Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Foto: Paul Brown
„Evanescence“ will wieder an frühere Erfolge anknüpfen. Vor allem durch die Sängerin Amy Lee.
„Ich habe hart für den Erhalt der Band gearbeitet“
Gut sah es nicht aus mit der Karriere der amerikanischen Alternativ-Rock-Band „Evanescence“. Es schien, als würden sie ihrem Namen gerecht werden und der Vergänglichkeit anheimfallen. Doch die Frontfrau Amy Lee, 35, hat viel zu viel Ehrgeiz, um nur Mutter zu sein. Also veröffentlichte die Band nun mit dem Orchester-und-Elektronik-Album „Synthesis“ ein Werk mit ihren besten Liedern in ungewöhnlicher Interpretation.
„Für mich ist ,Synthesis‘ die Erfüllung eines beruflichen Lebenstraumes“, meint Amy Lee. „Schon lange habe ich mir vorgestellt, wie sich unsere Lieder wohl anhören würden, wenn wir sie nur mit einem Orchester und elektronischen Elementen aufnehmen. Der Traum war unserer alten Plattenfirma zu kostspielig, deshalb trennten wir uns, und wir zogen das Projekt dann praktisch in Eigenregie durch. Die Arbeit war hart, viel härter und intensiver, als ich geglaubt hätte. Aber sie war auch extrem befriedigend. Wenn ich mir ,Synthesis‘ anhöre, bin ich glücklich – über die Arrangements, über meine stimmliche Leistung, über das ganze wundervolle neue Bett aus Musik, das wir für diese Lieder kreiert haben.“

Es ist Lee anzumerken, wie viel ihr dieses Album bedeutet. Sie vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass mit „Evanescence“ wieder zu rechnen sei. Schließlich gehörte die Band vor 14 Jahren zu den erfolgreichsten der Welt, nachdem sie mit den Liedern „Bring Me To Life“ und „My Immortal“ sowie dem dazugehörenden Debütalbum „Fallen“ von null auf 100 durchgestartet war. Dann gab es Streitereien, Lee heiratete vor zehn Jahren einen Psychiater und brachte vor drei Jahren Sohn Jack zur Welt.

Die Auszeit hat Lee gutgetan, aber nach der Geburt, sagt sie, sei sie wieder hungrig auf die Musik geworden. Sie schrieb die Musik zu zwei Filmen und brachte im vergangenen Jahr das Kinderalbum „Dream Too Much“ heraus. „Ich habe über die Jahre ziemlich kämpfen müssen, um ,Evanescence‘ am Leben zu erhalten. Fast hätte ich aufgegeben. Aber seit der Geburt meines Sohnes habe ich in jeder Hinsicht festeren Boden unter den Füßen. Mutter zu sein, hat mich kraftvoll gemacht und mir neue, tiefe Gefühlswelten gezeigt. Ich wollte endlich wieder kreativ sein.“

Deshalb gibt es auf dem neuen Werk nicht nur alte Lieder zu hören, sondern auch zwei neue Stücke. Während „Hi Lo“ eine Zusammenarbeit mit der Pop-Violinistin Lindsey Stirling ist, bezeichnet Amy Lee „Imperfection“ als „meinen wichtigsten Song überhaupt“. Sie habe das Lied schon vor einer Weile ge- und danach immer wieder umgeschrieben, „leicht war es nicht, dem Thema Depression und Selbstmord gerecht zu werden.“ „Imperfection“, meint Lee, sei ein Aufruf, sich dem Leben zu stellen, sich nicht aufzugeben. „Oft kommen Anhänger nach Konzerten zu mir, um über massive Probleme mit mir zu sprechen“, sagt die Sängerin. „Unsere Musik scheint ein Ventil zu sein, sich seinen Gefühlen zu stellen.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung