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Ausgabe Nr. 45/2017 vom 07.11.2017, Foto: picturedesk.com
Franco Foda setzt gezielt auf Reibung und Konflikt.
Der streitbare Feldherr
Nach der Trainer-Ära von Marcel Koller und seiner oft zitierten „Wohlfühloase“ betritt mit dem neuen Teamchef Franco Foda, 51, ein strenger Feldherr die Bühne des Fußball-Nationalteams. Seine bisherigen Schützlinge verraten, dass der autoritäre Deutsche Reibereien und Konflikte erfolgreich benutzt, um daraus Energien für das Spielfeld abzuleiten, vielleicht schon im Spiel gegen Uruguay am kommenden Dienstag.
Marcel Koller, 56, liebte den Kuschelkurs. Der Schweizer wollte für seine Kicker eine Vaterfigur sein, Freundschaft und Nibelungentreue zwischen Trainer und Spieler waren jahrelang Schlüsselworte für Marko Arnautovic oder Marc Janko. David Alaba durfte sich angeblich sogar seine Position selbst aussuchen. Eine Nähe, die seit dem 30. Oktober mit der Bestellung von Franco Foda, 51, zum neuen Teamchef des ÖFB-Nationalteams kein Thema mehr ist.

Im Gegenteil, der erklärte „Anti-Harmonietrainer“ ließ gleich im ersten Kader für das Testspiel gegen Uruguay am kommenden Dienstag in Wien das ewige Koller-Liebkind Janko unberücksichtigt und berief stattdessen die längst fälligen Andreas Ulmer und Deni Alar ein, die sich nun beweisen müssen.

„Generell bin ich ein Trainer, der es liebt, wenn es gewisse Reibereien gibt“, gab er in Interviews schon vor vielen Jahren zu, dass er nicht auf Streicheleinheiten steht. „Es gibt Spieler, die brauchen ständig Druck und das musst du als Trainer erkennen.“

Eine Taktik, die er bis zuletzt vehement verfolgte und die mittlerweile sogar von jenen Kickern gepriesen wird, mit denen er einst noch bis aufs Blut stritt. „Heute weiß ich, wenn alles immer nur lieb und brav abläuft und keiner dem anderen weh tut, bringt das niemandem was“, betont der 43-fache Nationalteamspieler und nunmehrige Trainer Mario Haas, der mit Foda bei Sturm manchen Strauß ausfocht. „Foda provoziert gern Konflikte, weil er so mehr aus seinen Spielern herausholen kann und er tut es erfolgreich. So war er schon als Spieler und so hat es auch sein Lehrer Ivica Osim gemacht. Das wird daher äußerst interessant, sein Verhältnis zu Arnautovic zu beobachten.“

Es fällt trotzdem auf, dass die meisten Foda-Jünger auch Jahre später noch von dessen ruppiger Gangart begeistert sind. „Ich habe immer schon gesagt, dass Foda jede Mannschaft erfolgreich trainieren kann. Vor allem ist er Spezialist darin, für jeden die optimale Position zu finden“, glaubt der Sturm-Kicker Stefan Hierländer, der auch im Teamkader gegen Uruguay steht. „Für mich ist Franco Foda als Teamchef eine Ideallösung, auch vom Taktischen her“, reiht sich Roman Kienast, Meister mit Sturm unter Foda und elffacher Nationalteamspieler ebenfalls unter die erklärten Foda-Anhänger. Ebenso wie Marko Stankovic, der derzeit in Ried kickt. „Er hat eine Hass-Liebe zu schwierigen Kickern. Ich kann selbst ein Lied über unsere vielen Konflikte singen, aber heute sehe ich sie unter einem anden Licht. Im Gegenteil, ich sage, unser Land kann sich freuen, Foda als Teamchef zu haben“, sagt er. Schlechte Zeiten brechen in der ÖFB-Elf laut Stankovic nur für die Drückeberger an. „Franco Foda fordert Mut von allen ein und hasst Kicker, die sich am Feld verstecken.“ Kreuziger
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