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Ausgabe Nr. 45/2017 vom 07.11.2017, Fotos: fotolia
Immer mehr Wildschweine kommen von Tschechien zu uns.
Zielsicher erschnüffelt die Sau vergrabene Pilze und Engerlinge. Dass dabei ganze Wiesen durchwühlt werden, versetzt die Landwirte und Jäger in der Grenzregion zu Tschechien in helle Aufregung.
Sie sind eine Plage
Sie pflügen über Nacht Wiesen um, sorgen für Verwüstungen in Maisäckern und tauchen manchmal sogar im Garten auf. Es gibt immer mehr Wildschweine. Zum großen Leidwesen der Landwirte aus dem Mühlviertel (OÖ).
Der Satz „D‘Sau san do“ hat so manchen Waidmann in Oberösterreich noch vor Jahrzehnten in Jagdfreude versetzt. Derzeit sind die Wildschweine aber weniger beliebt. Vor allem die Bauern im Mühlviertel leiden unter der Zunahme des Schwarzwildbestandes, der zu massiven Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere an Mais- und Wiesenflächen, führt. Es gibt sogar Regionen im oberen Mühlviertel, in denen Experten heuer mit bis zu 30 Euro Wildschaden pro erlegter Wildsau rechnen. Denn die Verwandten des Hausschweines sind Allesfresser, die sich ihre Nahrung größtenteils aus dem Boden holen.

Mit dem typischen langen Rüssel und den scharfen Eckzähnen, die beim männlichen Wildschwein, dem Eber oder Keiler, weit aus dem Unterkiefer herausragen, bohren die Tiere auf der Suche nach Würmern und Engerlingen tiefe Löcher ins Erdreich. „Bei mir haben sie in diesem Jahr gleich mehrere Hektar Wiesenfläche komplett durchwühlt. Die Mahd ist zur Gänze ausgefallen“, beschwert sich Alfons Zinnöcker, Bauernobmann von Schwarzenberg im Bezirk Rohrbach (OÖ).

Über „punktuell beträchtliche Schäden“ klagt auch der Landesjagdverband. Schließlich müssen die Waidmänner per Gesetz den Landwirten Schwarzwildschäden finanziell ersetzen. Mehrere tausend Euro sind da schnell erreicht, wenn sich eine Rotte, wie der Zusammenschluss von mehreren Wildschweinen genannt wird, über einen Acker hermacht. Was also hauptsächlich jene Jägerschaften betrifft, in denen die Wildschweine äußerst wühlfreudig sind. „Neben Rohrbach sind das vor allem die Bezirke Freistadt und Vöcklabruck“, erklärt der Wildbiologe und Landesjagdverband-Geschäftsführer Mag. Christopher Böck. Er sieht die Grenznähe zu Tschechien als Hauptgrund für die Schweineplage im Mühlviertel. Immerhin werden in Südböhmen die „Schwarzkittel“ noch fleißig angefüttert, um viel jagdbares Wild zu haben. Eine Form der Hege, „die bei uns verboten ist“, weiß der Experte.

Verantwortlich für den Ansturm der „Flüchtlinge“, die bis zu zwanzig Kilometer in einer Nacht zurücklegen und sogar Flüsse durchschwimmen, sind auch unsere milden Winter der vergangenen Jahre und das daraus resultierende Überangebot an Nahrung. „Die Schweine fühlen sich bei uns wie im Schlaraffenland“, meint Alfons Zinnöcker. Mit ein Grund, warum inzwischen sogar schwache Frischlinge die kalte Jahreszeit überleben, „die früher nicht durchgekommen wären“.

Was auch die Jagdstatistik beweist. „Im Jahr 2001 wurden in Oberösterreich 697 Wildschweine erlegt, in der jüngsten Jagdsaison liegen wir bei 1.409 Stück“, erklärt der Wildbiologe. Weshalb die Jäger nun dazu angehalten sind, alle Sauen zu schießen, die ihnen vor die Flinte kommen. Eine wirkungsvolle Bejagung gestaltet sich jedoch schwierig, „da Wildschweine extrem schlau und anpassungsfähig sind“, weiß Christopher Böck. Es braucht also viel Glück und Sitzfleisch, um eine Wildsau zu erlegen. Oft sind Jäger nächtelang auf Ansitz, bis sie überhaupt ein Tier erspähen. „Auch uns Bauern sollte es daher gestattet werden, Wildschweine zu schießen“, fordert Zinnöcker und setzt sich für eine „rigorose Ausmerzung“ der Problemschweine ein. Tierfreunde sind da freilich anderer Meinung. Denn die bis zu 200 Kilo schweren Paarhufer machen sich auch nützlich, verzehren Larven von Schädlingen wie Raupen, Käfer oder Schnecken und halten den Waldboden durch ihre „Wühlarbeit“ lebendig. Und überall dort, wo das Wildschwein in ausgewogenen Beständen vorkommt, „gedeihen dadurch vier Mal so viele Jungbäume wie in anderen Waldgebieten“, sagen Naturschützer. hwie
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