Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 51/2017 vom 19.12.2017, Foto: picturedesk.com
Karl-Heinz Grasser
Grasser erregt die Gemüter
Es ist der aufsehenerregendste Prozess seit Langem. In Wien muss sich der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, beim Verkauf von Bundeswohnungen Geld kassiert zu haben. Sein Anwalt weist alle Vorwürfe zurück.
Der BUWOG-Prozess am Landesgericht für Strafsachen in Wien schlägt hohe Wellen. Heiß diskutiertes Thema an den Stammtischen im Land ist die Frage, ob der Angeklagte frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser schuldig gesprochen wird und eine Strafe ausfasst. Bemerkenswert ist, dass sich hier ein ehemaliges Regierungsmitglied auf der Anklagebank findet.

Grasser und 14 Mitangeklagten wird vorgeworfen, sich beim Verkauf der mehr als 60.000 Bundeswohnungen im Jahr 2004 unlauter verhalten zu haben. Dabei ging es um einen Verkaufswert von fast einer Milliarde Euro. Konkret steht vermutete Untreue, Bestechung und Beweismittelfälschung im Raum.

Die belastenden Oberstaatsanwälte Alexander Marchart und Gerald Denk gingen gleich zu Beginn des Prozesses mit Grasser hart ins Gericht und meinten, „er hat sich durch Untreue und Bestechung auf Steuerzahlerkosten 21 Minister-Jahresgehälter zugeschanzt, dafür muss ein Durchschnittsösterreicher 370 Jahre arbeiten. Grasser, Walter Meischberger, der Immobilienmakler Ernst Karl Plech sowie der Lobbyist Peter Hochegger wollten kassieren und sie haben kassiert. Grasser hat ein System organisierter Korruption geschaffen.“ Grassers Anwalt wies die Anschuldigungen zurück.

Doch Hochegger belastete den ehemaligen Minister schwer. Sein Anwalt Leonhard Kregcjk sagte, sein Mandant wisse, dass Meischberger Geld an Grasser und Plech weitergeleitet habe. Konkret hätte jeder der drei Mitangeklagten 2,4 Millionen Euro erhalten. Die drei Beschuldigten bestritten diese Vorwürfe.

Es wird eine harte Arbeit für die Anwälte, ihre prominenten Beschuldigten, für die freilich die Unschuldsvermutung gilt, vor einer Verurteilung zu bewahren, denn die Staatsanwaltschaft zeigt sich unerbittlich. Wie lange der Prozess dauern wird, lässt sich nicht sagen. Gesprächsstoff bietet er allemal.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung