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Ausgabe Nr. 45/2017 vom 07.11.2017, Foto: picturedesk.com
Thomas Brezina
„Meine Leser sind meine Kinder“
Thomas Brezina ist einer der erfolgreichsten, deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautoren. Seine Werke wurden weltweit 40 Millionen Mal verkauft. Am 9. November veröffentlicht der 54jährige erstmals einen Roman für Erwachsene. Er heißt „Alte Geister ruhen unsanft“. Im Interview spricht er über das Buch, Terroranschläge und das Fehlen eigener Kinder.
Herr Brezina, Menschen lieben Sie, andere finden Sie seltsam. Wie gruselig sind Sie?
Hahaha, herrliche Frage. Kommt darauf an, ob wir Vollmond oder Neumond haben.

Das klingt unheimlich. Reden wir lieber über das neue Buch. Wieso haben Sie denn einen Roman für Erwachsene geschrieben?
Für Erwachsene zu erzählen war einfach spannend. Es war eine wunderbare Herausforderung zu überlegen, was aus der „Knickerbocker-Bande“ Axel, Lilo, Poppi und Dominik geworden sein könnte. Ich wusste ziemlich genau, wer die vier heute sind.

Also gab‘s gar keine Probleme beim Schreiben?
Bei Lilo war ich nicht sicher. Da habe ich Leser auf dem sozialen Netzwerk Facebook gefragt. Die kamen mit interessanten Ideen daher, die sich mit meinen zum Großteil gedeckt haben.

Sie nutzen die sozialen Medien auf lustige Weise. Einmal haben Sie Ihr Gesicht mit dem einer Katze verschmolzen …
Katzen finden immer Gründe zu schnurren. Daran soll sich jeder ein Beispiel nehmen. Facebook und Instagram sind neue Arten, um Geschichten zu erzählen. Die Antworten, die ich von Anhängern bekomme, helfen mir. Einige haben geschrieben, dass sie in letzter Zeit kaum ein Buch zur Hand nehmen, aber dieses Buch wollen sie unbedingt lesen.

In der Tat greifen immer weniger Kinder zum Buch. Was kann dagegen getan werden?
Kinder lesen Texte, wenn sie einen Nutzen davon haben. Meine Helden waren Kalle Blomquist und die Kinder aus Bullerbü. Ich habe als Kind viel gelesen. Als Autor hat mein Herz stets den „Wenig-“ und den „Nicht-Lesern“ gegolten. Ich sehe, dass wir noch mehr auf sie zugehen müssen.

Machen wir den Menschen Lust, erzählen Sie mehr vom neuen Buch
Gern. Die vier Freunde haben sich in ihrem letzten Fall total zerstritten und nicht mehr gesehen. Nach 20 Jahren bekommen sie seltsame Einladungen zu einem Treffen und auf einmal finden sie sich auf einer einsamen Insel wieder, wo vor langer Zeit ein rätselhafter Mord stattgefunden hat. Vor allem aber ist da auch ein Geheimnis aus ihrer Kindheit, das die vier erfahren und sie in schreckliche Zweifel stürzt.

Vielleicht ein Detail, das Sie „entbehren“ können?
Das Buch hat 412 Seiten. Die Geschichte beginnt, wie der erste Band „Rätsel um das Schneemonster“ in Tirol.

Gibt es ein gutes Ende?
Ein Ende soll Hoffnung geben. Es muss nicht alles „gut“ sein. Grundsätzlich interessiert es mich mehr, wie etwas funktionieren kann.

Viele werden sich fragen: Wie steht es für Axel, Lilo, Poppi und Dominik mit der Liebe?
Nein, das verrate ich jetzt nicht (lächelt). Aber so, wie es aussieht, werden weitere Bücher für Erwachsene kommen. Ideen habe ich einige und eines liegt sogar schon fertig auf meinem Schreibtisch.

Für die Präsentation von „Alte Geister ruhen unsanft“ ist ein Mitternachts-Spezial geplant. Das ist eine ungewöhnliche Wahl für eine Signierstunde …
Die Idee kam auf, als ich den Titel auf Facebook vorgestellt habe. Da haben viele nach einer besonderen Veranstaltung gefragt und der Verlag und ich waren begeistert. Wer also die ersten Bücher samt Widmung und Unterschrift von mir bekommen möchte, der trifft sich mit uns um Mitternacht des 8. Novembers (also 00.00 Uhr des 9.11.) in der Buchhandlung Kuppitsch, Schottengasse 4, 1010 Wien.

Schön, dass die Präsentation in Wien stattfindet. Aber Sie leben meist in England. Im vorigen Jahr sind dort zwei Terroranschläge verübt worden. Wie erleben Sie diese Zeit?
Die Anschläge waren erschreckend und schlimm, grundsätzlich fühle ich mich aber sicher. Wir leben leider in einer Zeit, in der überall etwas geschehen kann.

Und wie denken Sie über den Brexit?
Der Brexit ist einfach nur schrecklich und die Stimmung in London hat sich verändert.

Verändert er den Alltag?
Es ist anders. Die Dynamik, die Energie, alles ist abgeflacht. Es ist hier schlimmer Populismus betrieben worden. Es wurden Dinge versprochen, die nicht wahr sind. Ich hoffe immer noch, dass Großbritannien Mitglied in der EU bleibt. Die jungen Menschen wollen das.

Mit den Jungen sind Sie auf sozialen Medien stark vernetzt. Was Sie dort von sich geben, ist auffällig positiv. Wie gehen Sie damit um, wenn es Ihnen schlecht geht?
Ich setze mich hin und schreibe eine Liste von Dingen, über die ich dankbar bin. Ich nehme mir Zeit und Kraft, um einmal auf die positiven Aspekte zu blicken, die es immer gibt. Wichtig ist das Gespräch mit Freunden, um andere Blickwinkel zu bekommen. Wenn etwas nicht passt, solltest du dir immer die Frage stellen: Was kann ich jetzt tun?

Abgesehen von diesen Lebens-Tipps, was macht Sie glücklich, Herr Brezina?
Sonnentage sind schön. Begegnungen mit lieben, interessanten Menschen. Ich lerne gerne Neues und mag es, wenn mein Notizbuch immer voller wird. Es freut mich, wenn ich eine Geschichte fertig bekomme.

Sie schreiben so viel für Kinder. Warum haben Sie keine eigenen?
Meine Leser sind meine Kinder und alle, denen ich mit meinen Projekten Freude machen kann.

Thomas Brezina wurde 1963 in Wien geboren. Er ist Kinder- und Jugendbuchautor, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Produzent. Im Alter von 15 Jahren gewann er den „Großen Österreichischen Jugendpreis“ für die Drehbücher zur Puppenserie „Tim, Tom und Dominik“. Seitdem arbeitet Brezina für das Kinderfernsehen in unserem Land. Buchreihen wie „Die Knickerbocker-Bande“, „Ein Fall für dich und das Tiger-Team“, „Sieben Pfoten für Penny“ oder „Tom Turbo“ brachten dem 54jährigen weltweiten Erfolg ein. Seine Geschichten wurden bisher in 35 Sprachen übersetzt und in mehr als 40 Ländern veröffentlicht. Brezina hat ein Haus im 23. Wiener Gemeindebezirk, lebt aber einen Großteil des Jahres in seiner Wahlheimat London (England).
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