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Ausgabe Nr. 01/2018 vom 02.01.2018, Fotos: privat, gruene.at
Harald Sander, Harald Walser
Sind Noten für alle notwendig?
Die Weihnachtsferien für die 1,1 Millionen Schüler in unserem Land neigen sich dem Ende zu. Diese Schulpause will die schwarz-blaue Regierung nicht antasten, dafür aber Herbstferien einführen. An den Volksschulen soll es künftig in allen Klassen wieder Zeugnisse mit Noten geben. Derzeit können Kinder in den ersten drei Klassen anstelle von Ziffernnoten eine schriftliche „Leistungsinformation“ bekommen, je nach Schule. ÖVP und FPÖ wollen „die Notenwahrheit“ wieder herstellen.
JA: Harald Sander,
Freiheitlicher Lehrerverband:

„In unserem Land gibt es seit der Einführung des Schulunterrichtsgesetzes eine Kurz-Beurteilung in Form der Ziffernbenotung. In dieser Benotung sind das Erfassen und Anwenden des Lehrstoffes und die Durchführung der Aufgaben als Kompetenzen festgelegt. Diese sind vom Lehrer richtig zuzuordnen und mit der fünfteiligen Notenskala zu beurteilen. Da immer mehr erzieherische Aufgaben in der Schule erbracht werden müssen, nimmt der Druck zu, auch persönliche und soziale Verhaltens-weisen der Schüler zu beurteilen. Diese von den Lehrern
individuell, subjektiv und verbal erstellten Beurteilungen der Verhaltensweisen und der fachlichen Leistungen der Schüler wirken der angestrebten Notenwahrheit entgegen. Für die Beherrschung des Lehrstoffes sind Ziffernoten eine klare Rückmeldung. Daran können sich Schüler, Eltern und Arbeitgeber eindeutig orientieren. Schulische Leistungen werden nicht besser, indem sie in ausführlicher Prosa beschrieben werden. Es werden damit nur vorhandene Schwächen kaschiert und in die nächste Schulstufe weitergereicht.“

NEIN:
Harald Walser, Ex-Grünen-Bildungssprecher:

„ÖVP und FPÖ versprechen mit der Einführung einer verpflichtenden Ziffernnote schon ab der ersten Klasse Volksschule ,Notenwahrheit‘. Sie erreichen das Gegenteil. Unzählige Studien zur Ziffernnote belegen das. In der vierten Klasse Volksschule haben beispielsweise 20 Prozent der Kinder mit einem ,Sehr gut‘ in Deutsch die gleichen Testleistungen (!) wie die besten Kinder mit einem ,Nicht genügend‘. Beurteilungsgerechtigkeit bei ,benachbarten‘ Noten ist noch schwerer auszumachen. Das belegt die internationale PIRLS-Studie für unser Land. Akademikerkinder profitieren von der Ziffernnote:
Sie haben bei gleicher Lesekompetenz eine doppelt so hohe Chance auf ein ,Sehr gut‘ im Zeugnis wie Kinder aus bildungsfernen Schichten. ,Notenwahrheit‘? Lehrkräfte haben ausreichend Erfahrung mit alternativen Leistungsbeurteilungen: verbale Beurteilungsformen, Eltern-Kind-Gespräche oder Pensenbücher. Das alles hat sich in mehr als 50 Jahren in zuletzt 2.000 Schulversuchen bei insgesamt 3.000 Volksschulen bewährt. Wer Leistung
und Gerechtigkeit will, ist gegen die ungerechte Ziffernnote.“
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