entspricht dies dem Normalbefund. Werte zwischen -1 und -2,5 gelten als „Vorstufe“ der Osteoporose (= Knochenschwund). T-Werte unter -2,5 bedeuten Knochenschwund. Die Messung wird im Liegen durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. „Frauen sind häufiger von Knochenschwund betroffen als Männer, weil das Einlagern von Kalk in die Knochen stark durch das Sexualhormon Östrogen gesteuert wird. Die Knochendichte wird in der Lendenwirbelsäule und am Schenkelhals gemessen, weil an diesen Stellen die häufigsten osteoporotischen Knochenbrüche auftreten.“

Das frühe Entdecken von Knochenschwund hilft, das Risiko für Brüche im Alter zu senken. Mit Hilfe von Ernährung, Bewegungstherapie und Medikamenten werden geschwächte Knochen wieder gestärkt. Weil sie sich nur langsam erholen, ist eine Kontrollmessung erst nach einem Jahr sinnvoll.

Mammographie
Kleinste Tumore sichtbar machen

Die Mammographie dient der (Früh-)Erkennung von Brustkrebs bei Frauen und Männern. Die Untersuchung erfolgt an speziellen (heute meist digitalen) Röntgengeräten, jede Brust wird aus zwei, gegebenenfalls mehreren Richtungen aufgenommen. „Meist können ab einer Größe von zwei Millimetern Veränderungen im Brustgewebe sichtbar gemacht werden. Das ist deutlich früher, als mit dem Ertasten möglich wäre. Dafür muss ein
Tumor bereits zirka drei Zentimeter groß sein. Zu diesem Zeitpunkt haben aber schon 30 Prozent der Tumore gestreut, was meist eine Heilung ausschließt.“
Je früher ein Brusttumor erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Seit fünf Jahren gibt es bei uns Reihenuntersuchungen. Frauen zwischen 45 und 70 Jahren werden alle zwei Jahre zur Mammografie geladen. Auf Wunsch erhalten auch Frauen ab 40 und ab 70 die Einladung.

Darmkrebs
Eine CT, wenn der Darm blockiert

In der Darmkrebsvorsorge ist die Koloskopie die wichtigste Untersuchung, um Polypen in der Darmwand aufzuspüren und sofort zu entfernen. „Es gibt Patienten, deren Darm stark verschlungen ist und der Arzt das Endoskop nicht bis an den Übergang zum Dünndarm führen kann. Hier hilft eine CT, den Rest des Darmes auf Polypen zu untersuchen. Dazu wird der Patient einmal in der Bauch- und einmal in der Rückenlage im Computertomographen geröntgt. Sind auf dem CT-Bild Polypen erkennbar, wird ihre Entfernung empfohlen.“
Darmkrebs ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Neun von zehn Darmtumoren entwickeln sich aus gutartigen Darmpolypen. Die Darmkrebsvorsorge ist ab dem 50. Lebensjahr empfohlen.
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