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Ausgabe Nr. 01/2018 vom 02.01.2018, Foto: Brian Kelly
Eminem
Die Wut macht ihn gut
Er gilt als roh und bösartig. Seine Texte als obszön und aggressiv. Dabei bezeichnet sich Slim Shady alias Marshall Mathers alias Eminem selbst als viel harmloser, sieht sich in der Rolle des lieben Menschen, der zuweilen an Zornattacken leidet, die dem Tourette-Syndrom geschuldet seien, wie der 45jährige sagt.
Die muss er wohl auch bei der Produktion seines aktuellen Albums mit dem Titel „Revival“ gehabt haben. Immerhin reitet der erfolgreichste Rapper der Welt gegen seinen Präsidenten Donald Trump die wüstesten Attacken mit den neuen Liedern. Ebenso ihr Fett weg bekommt dabei dessen Tochter Ivanka, die im Lied „Framed“ plötzlich in Eminems Kofferraum liegt. Auch Trumps Frau Melania zieht Eminem verbal eins drüber. – Und der Präsident schweigt. Das ist ungewöhnlich. Als der Sänger Snoop Dogg kürzlich in einem Video seine Pistole auf einen Doppelgänger von Trump richtete, schrieb der Präsident sofort auf der Internet-Plattform Twitter: „Sperrt ihn ein.“

Doch dieses Mal hielt er still. Trump mag Eminem. Womöglich sieht er in ihm sogar eine Art Gesinnungsbruder. Im Jahr 2004 hatte Trump einen Kurzauftritt in einem Fernseh-Beitrag namens „The Slim Shady Convention“, über Eminems Alter Ego sagte er damals: „Slim Shady ist ein Gewinner. Er hat Köpfchen, er hat was in der Hose, und er hat die Stimme von Donald Trump.“

Doch Marshall Mathers versucht nun seit Monaten vehement, das Stigma des Trump-Günstlings abzuschütteln. Eminem rappt sich auf „Revival“ regelrecht wund gegen Trump, was bisweilen etwas ermüdend wirkt. „Untouchable“ ist eine sechsminütige Abhandlung über die aus Eminems Sicht peinlichen und unfairen Privilegien des weißen Mannes, nur passt die belehrende, wenig rhythmische Nummer besser in den Politikunterricht von Oberstufenschülern als auf den eigenen Kopfhörer. Doch der 45jährige lässt sich nicht beirren. „Ich erzähle Geschichten über mich selbst, meine Gefühle, mein Leben“, meint er und wird dem vor allem in den Stücken „Castle“ und „Arose“ gerecht. Darin thematisiert er die Briefe, die er seiner inzwischen 22jährigen Tochter Hailie während seiner Tabletten- und Methadonsucht schrieb. Seit 2008 ist er davon befreit. S. Rüth
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