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Ausgabe Nr. 48/2017 vom 28.11.2017, Foto: Wolfgang Seehofer
Marco Wanda (2. v. li.) hat Erfolg.
„Ich sehe mich selbst als zitternde Seele“
Michael Marco Fitzthum alias Marco Wanda, 30, und Manuel Poppe, 31, sind zwei von fünf Mitgliedern der Musikgruppe „Wanda“. Die Band war gerade auf Tour in Deutschland. Im Herbst kam das neue Album „Niente“ heraus und lag mehrere Wochen auf Platz eins der Hitparade. Was die Mannen können, zeigen sie in den nächsten Tagen bei der Eröffnungs-Party der Wintersaison in Saalbach-Hinterglemm (S). Ihr Auftritt findet am Freitag, 8. Dezember, ab 20 Uhr statt. Die WOCHE-Redakteurin Julia Seidl bat Wanda und Poppe zuvor zum Gespräch.
Wann trinken Sie das erste Bier am Tag?
W: Im Winter früher als im Sommer. Aber generell nicht vor sechs am Abend.
P: Vorm Konzert ein Bier ist nett.

Sie treten demnächst bei der Eröffnung der Schisaison in Saalbach-Hinterglemm auf. Werden Sie dort auch Schi fahren?
P: Ich fahre lieber nach Kuba, bevor ich die Piste hinunterbrettere.
W: (lacht) Ich war nie gut auf den Schiern. Schuss fahren konnte ich als Jugendlicher. Aber mit Punsch ist das gefährlich.

Und ohne Punsch?
W: Das gibt es nicht.

Machen Sie gemeinsam Urlaub?
W: Ich reise gerne alleine. Ich fahre oft nach Thailand. Auf eine kleine Geheiminsel in der Nähe von Phuket namens Koh Yao Yai. Die ist muslimisch, da wird nicht getrunken. Deshalb bleibt sie vom Massentourismus verschont. Weil die Engländer nicht hinfahren, um betrunken ins Meer zu urinieren. Es gibt kein Straßennetz, ich muss mich durch den Dschungel schlagen, lande vielleicht an einem mutterseelenverlassenen Sandstrand. Und die einzigen, die dort sind, sind ein paar Aussteiger, die kiffen.

Viele Touristen besaufen sich in Thailand auf sogenannten Mondscheinpartys, nicht wahr?
W: Das ist das dominierende Element westlicher Kultur. Gemeinsam berauschen. Dann tragen wir es nach Thailand. Das brauche ich nicht.

Schreiben Sie Texte genauso kritisch?
W: Wir erzählen von einem Lebensgefühl, in dem wir die Sorge haben, Möglichkeiten zu verpassen. Eine kulturelle Identitätskrise. Dabei ähneln sich Lebensentwürfe auf der ganzen Welt. Wir verlieben und trennen uns, suchen unser Glück. Und wir sterben. Oder nicht.

Ist Musik für Sie Therapie?
W: Immer. Die Bands, mit denen ich mich in den vergangenen zehn Jahren befasst habe, haben mir das Leben gerettet. Wir sind kein Malkurs, der auf Selbstsuche geht. Wir singen von Sinnsuche. Ich selbst sehe mich als zitternde Seele. Ich bin nie einverstanden mit dem, wo ich bin, was ich tue, denke oder fühle. Ich glaube, das ändert sich in diesem Leben nicht.

Sind Sie sehr zerrissen?
W: Ja.

Geben Sie zu viel von sich preis?
W: Ich bin keine Unterhaltungsmeldung im Boulevard. „Wanda“ ist eine klassische Rockband, die das Werk vor die Autoren schiebt. Wir möchten, dass sich die Menschen mit unserer Kunst als Projektionsfläche beschäftigen. Wir sind 30 Jahre alt, seit drei Jahren die größte Rockband des Landes und leben dementsprechend.
P: Unser Publikum will mehr über sich selbst rausfinden als über uns.

Wie haben Sie beide sich kennengelernt?

P: Vor zehn Jahren …
W: Wir hatten gemeinsame Freunde. Alle waren an Kunst interessiert und daran, sich komplett einzurauchen und anzusaufen. Wir sind nach einer Party auf einander aufgewacht. Er hat gesagt, er spielt Gitarre, und ich habe erwidert, leiwand, ich singe.

Sie sind also die Urväter der Band?
P: Genau, die anderen waren schnell gefunden. Das war göttliche Fügung.

Glauben Sie an so etwas?
W: Nein. Aber es ist schwer, alles nicht als etwas Höheres zu betrachten.

Das widerspricht sich aber …
W: Die ganze Welt ist ein einziger trostloser Widerspruch (lacht).
P: Es war zufälliges Schicksal.

Wo sind Sie gerne in der Weihnachtszeit?
W: In Innsbruck (T) ist es schön. Unter dem Goldenen Dachl in der Altstadt.
P: Mein Lieblingsort ist daheim, in der Küche. Vorm Punsch-Topf.

Haben Sie ein Geheimrezept?
P: Eine Zimtstange gehört hinein, Nelken, Orangen und ein Rioja.

Denken Sie in der besinnlichen Zeit an Ihre Verstorbenen?
P: Ich denke oft an meine Großeltern. „Boshaftigkeit ist kein Lebenszweck“, hat meine Oma gesagt. Das werde ich mir immer merken.
W: Ich hätte gerne mehr Geschichten gehört. Ich hatte deutsch-italienische Großeltern. Wenn es draußen gedonnert und geblitzt hat, standen sie plötzlich mit ihren Papieren vor der Haustür. Sie freuen sich sicher, dass ihre Enkerln anders leben dürfen als sie.

Was machen Sie bis zur Tour im März?
P: Am vierten Album arbeiten.
W: Genau. Und irgendwann, wenn ich mit Melodien nichts mehr erzählen kann, gehe ich in die Literatur.
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