Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Fotos: NÖVOG/knipserl.at, fam-reisen, Josef Pfisterer
Silvesterausflug mit der Waldviertelbahn (NÖ).
Silvesterausfahrt mit der Dampflok

Veranstalter ist fam-reisen aus Gmünd, Reise mit dem Zug inkl. Programm, Erw. 95 Euro, Kinder bis 12 Jahre 49 Euro,

Tel.: 02852/54 712,
www.fam-reisen.at
Der Nachtwächter führt Gäste durch Weitra.
Mit Volldampf ins neue Jahr
Zu Silvester rollt eine außergewöhnliche Bahn durch den Norden Niederösterreichs. Mit der Dampflok „Mh. 1“ können Ausflügler das neue Jahr stilvoll begrüßen. Die historische Lokomotive der Waldviertelbahn bringt Besucher von Gmünd nach Weitra, wo zu Mitternacht ein Feuerwerk den Nachthimmel erhellt. Die Wartezeit bis dahin wird den Besuchern mit verschiedenen Erlebnissen versüßt.
In Linz (OÖ) lief sie vor etwas mehr als hundert Jahren vom Band, jetzt rollt sie im hohen Norden Niederösterreichs über die Schienen. Wenn die Dampflok „Mh. 1“ ausfährt, ist das ein imposanter Anblick. Das schwarzlackierte Triebfahrzeug „keucht“ mit sichtbaren Rauchzeichen durch die Landschaft.

Die alte Dame braucht nur Feuer, Wasser und Kohle, um ihren 45 Tonnen schweren Körper in Bewegung zu setzen. Und ein bisschen Zeit. Denn eine Dampflok lässt sich nicht einfach wie ein Auto starten. „Zehn Stunden dauert das Anheizen. Erst dann ist die Lokomotive bereit zur Abfahrt“, erzählt Herbert Frantes, Dienststellenleiter der Waldviertelbahn.

Die nächste Ausfahrt dieses historischen Gefährts findet am letzten Tag des Jahres statt. Zu Silvester rollt die Lok mit Volldampf ins neue Jahr. „Wir bieten unseren Gästen ein umfangreiches Programm“, sagt Thomas Breit vom Reiseveranstalter und Organisator „fam-reisen“ mit Sitz in Gmünd (NÖ).

Von Gmünd geht es zuerst nach Steinbach und dann nach Weitra, wo um Mitternacht das neue Jahr begrüßt wird. Anschließend bringt die Lok die Ausflügler wieder zurück nach Gmünd. Bevor die 300 Gäste in den Zug einsteigen, werden sie kulinarisch versorgt.

Im Veranstaltungssaal in Gmünd treffen sich die Passagiere um 17 Uhr und genießen ein dreigängiges Waldviertler Schmankerlessen. Danach spielt die Stadtkapelle Gmünd den Gästen ein Abschiedsständchen und wünscht eine angenehme Fahrt sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.

„Vom Veranstaltungssaal sind es nur fünf Gehminuten bis zum Bahnhof“, erzählt Breit, der ebenfalls beim Ausflug dabei sein wird. Dort steht die Lok schon unter Dampf. Die Passagiere nehmen in einem der 14 Waggons Platz und die Fahrt kann losgehen.

Pünktlich zur Hauptabendzeit um 20.15 Uhr setzt sich das Dampfross in Bewegung. Sein erstes Ziel ist Steinbach. Dort gibt es etwas zu trinken, sowohl für die Lok als auch für die Gäste. „Für die Teilnehmer werden Punsch, Glühwein und Brote mit Geselchtem bereitgestellt“, sagt Breit. Zudem formt ein Ballonkünstler Neujahrsmotive wie Schweinderl, Kleeblätter und Schwammerl aus Luftballonen.

Während sich die Ausflügler laben, wird bei der Lokomotive Wasser nachgefüllt. Das braucht sie, um für die Weiterfahrt genügend Dampf erzeugen zu können. „Die Lok benötigt etwa achttausend Liter Wasser für die 48 Kilometer lange Ausfahrt zu Silvester. Zudem wird eine Tonne Kohle verheizt“, informiert der Dienststellenleiter.

Eine Stunde verbringen die Passagiere in Steinbach, ehe die Dampflok wieder durch die Winterlandschaft rollt. In genüsslichem Tempo fährt die Schmalspurbahn durch Wald und Flur, vorbei an Teichen und Granitblöcken. Mit höchstens 40 Stundenkilometern dampft die alte Dame durch den hohen Norden unseres Landes. Trotz einer Leistung von 420 PS benötigt die Lokomotive bei ihrer Ausfahrt Rückendeckung. Ihr wird eine Diesellok hinten angehängt. In der Fachsprache nennt sich das Doppeltraktion.

Denn die Fahrt geht von Gmünd nach Weitra stetig bergauf. Nahezu 80 Höhenmeter muss die Lokomotive bewältigen, ehe sie unter lautem Schnaufen und Zischen im Bahnhof von Weitra zum Stehen kommt. Dort werden die Passagiere mit einem Glas Sekt begrüßt.

Danach erhält jeder Teilnehmer eine Fackel. „Gemeinsam marschieren wir zum Stadtplatz, wo wir vom Nachtwächter Ernest Zederbauer erwartet werden. Wer will, kann mit ihm zu einem historischen Rundgang aufbrechen und erfährt einiges zur Geschichte der Kuenringer-Stadt“, gibt Breit einen Tipp. All jene, die lieber auf das Feuerwerk warten, mischen sich unter die Menge am Rathausplatz. Dort spielen ab 23 Uhr Musiker auf. Um Mitternacht erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel.

Nach dem gelungenen Rutsch ins neue Jahr geht es mit dem Zug wieder zurück nach Gmünd. Die Feier ist aber noch nicht vorbei. Im Veranstaltungssaal spielen „Rosi and the Gang“ bis in die frühen Morgenstunden flotte Melodien. Wem das Bett lieber behagt, kann sich kostenlos ins Hotel oder ins eigene Heim bringen lassen. „Wir haben einen ,Heimbringdienst‘ organisiert, der im Umkreis von zwanzig Kilometern jeden nach Hause fährt“, sagt Breit.

Die meisten Passagiere kommen von weiter her und entscheiden sich daher, in einem Hotel zu übernachten. „Wir buchen dies gerne für unsere Gäste. Viele kommen aus dem Ausland, etwa aus der Schweiz, Deutschland und Großbritannien. Es sind meist Zugfanatiker, die gerne mit Dampfloks reisen“, erzählt Breit.

„Kein Wunder, denn bei der Fahrt mit der Dampflok wird die Fortbewegung wieder zum Abenteuer.“ widlak
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung