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Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Fotos: picturedesk.com, zVg
Heinz Pollischansky, Robert Rockenbauer
Soll Rauchen in Lokalen erlaubt bleiben?
Am blauen Dunst scheiden sich die Geister. Auch bei den schwarz-blauen Koalitionsverhandlungen zwischen dem Nichtraucher Sebastian Kurz (ÖVP) und dem „Qualmer“ Heinz-Christian Strache (FPÖ). Der Freiheitlichen-Chef ist gegen das generelle Rauchverbot in der Gastronomie, das ab Mai gelten soll. Auch viele Wirte wollen selbst entscheiden können, ob ihr Lokal rauchfrei ist oder nicht. Mediziner warnen allerdings vor einer Rücknahme des geplanten Rauchverbotes.
JA: Heinz Pollischansky, Gastronom:
„Ja, aber anders als jetzt. Wir wollen selbst entscheiden können, ob wir unsere Betriebe als Nichtraucher-, Raucher- oder gemischtes Lokal führen. Wir sind der Meinung, wenn draußen ein großes Schild steht, um welches Lokal es sich handelt, dann kann der Bürger entscheiden, ob er hineingeht oder nicht. Die Wirtschaft wird mit der Zeit zeigen, ob es tatsächlich so viele Nichtraucher sind, wie behauptet wird. Dann werden sich die Wirte ewas einfallen lassen müssen, und es wird mehr Nichtraucher-Lokale geben. Aber ich bin niemand, der sich gerne bevormunden lässt und vor allem bin ich ein Geschäftsmann. Ich habe mehrere gemischte Nichtraucher-/Raucher-Lokale, und ich würde das auf keinen Fall aufgeben, auch wenn das Rauchen ganz erlaubt wäre. Denn wir brauchen die Nichtraucher genauso wie die Raucher. Ich kann niemanden ausgrenzen, sonst verliere ich Arbeitsplätze. Und was den Mitarbeiter-Schutz betrifft: Wir suchen in der Gastronomie Tausende Mitarbeiter. Jemand, der in unserem Land in der Gastronomie arbeiten möchte, kann es sich aussuchen. Wir nehmen jeden Willigen mit Handkuss. Es muss niemand in einem Raucherlokal arbeiten.“

NEIN: Robert Rockenbauer, Nichtraucher-Schützer:
„Seit einem halben Jahrhundert wissen wir um die Schädlichkeit des Rauchens und Passivrauchens. Es ist daher keine Frage, sondern längst überfällig, dass endlich auch in der Gastronomie ein absolutes Rauchverbot umgesetzt werden muss. Selbst bei vorschriftsmäßiger Raumtrennung ist im Nichtraucherraum der schädliche Feinstaub nachweisbar. Weil das bestehende Tabakgesetz von mehr als 70 Prozent der Wirte nicht eingehalten wird, beschloss die Regierung im Mai 2015 ein absolutes Rauchverbot für alle gleich. Die dreijährige Übergangszeit ist der Rechtssicherheit geschuldet. Eine Änderung ist völlig widersinnig. Erst ab Mai 2018 wird jeglicher Wettbewerbsnachteil verhindert und Gäste und Personal werden vor Tabakrauch geschützt. In keinem einzigen Land der Welt wurde ein ,Wirte-Sterben‘ durch das Rauch-
verbot nachgewiesen. Der Gesundheitsschutz liegt nicht in der Verantwortung der Wirte, sondern beim Gesundheitsministerium. Jede Regierung muss bestrebt sein, die Volksseuche Rauchen einzudämmen. Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo andere Menschen zu Schaden kommen. Rauchfreie Luft zu atmen ist ein Grundrecht.“
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