Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 46/2017 vom 14.11.2017, Foto: Erik Umphery
Der Jazzmusiker Gregory Porter hat Lieder seines Vorbildes Nat King Cole neu aufgenommen.
Eine Massage für die Seele
Große Klassiker neu interpretiert. Wie das klingt, ist auf „Nat King Cole & Me“ des bärig wirkenden Sängers Gregory Porter, 46, zu hören. Der Amerikaner hat sich mit Orchester unter anderem an „Smile“, „Mona Lisa“ sowie „Pick Yourself Up“ seines Vorbildes herangewagt. Ein hörenswertes Werk des Jazz-Sängers, der einst Fußmassagen verabreichte, wie er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth anvertraut hat.
Sie haben kürzlich bei einem Konzert in einer Kirche in London (England) erzählt, dass Sie früher Ihrer Mutter die Füße massiert haben. Was hatte es damit auf sich, Herr Porter?
Sie mochte das gern und ich habe ihr fast jeden Abend die Füße massiert. Meine Mutter, die viel zu früh verstorben ist und der ich alles verdanke, war Pfarrerin, und sie arbeitete hart. Bei mir ist auch viel los, ich bin an 300 Tagen im Jahr nicht zu Hause und habe nach harten Jahren endlich Erfolg, was mich demütig und glücklich macht, aber Mamas Arbeit war viel anstrengender. Und sie bekam nicht die Belohnungen, die ich bekomme.

Wie zum Beispiel jeweils einen „Grammy“ (die höchste Auszeichnung der Musikbranche) für das „Beste Jazz Vocal Album“ für „Liquid Spirit“ und „Take Me To The Alley“ …
Die „Grammys“ stehen bei mir im Büro in Bakersfield in Kalifornien (Amerika), meinem Geburtsort. Dorthin bin ich nach meiner Zeit in New York vor einem Jahr wieder hingezogen, weil mir meine Geschwister fehlten.

Ist so ein „Grammy“ eigentlich versichert?
In der Tat, ja. Die Versicherung war mit dabei. Mir wurde auch gesagt, wenn er zerstört oder gestohlen wird, könne ich einen neuen bekommen.

Ihr neues Album hat zwei Besonderheiten. Sie singen die berühmten Lieder des großen Nat King Cole. Und Sie tun dies nicht nur mit Ihrer Band, sondern mit einem 70-köpfigen Orchester im Rücken. Warum?
Ursprünglich war dieses Projekt als mein erstes Album gedacht. Ich hatte schon im Jahr 2004 in New York ein Musical mit dem Titel „Nat King Cole & Me“ geschrieben und war gewissermaßen im Stoff. Aber ich wollte zuerst ein Statement mit meinen eigenen Liedern abgeben und nicht direkt mit Coverversionen loslegen. Nun bin ich ein bisschen etabliert, und der Zeitpunkt passt perfekt.

Ein Album mit Orchester lässt sich heutzutage auch am Computer zurechttricksen. Ist bei Ihrem Album alles echt?
Hundertprozentig. Ich weiß, du nimmst acht Streicher und motzt sie auf, dass sie wie 80 klingen. Für solche Tricks bin ich zu altmodisch, auch ist mir Authentizität zu wichtig.

Ist das Gefühl, vor einem Orchester zu singen, ein besonderes?
Aber ja. Ein Orchester ist ein Riesentier mit 140 Beinen, das verhält sich ganz anders als ein Jazztrio. Es ist weniger wendig und spontan, dafür hat es Kraft und eine irrwitzige, musikalische Wucht. Ich weiß gar nicht, woher das Vorurteil kommt, ein Orchester sei nur was für alte Menschen. Es ist herrlich, auch für die Jungen.

Die ganze Platte klingt wie eine Bewerbung für den nächsten James-Bond-Titel …
(lacht) Ja, ich bin absolut bereit.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung