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Ausgabe Nr. 2/2018 vom 09.01.2018, Fotos: Helge Kirchberger, vida
Petra Nocker-Schwarzenbacher, Berend Tusch
Köche auf die Mangelberufsliste?
Dachdecker stehen ebenso auf der Mangelberufsliste wie Krankenpfleger oder Fliesenleger. Drittstaats-Angehörige, die nicht Bürger eines EU-Landes, aus Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz sind, und solche Berufe ausüben, dürfen bei uns arbeiten. Für Köche gilt diese Ausnahmeregelung allerdings nicht. Zum Unmut der Gastwirte und Hoteliers. Denn vor allem im Westen herrscht Mangel beim Küchen-Personal. Schwarz-Blau will die Mangelberufsliste aber regionalisieren.
JA: Petra Nocker-Schwarzenbacher,
Bundessparte Tourismus:

„Ob Köchinnen und Köche auf die Mangelberufsliste gehören, dass sollte regional betrachtet werden. Wenn jemand Familie in Wien oder Niederösterreich hat, verstehe ich, dass es für ihn nicht ganz einfach ist, in Westösterreich zu arbeiten. Aber wir müssen die Plätze trotzdem besetzen. In Tirol kommt zum Beispiel auf zwei offene Stellen ein arbeitsloser Koch. Ich hab‘ kürzlich einen verzweifelten Anruf von einer Wirtin bekommen, die drei Zuweisungen für eine Koch-Stelle durch das Arbeitsmarktservice (AMS) erhalten hat. Einer ist ausgefallen, der Zweite wollte eine Jahresstelle, das kann sie nicht bieten, und der Dritte nur von Montag bis Freitag arbeiten. Sie wollte einen Serben anstellen, aber das ging nicht, weil Köche eben nicht auf der Mangelberufsliste stehen. Viele Betriebe haben auf eine Fünf-Tage-Woche umgestellt, die Qualität ist gestiegen und das bedeutet einen höheren Mitarbeiter-Bedarf. Die deutschen und ungarischen Mitarbeiter bleiben jetzt im eigenen Land, weil auch dort der Arbeitsmarkt boomt. Und was die Bezahlung betrifft, wer zahlt denn nur den Mindestlohn? Außerdem müssen freie Kost und Logis auch dazugerechnet werden. Das scheint auf dem Lohnzettel nicht auf.“

NEIN: Berend Tusch,
Gewerkschaft vida:

„Was grundsätzlich dagegen spricht, ist, dass aus meiner Sicht kein Mangel vorherrscht. Wenn drei arbeitssuchende Köchinnen oder Köche auf eine offene Stelle kommen, dann frage ich mich, wo der Mangel ist. Mangel heißt laut Definition, es fehlt irgend etwas, aber hier orte ich kein Fehlen. Ich verstehe den Ruf nach Beschäftigten aus Drittstaaten nicht, um die offenen Stellen zu besetzen, wenn wir einen großen Arbeitsmarkt in unserem Land haben und auch aus dem EU-Raum rekrutieren können. Ende September haben rund 45.300 Menschen im Tourismus Arbeit gesucht. Die Zahl spricht für sich. Diese Menschen müssen erreicht werden. Wie kann das geschehen? Indem die Arbeitsbedingungen und die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten verbessert werden. Das ist der Schlüssel. Es ist nicht nur die Bezahlung, da gehört sicher auch noch angesetzt. Aber muss es sein, dass Beschäftigte sechs Tage in der Woche arbeiten? Andere Branchen zeigen uns ja auch, wie das mit der Fünf-Tage-Woche funktioniert. Dazu kommen die erhöhten Arbeitszeiten, es werden immer die vollen gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, und die fehlende Planbarkeit.“
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