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Ausgabe Nr. 49/2017 vom 04.12.2017, Foto: Your photo today
Die Landes-Dachverbände informieren, wo Sie Ihre nächste Selbsthilfegruppe finden.

SUS-Wien: Tel.: 01/4000-76944,
www.sus-wien.at; NÖ Selbsthilfegruppen: Tel.: 02742/22644, www.selbsthilfenoe.at;

BLSHG: Tel.: 02682/90301,
www.selbsthilfe-landesverband-burgenland.at; Selbsthilfe

Oberösterreich: Tel.: 0732/797666, www.selbsthilfe-ooe.at; Selbsthilfe

Steiermark: Tel.: 050/79005910, www.selbsthilfe-stmk.at; Selbsthilfe

Salzburg: Tel.: 0662/8889-1800, www.selbsthilfe-salzburg.at; Selbsthilfe

Kärnten: Tel.: 0463/504871, www.selbsthilfe-kaernten.at; Selbsthilfe

Tirol: Tel.: 0512/577198,
www.selbsthilfe-tirol.at;

Selbsthilfe Vorarlberg: www.selbsthilfe-vorarlberg.at, Tel.: 05574/52700 (Bregenz). Viele Selbsthilfegruppen legen Broschüren und Informationen in Arztpraxen, Apotheken, Gemeinden, bei Therapeuten, Beratungsstellen und in Krankenhäusern auf. Weitere Informationen gibt es in vielen Fällen auf eigenen Internetseiten sowie über die Dachverbände.
Gemeinsam stark in Selbsthilfegruppen
Schwere und chronische Erkrankungen verändern das Leben, belasten körperlich wie seelisch. Um sein Schicksal nicht alleine meistern zu müssen, bieten Selbsthilfegruppen Unterstützung an. Wer meint, es handle sich bei den Treffen nur um Plaudereien, irrt gewaltig.
Was soll ich denn da? Wie sollen die mir helfen?“ Diese Fragen kennt Hildegard Christian aus Anthering (S) nur zu gut. Seit die 57jährige vor 15 Jahren die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Multipler Sklerose Oberndorf (S) gegründet hat, ist sie immer wieder auf anfängliche Skepsis gestoßen. „Ich lade die Menschen dann gerne zum ‚Schnuppertreffen‘ unserer Gruppe oder zu einem persönlichen Gespräch außerhalb der Gruppe ein. Das nimmt vielen die Scheu oder Unsicherheit.“

So wie Hildegard Christian bemühen sich Tausende Menschen zwischen Vorarlberg und dem Burgenland, Kranke oder Behinderte durch Selbsthilfegruppen zu unterstützen. Der Bedarf ist groß. Mittlerweile gibt es mehr als eintausendsechshundert Selbsthilfegruppen in unserem Land. Zwei Drittel davon betreuen Menschen mit gesundheitlichen Problemen von Körper, Geist oder Seele.

„Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für medizinische oder therapeutische Behandlung, aber sie sind eine unschätzbare Quelle an Informationen, eine Anlaufstelle, um sich auszutauschen, ein Platz der Geborgenheit, Gemeinschaft, Nähe, des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung“, fasst es Mag. Stefanie Rieser vom Dachverband der Kärntner Selbsthilfegruppen zusammen. 180 Gruppen zu etwa 70 Themen gibt es im südlichsten Bundesland, damit liegt es etwa gleich auf mit Tirol und Salzburg, wo je rund 160 Gruppen bestehen. Die höchste Dichte an Selbsthilfegruppen und -vereinen hat nicht Wien, sondern haben Nieder- und Oberösterreich mit je knapp 400. Die größten unter ihnen bilden jene mit einer hohen Anzahl an Betroffenen wie bei Diabetes, Herzerkrankungen, Rheuma, Krebs oder Alkoholabhängigkeit. „Es gibt aber auch Gruppen für Angehörige, etwa von Menschen mit Alzheimererkrankung oder von psychisch erkrankten Personen“, sagt Mag. Rieser.

Selbsthilfegruppen sind keinesfalls Treffen, bei denen nur über die Krankheit geklagt wird oder Kaffeekränzchen stattfinden. „Viele Mitglieder haben eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich und daher ist viel Information und Wissen in der Gruppe gebündelt. Es kommt zum Erfahrungsaustausch über Ärzte und Pflegepersonal“, verrät Barbara Vantsch von der Selbsthilfe Tirol, dem Dachverband der Tiroler Gruppen.

Der Wissensschatz der Betroffenen über die Krankheit, Therapien, Reha- und Kuraufenthalte wird gelegentlich mit Vorträgen von geladenen Ärzten oder Experten erweitert. „Selbsthilfegruppe werden nicht von Experten geleitet, aber von solchen auf Wunsch begleitet. Das heißt, es werden immer wieder Ärzte, Apotheker, Psychologen, Diätologen oder Physiotherapeuten eingeladen. Sie informieren über neue Therapien, Medikamente oder Hilfsmittelversorgung“, sagt Mag. Rieser.

Weil sich Menschen in Selbsthilfegruppen nicht nur „selbst helfen“, sondern auch selbst organisieren, legt jede für sich den Rhythmus und die Inhalte ihrer Treffen fest. Meist finden die Teilnehmer einmal im Monat für zwei, drei Stunden zueinander. Andere treffen sich wöchentlich, vierzehntägig oder ein bis zwei Mal im halben Jahr. Neben dem Informationsaustausch gibt es immer Zeit zum Plaudern, nicht wenige Gruppen organisieren Freizeitaktivitäten wie gemeinsam Wandern, Kochen oder Gymnastik. Kosten fallen für die Teilnehmer bei den regelmäßigen Treffen nicht an, manchmal werden Kleinstbeiträge, etwa für eine Raummiete, fällig. Wer einmal einer Selbsthilfegruppe beigetreten ist, bleibt ihr meist Jahre treu. Einsteiger werden herzlich empfangen und bleiben auf Wunsch anonym, bis sie genügend Vertrauen aufgebaut haben.

Es sind der hohe Informationsgehalt und das Gemeinschaftsgefühl, das die Teilnehmer darin bestärkt, sich zu öffnen und zu bleiben. Dr. Herbert Janig von der Universität Klagenfurt fasste es in der Studie für den Fonds Gesundes Österreich über die „Wirkung von Selbsthilfegruppen auf die Persönlichkeit und Lebensqualität“ so zusammen. „Langjährige Mitglieder einer Selbsthilfegruppe sehen ihre Krankheit nicht mehr als Feind, den es zu bekämpfen gilt. Sie haben gelernt, mit ihrer Krankheit besser umzugehen, wissen über sie Bescheid, haben weniger Angst vor ihr und erleben sich allgemein und gegenüber Ärzten selbstbewusster. Viele können ihrer neuen Lebenssituation sogar etwas Positives abgewinnen.“
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