Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 48/2017 vom 28.11.2017, Foto: picturedesk.com
Charles Aznavour
„Ich freue mich auf mein
Rendezvous mit Wien“
Der große französische Chansonnier Charles Aznavour hat selbst im Alter von 93 Jahren nicht genug von der Bühne. Er ist wieder auf Tour und tritt am 9. Dezember in der Wiener Stadthalle auf. Mit im Gepäck sind seine größten Hits, wie er der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers erzählt hat.
Sind Sie rastlos, Herr Aznavour?
Ja. Ich bin mit zu viel Leidenschaft bei der Arbeit. Und mit der Aznavour-Stiftung, mit der ich mich für soziale Projekte in meiner zweiten Heimat Armenien einsetze und dort auch ein Museum in Jerewan führe, gibt es immer neue Herausforderungen, neue Abenteuer, neue Länder und neue Menschen zu erleben. Ich war immer ein Getriebener, aber ich habe das genossen.

Sie sind mittlerweile 93 Jahre alt und geben noch immer Konzerte. Wie schaffen Sie das?
Ich denke, ich habe einfach das Glück, eine robuste Gesundheit zu haben. Aber ich passe auch auf mich auf. Ich mache nichts Extremes. Ich esse gesund, ich schwimme, wann immer ich Zeit habe, ich sehe zu, dass ich ausreichend Schlaf bekomme. Für den Rest muss ich meinen Eltern danken, die mir die guten Gene gegeben haben.

Am Samstag, dem 9. Dezember, treten Sie in Wien in der Stadthalle auf …
Oh ja, Wien. Ich bin froh, in die Stadt zurückzukehren, die ich liebe. Das österreichische Publikum hat mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen. Ich freue mich auf mein Rendezvous mit Wien.

Was dürfen wir von Ihrem Konzert „One Night Only“ erwarten?
Die Menschen erwarten von mir alle Hits, also sollen sie meine bekanntesten Lieder auch kriegen. Ich liebe und respektiere mein Publikum und habe die Einstellung, dass das Mindeste, was ein Entertainer tun kann, ist, dem Publikum das zu geben, was es verlangt. Die Zuschauer machen uns zu dem, was wir sind. Aber einige Künstler sind von ihrem eigenen Ego so geblendet, dass sie das vergessen. Ein paar neue Titel werde ich aber auch einstreuen.

Wird eines Ihrer Kinder mit auf der Bühne stehen?
Meine Tochter Katia singt schon seit 25 Jahren im Chor für mich, aber leider ist sie aufgrund privater Verpflichtungen für das Wien-Konzert verhindert. Dafür ist mein Sohn Nicholas mit dabei, allerdings nicht auf der Bühne. Er kümmert sich um meine Reisen, wenn ich auf Tour bin.

Sie haben bereits im Jahr 2006 Ihre Abschieds-Tournee gegeben. Ist das jetzt der Abschied vom Abschied?
Na ja, ich mache immerhin keine langen Tourneen mehr, bei denen ich 200 Konzerte spiele. Ich wähle das heute genau aus und absolviere 30 bis 40 Shows im Jahr. Ich liebe meine Arbeit, und ich liebe den Kontakt mit der Öffentlichkeit.

Wie halten Sie sich für die Auftritte in Form, machen Sie Diäten?
Ich esse alles. Den Fleischkonsum habe ich reduziert. Aber ich gebe acht Stückchen Zucker in meinen Tee und Kaffee, und ich esse gerne salzig – all die Sachen, die ich nicht soll. Hat aber bisher gar nicht schlecht für mich funktioniert.

Gönnen Sie sich hin und wieder ein Gläschen Wein?
Ich liebe Bordeaux, chilenische Weine, Dom Pérignon Champagner – aber alles in Maßen.

Was tun Sie, damit Ihre Stimme hält?
Dafür tue ich nichts Besonderes. Meine Stimme war gebrochen, als ich mit dem Singen anfing. Und sie ist es heute noch, aber die Menschen haben sich daran gewöhnt.

Sie meinten einmal, Sie würden jeden Tag Lieder schreiben. Ist das noch so?
Natürlich, ich habe genug Lieder, um zwei Alben herausbringen zu können. Und wenn ich keine Lieder schreibe, dann Bücher oder Filmskripte. Aber das braucht alles seine Zeit. Manchmal arbeite ich an einem einzigen Songtext ein ganzes Jahr.

Machen Sie sich manchmal Sorgen, was mit dem Chanson-Genre passieren wird, wenn Sie dann doch eines Tages von der Bühne abtreten?
Die Lieder werden überleben, aber vielleicht wird die Bewegung, die sich Chanson nannte, verschwinden. Die großartigen Lieder, da bin ich sicher, sind nicht totzukriegen. Weil sie ein gutes Fundament haben.

In Ihrem Lied „Du lässt Dich gehn“ singen Sie unter anderem „Mit Deiner schlampigen Figur gehst Du mir gegen die Natur“. Das klingt ziemlich sexistisch. Glauben Sie, dass das heute noch in Ordnung ist, solche Zeilen zu singen?
Ach, die Welt ist verrückt geworden, wenn es um die sogenannte politische Korrektheit geht. Da wird ja viel über alles Mögliche diskutiert. Der besagte Song war nie sexistisch gemeint. In der deutschen Übersetzung
entspricht die Zeile auch nicht wirklich dem, wie ich sie original niederschrieb. Denn eins zu eins übersetzt aus dem Französischen bedeutete sie: „Mit deiner schlampigen Erscheinung erinnerst du mich an deine Mutter.“ Und es ist natürlich humorvoll gemeint. Bei mir hat sich noch nie jemand beschwert über das Lied, denn die meisten Frauen sind der Meinung, dass sie selbst solche Damen kennen.

Sie waren fast Ihr ganzes Leben verheiratet, wenn auch mit drei verschiedenen Frauen. Und Sie sangen viele Lieder darüber. Wie wichtig sind Frauen für Ihr Leben?
Es gibt kaum etwas Wichtigeres. Das fing schon mit meiner Mutter an, dann mit meiner Schwester Aida und ja, dann kamen meine Ehefrauen. Von den dreien waren Micheline, meine erste Frau, und hauptsächlich Ulla, mit der ich seit 50 Jahren verheiratet bin und die mir drei Kinder geschenkt hat, von Bedeutung. Ja, Frauen waren wohl meine größte Inspiration.

Haben Sie neben der Musik ein Hobby?
Ich besitze 300 Olivenbäume. Die sind unweit von Marseille angepflanzt. Es ist eine große Freude, sie wachsen und gedeihen zu sehen. Und ich bin stolz auf das Olivenöl, das ich produziere.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung