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Ausgabe Nr. 52/2017 vom 26.12.2017, Fotos: Helge Kirchberger, AK Oberrösterreich
Peter Haubner, Johann Kalliauer
Brauchen wir flexiblere Arbeitszeiten?
Die Regierung will die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden erhöhen. Pro Woche sollen künftig 60 statt 50 Arbeitsstunden möglich sein. Das wünschen sich Unternehmer schon lange. Bisher war der Zwölf-Stunden-Tag nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa bei Schichtarbeit, Bereitschaftsdienst oder besonderem Arbeitsbedarf. Einen generellen Zwölf-Stunden-Tag wollen ÖVP und FPÖ nicht, wird beteuert. Arbeitnehmer-Vertreter fürchten dennoch massive Nachteile.
JA:
Peter Haubner, Wirtschaftsbund-Generalsekretär

„Durch den technologischen Fortschritt und die voranschreitende Internationalisierung ist unsere Gesellschaft und Arbeitswelt einem steten Wandel unterworfen. Ebenso haben sich die Lebensmodelle der Menschen verändert. So ist es heute oftmals möglich beziehungsweise vom Arbeitnehmer erwünscht, einmal von Montag bis Donnerstag etwas länger zu arbeiten, um dann zum Beispiel ein verlängertes Wochenende mit der Familie genießen zu können. Eine Umfrage hat gezeigt, dass sich 84 Prozent der Beschäftigten eine flexible Gestaltung ihrer Arbeitszeit wünschen. Mit den derzeitigen Regelungen können diese Herausforderungen und Wünsche nicht bewältigt oder erfüllt werden. Deshalb braucht es die Möglichkeit flexiblerer Arbeitszeiten. Durch diese Flexibilisierung der Arbeitszeit soll es insgesamt zu keiner Verlängerung der Gesamtarbeitszeit kommen, sondern lediglich zu einer beweglicheren Verteilung. Und das bringt Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn auch bei den Überstundenzuschlägen bleibt alles unverändert. So entstehen die besten individuellen Lösungen für jeden.“

NEIN:
Johann Kalliauer, Arbeiterkammer-Präsident (OÖ)

„Nein, wir arbeiten jetzt schon äußerst flexibel und überdurchschnittlich lange auch im europäischen Vergleich. Mit 41,4 Arbeitsstunden in der Woche liegen wir auf den vordersten Plätzen bei den EU-Staaten. Außerdem gibt es bereits jede Menge Flexibilisierungsmaßnahmen, so auch die Möglichkeit, die Arbeitszeit im Ausnahmefall auf zwölf Stunden pro Tag auszuweiten. Aber das darf nicht grundlos passieren und die Regelung kann höchstens acht Wochen durchgehend angewendet werden. Wenn man das schrankenlos aufmacht, wird die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefährdet. Es ist bewiesen, dass lange Arbeitszeiten das Unfallrisiko erhöhen, die Gesundheit schädigen und auch die Produktivität geht zurück. Vorteile für die Arbeitnehmer gäbe es dann, wenn sie sich die Zeit tatsächlich einteilen und frei gestalten können. Aber das können nur ganz wenige in Ausnahmefällen. In Wahrheit geht es darum, dass die Beschäftigten zur Arbeit verpflichtet werden, ohne vielleicht einen Betriebsrat oder das Arbeitsinspektorat zu kontaktieren, dass die zwölf Stunden ohne Einschränkung
angeordnet werden können.“
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