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Ausgabe Nr. 47/2017 vom 21.11.2017, Fotos: seasons.agency, zVg
Elektrosmog kann Müdigkeit, Schwindel,
und Konzentrationsprobleme verursachen.
Dr. Hans-Peter Hutter
Elektrosmog macht immer öfter krank
Unser modernes Leben ist ohne Strom nicht möglich. Ob zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs, die durch Stromleitungen und Funkwellen erzeugten elektromagnetischen Felder sind immer um uns und sie werden mehr. Mit ihnen steigt die Zahl jener Menschen, die deswegen um ihre Gesundheit fürchten.
Rechnen wir die Stunden zusammen, die wir im Jahr 2015 mit dem Mobiltelefonieren verbracht haben, gelangen wir zu der imposanten Zahl von knapp 39.700 Jahren. Das ist jede Menge elektromagnetischer Strahlung, die in die Köpfe der Telefonierenden eingedrungen ist. Das Mobiltelefon ist nicht die einzige Quelle für „Elektrosmog“. Es gibt ihn im Haushalt, im Büro, bei der Kommunikation und bald in der Fortbewegung. Der Umstieg auf E-Autos steht am Beginn, und erste Tests haben gezeigt, auch im E-Auto ist der Mensch wahrscheinlich einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt.

Dabei sorgen sich immer mehr Menschen, wie sich die Strahlenbelastung auf die Gesundheit auswirkt. Im Jahr 2012 sah es das italienische Höchstgericht erstmals als erwiesen, dassein Mann durch Vieltelefonieren am Mobiltelefon einen Hirntumor bekam. Ein Jahr später stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung hochfrequente elektromagnetische

Felder, wie sie beim Mobilfunk auftreten, als „möglicherweise krebserregend“ ein. Die Zahl jener, die meinen, aufgrund von „Elektrosmog“ gesundheitliche Beschwerden zu haben, werden mehr. Die Wissenschaft kann die Zusammenhänge weder bestätigen noch verneinen. Der Umweltmediziner Prof. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien nimmt Betroffene dennoch ernst.

Herr Professor Hutter, gibt es Menschen, die auf elektrische und magnetische Felder sensitiv reagieren?
Ja, aber nicht jeder, der sich für elektrosensitiv hält, ist es. Unabhängig davon, wie der wissenschaftliche Kenntnisstand ist, sind diese Patienten ernst zu nehmen, denn die Beschwerden haben sie.

Welche Beschwerden treten auf?
Elektrohypersensitive Menschen sagen, sie leiden körperlich unter den Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern, an Kopfweh, Erschöpfung, Energiemangel, Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrationsproblemen oder grippeähnlichen Symptomen. Ein eindeutiges Beschwerdebild gibt es nicht.

An wen wenden sich Betroffene?
An den Hausarzt. Zuerst muss eine andere verursachende Krankheit ausgeschlossen werden. Dann soll geklärt werden, wann und wo die Beschwerden auf treten. Wo geht es dem Betroffenen besser? Schließlich können die elektromagnetischen Felder in der Wohnung oder im Haus gemessen werden. Das sollte nur ein akkreditiertes Mess-Institut durchführen, wie der TÜV oder Seibersdorf. Dann werden die Fakten zusammengeführt. An ihnen lässt sich ablesen, ob eine Elektrosensitivität vorliegen kann. Das braucht Zeit, Wissen und Erfahrung.

Wie können sich Betroffene schützen?
Zu Hause können sie elektrische Geräte, wenn möglich, nicht auf Stand-by halten, sondern abschalten. Hilfreich ist auch, eine Netzfreischaltung einzubauen. Das Schnurlostelefon lieber dort aufstellen, wo wir uns selbst wenig aufhalten, und zu Hause kabelgebundene Geräte bevorzugen. Kein WLAN und Geräte mit Dauerbetrieb im Schlaf- oder Kinderzimmer aufstellen. Beim Telefonieren eine kabelgebundene Freisprecheinrichtung verwenden. Wer sich für Abschirmeinrichtungen entscheidet, dem rate ich dringend, sich von unabhängigen Technikern beraten zu lassen, ob die Anschaffung sinnvoll ist.

Gibt es schützende Maßnahmen im Freien?
Kaum, und das belastet elektrosensitive Menschen auch seelisch. Entspannungstechniken, viel Bewegung, Aufenthalte in Elektrosmog-armer Natur und ein gesunder Lebensstil sind hilfreich. Es gibt immer die symptomatische Behandlung, etwa bei Kopfweh Medikamente zu nehmen. Das sollte aber mit dem Arzt, am besten mit einem, der umweltmedizinisch geschult ist, abgesprochen werden.
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