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Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Fotos: Reitler Markus, studioaktas.at, zVg
Anpfiff zum ersten heimischen Bundesligafinale der virtuellen Kicker.
Der Rapid-Vertreter Mario Viska, 30, kann vom Knöpferldrücken leben.
Bei „FIFA 18“ kann mit der Kombination von zwölf Knöpferln gespielt werden wie im echten Fußballsport.
Dribbelkönige an der Spielekonsole
Bisher tricksten, schossen und foulten sie virtuell in anonymen Spielekellern und Wohnzimmern. Am 8. Dezember in Wien messen sich nun erstmals die hochkarätigen Konsolenkönige des Computerspieles „FIFA 18“ im Dienste der zehn Bundesligaklubs von Rapid bis Salzburg beim großen Finale der „eBundesliga” und träumen von einem Top-Transfer ins Ausland.
Ein schneller Sprint, ein Haken und Rapids Philipp Schobesberger knallt das runde Leder unhaltbar zum 1:0 ins lange Eck. Virtuell zwar nur, doch Körpersprache und Mimik sind so echt wie beim realen Vorbild, während Mario Viska, 30, mit den Knöpferln der Spielekonsole „X-Box“ dieses Tor erzielt. „Das Videospiel ,FIFA 18‘ ist in der neuesten Version wieder ein Stück besser und realistischer geworden“, lobt der sechsfache deutsche Meister und EM-Dritte.

Mehr als 300.000 „Zocker“ spielen hierzulande daheim alle möglichen Fußball-Ligen nach, sie lassen Messi dribbeln, Schobesberger schießen und Ronaldo jubeln. Von unserem Land bis Spanien sind alle Top-Teams vertreten, ebenso von der Champions League bis hin zur Fußball-WM. „Dieses Hobby in den Wohnzimmern entwickelt sich seit Jahren immer mehr zu einem professionellen Sport“, kennt der Bundesliga-Marketingleiter Patrick Lenhart die weltweit enorm schnell wachsende Turnierszene der „eGamer“, wie sie genannt werden. „Wir arbeiten seit rund einem Jahr am Konzept der eBundesliga, das die besten Konsolenspieler unseres Landes im Finale zusammenbringen soll.“ Fast 6.500 Interessenten meldeten sich zum Start im September beim Bundesligaverein ihrer Wahl, nach zwei Qualifikationsrunden schicken nun alle Klubs von Rapid bis Salzburg beim Finale am 8. Dezember im Wiener „Studio 44“ ihre nach Leistung gereihten besten vier Akteure ins Rennen. In Einzelduellen jeweils an gleicher Position gereihter Spieler wird dort an nur einem Tag die reale Bundesligaauslosung um 15.000 Euro Preisgeld nachgespielt. „Dabei geht es nicht nur um den Titel des virtuellen Bundesligameisters und besten Einzelspielers“, weiß Rapid-Vertreter Viska, der als einer der wenigen heimischen Profis unter anderem für Schalke 04 (D) seit Jahren vom Knöpferldrücken leben kann und sogar andere Spieler unterrichtet und managt. „Den erfolgreichsten Akteuren winken Transfers zu Top-Klubs und Kooperationen mit finanzstarken Werbepartnern.“ Jahresgagen von bis zu 160.000 Euro sind in dieser Branche möglich, alleine bei der Online-WM, bei der 2,5 Millionen Spieler weltweit teilnehmen, erhält der Sieger 170.000 Euro.

Vor ihren Bildschirmen können die Tastenvirtuosen bei „FIFA 18“ jeweils mit der Kombination von rund zwölf Knöpferln auf dem Kontroller mit ihrem ballführenden Spieler schießen, flanken, dribbeln, Bälle stoppen, foulen und köpfeln wie beim echten Fußballspiel. Sogar die Taktik des Teamverhaltens ist einstellbar. Ähnlich wie Viska hoffen alle 40 Finalteilnehmer auf den großen Wurf, so auch der 22jährige Philipp Gutmann aus Graz, der für Sturm seine Finger krümmt. „Ich habe schon als Kind im Keller mit meinem Vater gespielt“, erinnert er sich schmunzelnd. „Wir hatten nur einen Joystick, der andere musste die Computertastatur nehmen.“ Bald schon möchte Gutmann in der Welt der Videospieler durchstarten, der er derzeit alles unterordnet. „Für mich ist es schon jetzt wie ein Beruf. Ich stehe auf, trainiere, spiele sechs bis sieben Stunden am Tag und versuche mich für viele Turniere zu qualifizieren.“ Warum er so gut ist, weiß er selbst nicht genau. „Eine gewisse Begabung kann eben durch noch so viel Arbeit nicht wettgemacht werden.“

Bisland gab es noch keinen Kräftevergleich der Klubs, dennoch kennt sich die Szene. „Für mich haben Rapid, Sturm, Austria und Salzburg die besten Chancen“, vermutet der gelernte Einzelhandelskaufmann Viska. Am Ende könnten auch an der Konsole Herzblut und Leidenschaft ausschlaggebend sein. „Ich spiele nicht für Geld und Ruhm, sondern bin seit Jahren eingefleischter Sturm-Anhänger“, betont Gutmann. „Ich will den eBundesligatitel nach Graz holen.“

Wolfgang Kreuziger
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