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Ausgabe Nr. 48/2017 vom 28.11.2017, Fotos: Trölß, Manfred Horvath Photographie, Freistädter Bier/zvg
Geschäftsführer Ewald Pöschko.
Ing. Leopold Putschögl mit Blick auf die Brau-Kommune.
Verschiedene Biersorten
Bier von der einzigen Brau-Kommune der Welt
Im oberösterreichischen Freistadt wird köstliches Bier gebraut. Das ganze Jahr über. Doch jetzt sticht ein dunkles Bier hervor. Der einzige Schwarze Bock, der in unserem Land gebraut wird. Hergestellt in einer ebenso einzigartigen Brau-Kommune.
In der Nase ein Cocktail von Kakao, Kaffee und Malzaromen. Vollmundiger Antrunk, kräftige Struktur, gute Rezenz, erwärmend. Ausklang mit feiner Bitterschokolade und delikaten Mühlviertler Hopfennoten.“ Es sind viele Worte, mit denen die Brauherren von Freistadt (OÖ) ihren Schwarzen Bock beschreiben. Im Grunde bedarf es jedoch nur eines Adjektives: herrlich. Wer gewöhnlich dunkles Bier meidet, dürfte hier schwach werden.

Kein Wunder, dass in Freistadt dieses Gebräu vollmundig beschrieben wird, immerhin ist es der einzige Schwarze Bock, der in unserem Land gebraut wird. Und auch nur jetzt, zu dieser Jahreszeit, da die Festtage in den Mittelpunkt rücken. Da passt dieses Bier wunderbar zu den Speisen. Doch Vorsicht ist geboten, immerhin hat es mit 7,1 Volumenprozent Alkohol deutlich mehr „Geist“ in sich als herkömmliche Biere mit vier bis fünf Prozent. Das ist in der Brauerei Freistadt nicht anders. Das Märzen hat 4,8 Vol.-%, das Junghopfen-Pils 4,8 Vol-% und das Ratsherrn Premium 5,2 Vol-%.

Der Gerstensaft rinnt schon lange in der oberösterreichischen Gemeinde. „In drei Jahren feiern wir Jubiläum“, erzählt der Geschäftsführer Ewald Pöschko (Bild links, 59). „Dann besteht die Brauerei seit bereits 800 Jahren. Sie ist untrennbar mit der Stadt verbunden, die im Jahr 1220 von den Babenbergern gegründet wurde. Deshalb ist im Stadtwappen das rot-weiß-rote Bindenschild der Babenberger zu sehen.“ Dieses Adelsgeschlecht ist dafür verantwortlich, dass es heute in der 7.400-Einwohner-Stadt neben dem Schwarzen Bock noch eine Eigenart gibt, die weltweit nicht zu finden ist, denn die Babenberger gestanden den ersten Bürgern, die sich im Ort niedergelassen und ein Haus gebaut haben, das Recht zu, Bier zu brauen. Mit weitreichenden Folgen, wie Pöschko weiß. „Dieses Braurecht hatten alle 149 Häuser, die es damals gab. Sie liegen heute innerhalb des Stadtgrabens. Über die Jahrhunderte haben sich dann immer weniger mit dem Brauen beschäftigt, sondern dem Nachbarn, der es besser konnte, das Bier abgekauft. Auf diese Weise entstand im Zentrum eine erste größere Brauerei, die allerdings den beiden großen Stadtbränden in den Jahren 1507 und 1516 nicht standhielt. Deshalb wurde im Jahr 1770 ein Grundstück außerhalb der Stadt gesucht, um Bier brauen zu können. Und das ist unser heutiger Standort. Das Geld zum Bau der Brauerei stellten die 149 Brauberechtigten zur Verfügung. Sie gründeten damals eine Kommune, wobei nicht die Personen, sondern deren Häuser die Beteiligungen an der Brauerei halten. Das erste Bier wurde im Jahr 1780 verkauft. Welche Menge damals produziert wurde, wissen wir nicht genau, doch es dürften etwa 5.000 bis 7.000 Hektoliter gewesen sein. Heute“, erklärt der Geschäftsführer, „brauen wir 100.000 Hektoliter, also zehn Millionen Liter pro Jahr.“ Aufgrund der steigenden Nachfrage soll die Menge in den nächsten Jahren größer werden. Der dafür nötige Zubau wird gerade in Angriff genommen.

Die Regionalität, das Kerngeschäft der Freistädter Bierbrauer, wird jedoch nicht aufgegeben, verrät Pöschko. „Auch wenn unsere Biere jedes Jahr bei internationalen Bewerben ausgezeichnet werden, haben wir kein Interesse daran, irgendwohin in die Welt zu exportieren. Wir sind regional tätig und bleiben es auch in Zukunft. Und wir verwenden zur Herstellung unserer Produkte nur Rohstoffe aus der Umgebung. Unser Mühlviertler Urgesteinswasser zum Beispiel, ein recht weiches Wasser, das unser Braumeister braucht. Die Gerste für unser Braumalz kommt aus dem Weinviertel. An der slowakischen Grenze, entlang der March in Zisterdorf sind unsere Vertragspartner ansässig. Dort wächst eine der besten Braugersten Europas. Der Hopfen kommt selbstverständlich aus unserem Mühlviertel, dem größten Anbaugebiet des Landes. Da können wir auf 13 verschiedene Sorten zugreifen. Mehr brauchen wir nicht.“

Abgesetzt werden die Biere in der näheren und weiteren Umgebung. Wobei für jedes der 149 zur Kommune gehörenden Häuser ein Jahresbetrag zur Verfügung steht. Als eine Art Gewinnbeteiligung für das eingesetzte Geld beim Bau. „Früher waren es mindestens 15 und höchstens 140 Kübel Bier pro Jahr, die den Besitzern der Häuser zugesprochen wurden“, erklärt der Geschäftsführer. Heute wird der Gegenwert in Euro ausbezahlt. Einer, der davon profitiert, ist der Baumeister Ing. Leopold Putschögl.„Ich habe vor zwölf Jahren ein Haus an der Pfarrgasse gekauft und wurde damit einer der 149. Auf meinem Haus sind 47 Kübel Bier vermerkt. Ein Kübel wären 56 Liter. So viel könnte ich gar nicht trinken“, lacht der 59jährige. „Immerhin wären das 5.264 halbe Bier. Deshalb bekommt jeder Brauinteressent, wie wir uns nennen, 25 Euro pro Kübel.“

Zudem wählen die 149 alle drei Jahre aus ihrem Kreis einen 24-köpfigen Verwaltungskörper, der einen sechsköpfigen Verwaltungsrat bildet, sowie einen Vorstand. „Mit dem Verwaltungsrat und dem Vorstand sitze ich jedes Monat einmal zusammen, um über wirtschaftliche Belange zu sprechen und mir das Einverständnis für größere Investitionen zu holen. Ins Tagesgeschäft greifen die Herrschaften nicht ein“, erklärt Geschäftsführer Pöschko, der von dieser Form der lebendigen Kommune begeistert ist. Und die gut zu den Produken passt. „Denn auch unser Bier lebt“, meint er schmunzelnd. „Unser Bier ist nicht pasteurisiert, ist nicht haltbar gemacht. Wir brauen vor allem das Bier, das unserer Bevölkerung schmeckt und das ist hopfig anders.“

Freistädter Bier
Braucommune Brauhausstraße 2
4240 Freistadt Tel.: 07942/75 7 77
www.freistaedter-bier.at

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