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Ausgabe Nr. 2/2018 vom 09.01.2018, Foto: picturedesk.com
Wolfram Pirchner ist geschieden, Vater zweier Kinder und Autor. Sein neues Buch „Keine Panik vor dem Alter(n)“ erscheint im März.
„Ich strebe keine Versorgungsposten an“
Den früheren ORF-Moderator Wolfram Pirchner zieht es in die Politik. Bei der Landtagswahl am 28. Jänner kandidiert er für die niederösterreichische ÖVP. Beim ORF ist er ausgeschieden, weil er „mit der nicht nachvollziehbaren Provinz-Veränderung des Vorabendprogrammes nicht einverstanden“ war. So wie viele Zuschauer. Als Mentaltrainer und Lebensberater begleitet er Menschen, die „eine Veränderung ihrer Lebensqualität anstreben“.
Herr Pirchner, warum gehen Sie jetzt in die Politik?
Die Beantwortung auf „Warum“-Fragen lautet bei mir immer, weil ich das so möchte …

Sie stehen auf Platz 24 der niederösterreichischen ÖVPLandesliste. Werden Sie nach der Wahl im Landtag sitzen?
Ich habe keine Ahnung, da werden wir wohl das Ergebnis der Landtags-Wahl am 28. Jänner abwarten müssen beziehungsweise die Vorzugsstimmen.

Für welchen Bereich wollen Sie sich engagieren? Bildung, Gesundheit, Kultur?
Sie nehmen mir die Antwort quasi aus dem Mund: selbstverständlich Bildung, nicht nur, weil ich Lehramt Englisch und Musik studiert habe, sondern am Beispiel meiner beiden Kinder sehe, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist. Die Grundvoraussetzung dazu ist, dass man die Möglichkeiten dazu hat.

Liegt Ihr Politik-Einstieg an der neuen ÖVP-Führung von Sebastian Kurz, an ÖVP-Landeshauptfrau Mikl-Leitner oder hat der Drang mitzugestalten schon früher in Ihnen „gebrodelt“?
Mein „Einstieg“, wie Sie es nennen, liegt nicht an der neuen ÖVP-Führung, wohl aber an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die ich seit Jahrzehnten kenne und schätze. In mir brodelt erfreulicherweise gar nichts, weil das hieße ja, dass ich möglicherweise etwas unterdrücken müsste … Wohl aber hat mein ORF-Ausstieg meine Lust am Mitgestalten vergrößert. Sie war freilich in Nieder-
österreich auch schon zu Zeiten des von mir äußerst geschätzten ehemaligen Landeshauptmannes Dr. Erwin Pröll vorhanden.

Sind Sie ÖVP-Mitglied? Seit wann?
Das ist doch eher privat, nicht? Aber ja, ich bin Mitglied der ÖVP Niederösterreich. Und das nicht erst seit dem Vorjahr.

War das im ORF eher ein Vor- oder Nachteil?
Weder noch. Erstens weiß niemand, wessen Mitglied ich bin und zweitens habe ich mich beim ORF auf meine Kernaufgabe konzentriert, die geschätzten Zuseherinnen und Zuseher objektiv und umfassend zu informieren. Was mir und meinem herausragenden „Heute Leben“-Team ja gut gelungen ist.

Gab es ein Ereignis oder eine Begegnung, die Sie zur niederösterreichischen ÖVP gebracht hat?
Es waren prägende Ereignisse und Begegnungen mit Menschen, die motiviert, durchsetzungsfähig, human und zielorientiert sind. Und da hat mich Mag. Mikl-Leitner äußerst beeindruckt. Sie mag den Kontakt zu den Menschen und praktiziert ihn intensiv. Nicht nur im Wahlkampf, wie das andere Kandidaten und Kandidatinnen machen, die wir während der Legislaturperiode dann eher selten sehen. Egal wo. Aber das ist vielleicht auch besser so.

Sie sind gebürtiger Tiroler, der in der Region Bruck an der Leitha (NÖ) eine neue Heimat gefunden hat. Vermissen Sie die Berge nicht?
Definitiv nein. Ich habe schon als Bub die Enge der Berge als erdrückend empfunden und wollte immer, dass meine Eltern mit mir und meiner Schwester ins Flachland ziehen. Das habe ich mit einiger Verspätung dann erfreulicherweise doch geschafft.

Möchten Sie in Niederösterreich etwas verändern? Oder ist alles gut, so wie es ist?
Nachdem ich ein großer Freund von konstruktiven Veränderungen bin, ja natürlich. Stillstand ist lähmend. Und es gibt in verschiedenen Bereichen auch in Niederösterreich Handlungsbedarf. Das ist doch völlig normal, ein fortschreitender Lebensprozess, der auch nicht an den Landesgrenzen Halt macht. Aber schauen Sie sich das Programm an, das steht auf einem soliden Fundament und bietet den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern im Arbeitsbereich, im medizinischen Nahversorgungsbereich, beim Thema Mobilität und in der Familienpolitik Lösungen an, die in einem modernen Land und einem modernen Zeitalter unerlässlich sind.

Quereinsteiger haben es in der Regel nicht leicht im Politikgeschäft. Was, glauben Sie, ist bei Ihnen anders?
Ob es frühere Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger schwer oder nicht leicht hatten, ist für mich unerheblich. Ich bin authentisch und verbiege mich nicht. Und ich strebe auf Grund meines Hintergrundes keine wie immer gearteten Versorgungsposten an. Ich agiere frei und unabhängig und engagiere mich aus voller Überzeugung für die ÖVP NÖ und die Landeshauptfrau.

Politiker haben auch keinen guten Ruf in der Bevölkerung. Schreckt Sie das nicht ab?
Wer sagt das? Falls es so ist: Nein, das schreckt mich keinesfalls ab.

Sie werden von vielen Fernseh-Zuschauern schmerzlich vermisst. Ist Ihre Rückkehr auf den Bildschirm ausgeschlossen?
Ausgeschlossen ist gar nichts, aber im Moment nicht geplant. Und wissen Sie: Ich vermisse den ORF, außer meinen geschätzten Kolleginnen und Kollegen von „Heute Leben“, gar nicht.
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