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Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Foto: picturedesk.com
Heinz Marecek
„Über Enkerl würde ich mich freuen“
Regelmäßig huscht Heinz Marecek in „Die Bergretter“ oder „SOKO Kitzbühel“ über unsere Fernsehbildschirme. Ab 12. Dezember begibt sich der 72jährige auf Tour mit seinen Adventlesungen „Ein Fest des Lachens“. Mit der WOCHE-Redakteurin Julia Seidl sprach der Schauspieler über Weihnachten, Morgengymnastik und den Wunsch nach Enkerln.
Herr Marecek, Sie sind mit Adventlesungen auf Tour. Wovon handeln sie?
Es geht um Weihnachtsgeschichten, in denen das Fest zum Chaos wird. Durch Missverständnisse, durch Irrtümer. Weihnachten gerät aus dem Lot. Meine Geschichten sind nicht andächtig, besinnlich und beschaulich.

Wie war Weihnachten in Ihrer Kindheit?
Wir haben immer unspektakulär gefeiert. Es wurde gekocht, es gab Bescherung. Manchmal haben wir Karten gespielt, Préférence, mit dem Vater. Oder mein Bruder und ich haben gestritten. Dann ist die Mutter eingeschritten.

Familie scheint Ihnen viel zu bedeuten …
Es war wichtig, dass wir uns alle gut vertragen haben. Weihnachten ist ein Fest der Freude. Unter dem Christbaum sollte gelacht werden. Bei uns zuhause wurde viel gelacht. Bei meinen Eltern, bei mir, bei meinen Kindern. Es gibt immer jemanden, der am Klavier sitzt oder Flöte spielt, aber mit einem Augenzwinkern. Wenn das Singen anfängt, beginnen immer alle zu kudern.

Mit Enkerln zu feiern, wäre auch schön?
Meine Kinder sind nicht verheiratet. Aber meine Tochter hat sicher die Absicht, Kinder zu haben. Sie hat einen wahnsinnig lieben Freund. Die beiden sind jetzt ein Jahr in Südafrika. Ich denke, dass sie sich danach mit der Familiengründung beschäftigen. Natürlich würde ich mich über Enkerl freuen. Die sind etwas Herrliches. Aber das ist ihre Angelegenheit.

Reisen Sie auch gerne?
Ich fahre zwei Mal im Jahr über das Wochenende nach Venedig (Italien), weil mir das viel Spaß macht, und ich verbringe einen Teil des Jahres auf Ibiza (Spanien).

In Spanien gibt es doch derzeit viele Tumulte wegen des Unabhängigkeitsreferendums von Katalonien …
Das ist eine verrückte Sache. Es ist von den Katalonen unnötig und vom Ministerpräsidenten Rajoy dumm, dass er Polizisten auf die Menschen einschlagen lässt. Was wollen die alle? Ticino (Kanton Tessin) sagt ja auch nicht, es wolle jetzt von der Schweiz weg, weil dort Italienisch gesprochen wird. Das ist ein Thema, das mich sehr bewegt.

Womit lenken Sie sich zur Entspannung ab?
Ich bin leidenschaftlicher Bridge-Spieler. Der Erfolg bei diesem gut gebauten Kartenspiel führt nur über eine funktionierende Partnerschaft. Da wird nie von Einzelspielern gesprochen. Du musst bei jeder Karte, die der Partner spielt, wissen, was er damit meint. Einer gibt das Tempo an, einer passt sich an. Zwei Alpha-Tiere könnten nie miteinander spielen.

Es klingt, als wäre Bridge eine Metapher für eine gute Ehe …
(lacht) Ja, es ist fast schwieriger. In Kitzbühel gibt es eine gute, offene Partie, wo ein paar Männer fast täglich spielen. Wenn ich einen drehfreien Tag habe und es regnet, bin ich dort. Sonst bin ich am Golfplatz.

Der kürzeste Golfer-Witz lautet „Ich kann‘s.“ Können Sie „es“?
Ich war bereits jenseits der 50, als ich mit dem Golfspielen begonnen habe. Ich spiele besser als vor zehn Jahren. Weil ich anders spiele, ruhiger, mehr mit dem Kopf. Mein Handicap ist 22. Auf Ibiza spiele ich fünf Mal in der Woche, da lebe ich am Golfplatz.

Ist das ein guter Ausgleich zum Beruf?
Der Beruf hat immer Spaß gemacht. Ich gehe gut aufgelegt in die Maske, die Garderobe und freue mich auf die acht Stunden, in denen ich drehe. Wenn ich zwei Stunden alleine auf der Bühne stehe, ist das anstrengender als ein Drehtag. Der besteht oft zu 70 Prozent aus Warten. Es ist eine Gnade, wenn du deinen Beruf so liebst.

Machen das nicht die meisten?
Es gibt viele Menschen, die in Tätigkeiten sind, mit denen sie sich abgefunden haben. Sie bleiben dort, weil sie keine anderen Wunschvorstellungen haben. Wenige Menschen sagen, sie möchten Pilot, Architekt oder Clown werden. Sie schließen die Schule ab und dann heißt es „Schau ma einmal“. Der Beruf ist „nur“ etwas, um seinen Unterhalt zu verdienen und das Leben findet in der Freizeit statt. Der Rest vom Tag ist Pflichtteil.

Haben Sie einen Ratschlag?
Kinder, taumelt nicht in etwas hinein, sondern setzt euch in Ruhe hin und überlegt, was ihr gerne macht.

Sind Sie denn Ihren Wünschen immer nachgegangen?
Nein, bin ich nicht. Oft wünsche ich mir Sachen, die nicht realisierbar sind, das bringt ja nichts. Es hat keinen Sinn, sich ein Schloss an der Côte d‘Azur zu wünschen. Ich weiß, das kann ich mir nicht kaufen. Also wünsche ich es mir gar nicht.

Glücklich sind Sie trotzdem?
Aber ja. Solange ich gesund bin und mir mein Hirn zur Verfügung steht.

Trainieren Sie Ihr Hirn?
Ich lerne meine Texte und lese viel. Dafür mache ich keine körperliche Gymnastik. Deswegen schäme ich mich ein bisschen. Das ist blöd von mir. Ich bin zu faul. Meine Frau macht das konsequent. Die arbeitet an den Geräten. Ich gehe nur schwimmen.

Der Advent ist eine besinnliche Zeit. Wie gehen Sie mit Verlusten um?
Verlust lasse ich auf mich einwirken. Ich weiß, dass es eine Schmerz-Zeit gibt. Aber ich verliere mich in so etwas nicht. Ich glaube an die Selbstheilung, nachdem der Verlust ausgestanden ist.

Das ist eine äußerst kopflastige Herangehensweise. Bewundernswert, dass Sie Ihre Laune steuern können …
Ich nehme es hin, dass es Tage gibt, an denen ich schlecht drauf bin. So etwas muss ich akzeptieren. Ich kann es hinterfragen, warum es so ist, und weiß, dass es dafür am nächsten Tag anders sein wird.

Heinz Marecek wurde 1945 in Wien geboren. Der 72jährige absolvierte seine schauspielerische Ausbildung in jungen Jahren am Max Reinhardt Seminar. Laut eigenen Aussagen wollte er nie einen anderen Beruf ergreifen. Mit Anfang 20 stand er in der Volksoper auf der Bühne, bevor er Teil des Ensembles des Theaters in der Josefstadt wurde. Bekannt wurde Marecek einem größeren Publikum durch seine Fernseh-Rollen in der „Lindenstraße“, „SOKO Kitzbühel“ und „Die Bergretter“. Marecek war vier Jahre lang mit der Schauspielerin Julia Migenes verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Eine Tochter und einen Sohn hat er aus zweiter Ehe mit seiner Frau Christine. Sarah und Ben Marecek sind ebenfalls als Schauspieler tätig.
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