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Ausgabe Nr. 45/2017 vom 07.11.2017, Fotos: zvg
Die Königspudel-Dame „Bella“ ist noch unsicher.
Anton
Wassertherapien bekommen Hunde im Hallenbad der Kirstens.
Gitta und Jörg Kirsten mit ihrem Berner-Sennenhund-Mischling „Anton“.
Badespaß für „Bello“
Schwimmen schont die Gelenke, nicht nur die der Menschen. Dass nun auch Vierbeiner in den Genuss von Wassertherapien kommen können, ist Gitta und Jörg Kirsten zu verdanken. Das Ehepaar errichtete in St. Oswald ob Eibiswald (Stmk.) das erste Hundehallenbad unseres Landes. Natürlich können dort Hund und Herrl oder Frauchen auch einfach nur plantschen.
Den Verrückten gehört die Welt“, sagt Gitta Kirsten und lacht dazu fröhlich. Das Lachen vermischt sich mit seinem eigenen Hall, dem Plätschern von Wasser und einem gelegentlichen „Wuff“. Das entstammt der Kehle von „Anton“, dem achtjährigen Berner-Sennenhund-Mischling von Gitta und Jörg Kirsten. Der Vierbeiner ist der Auslöser für die von ihr angesprochene Verrücktheit. Weil der Tierarzt dem Hund nach einem Bänderriss Wassertherapien empfahl, errichtete das Ehepaar in St. Oswald ob Eibiswald (Stmk.) kurzerhand ein Hallenbad. Zu einem Preis, um den sich andere ein Haus bauen. Etwa 300.000 Euro investierten die Hundeliebhaber in das Projekt.

„Wir standen vor dem Problem, wo unser Hund schwimmen soll“, erinnert sich Jörg Kirsten. „Da es in den Badeseen verboten ist, den Hund schwimmen zu lassen, haben wir uns überlegt, was wir tun können.“ Als die Lösung für das Problem gefunden war, begannen im März dieses Jahres die Bauarbeiten für das Hundehallenbad, das im September eröffnet wurde. „Natürlich war von Anfang an geplant, es auch anderen Hundehaltern zur Verfügung zu stellen. So verrückt sind wir auch wieder nicht“, lacht der 50jährige.

Deshalb wurde daraus ein Hundehallenbad, wie es in dieser Dimension und Ausstattung in unserem Land einzigartig ist. Mit einer Länge von zehn Metern und einer Breite von vier Metern bietet es 40 Quadratmeter Wasserfläche, 28 Grad warmes und 1,35 Meter tiefes Wasser. Ein Duschplatz, Hundeschwimmwesten und ein Behandlungsraum, in dem die Aquatherapeutin Marianne Maas mit den Vierbeinern arbeitet. Sogar ein Hundeföhn ist vorhanden, damit die Vierbeiner im Winter nach dem Badespaß nicht mit nassem Fell ins Freie müssen.

Da Hunde auch gern ihren Durst mit dem Wasser stillen, in dem sie schwimmen, schied Chlor als Zusatz zur Desinfektion aus. „Hier wird mit ganz normalem Salz desinfiziert“, sagt Jörg Kirsten. „In einem Elektrolysegerät wird Salz in seine Be-stand--teile Natrium und Chlor aufgespaltet. In einer geschlossenen Reaktionszelle entsteht Chlorgas, das Bakterien und Algen abtötet. Nach getaner Arbeit verbindet sich das Chlor mit dem Natrium wieder zu Salz“, erklärt er den Kreislauf. „Meerwasser hat etwa drei Prozent Salzanteil. Für die Elektrolyse reichen 0,4 Prozent. Es schmeckt nicht einmal salzig.“

„Anton“ scheint es jedenfalls zu schmecken. Sonst würde er nicht immer wieder seine Zunge ins Wasser hängen lassen und schmatzend einziehen, während er im Hundekraulstil begeistert eine Plastikente apportiert, die ihm sein Herrchen ins Becken geworfen hat. Für Begleitpersonen empfiehlt es sich, ebenfalls in Badekleidung zu erscheinen. Auch wenn sie nicht mit ihren Lieblingen ins Wasser gehen wollen. „Aber Hunde haben die Eigenart, ihr nasses Fell ordentlich auszuschütteln“, sagt Gitta Kirsten mit einem Schmunzeln in Vorahnung dessen, was gleich geschehen wird. Denn als „Anton“ über eine Plattform gemütlich dem Wasser entsteigt, bestätigt er Frauchens Worte. Obwohl das Schwimmbad geräumig ist, sind die Fluchtmöglichkeiten vor der Rundumberegnung, die er mit seinem Fell erzeugt, eingeschränkt. Jedenfalls nimmt der Streifzügler das ihm gereichte Handtuch dankend entgegen.

Dass der Hund, dem ein Hallenbad gebaut wurde, eine Wasserratte ist, überrascht nicht. Beim ersten zahlenden Gast an diesem Tag ist die Liebe zum Wasser noch nicht so ausgeprägt. Die Königspudel-Dame „Bella“, sauber getrimmt und mit auftoupierter Mähne wie frisch vom Frisör, umrundet ein paar Mal das Becken, ist aber weder durch gute Worte noch alles Spielzeug der Welt zu einem Schritt ins warme Nass zu überzeugen. Auch nicht, nachdem ihr eine Schwimmweste angelegt wurde. „Die Weste verbessert die Lage der Tiere im Wasser und sie müssen weniger Kraft aufwenden“, erklärt Kirsten. „‚Bella‘ ist ein bisschen eine Prinzessin“, sagt ihre Besitzerin. „Sie geht auch im Sommer nur bis zu den Pfoten ins Wasser.“ Welche Frau würde sich auch freiwillig die Frisur zerstören?

Wie gut, dass ihr Freund „Simba“ mit dabei ist. Der Labrador Rüde ist das genaue Gegenteil von „Bella“ und wirft sich mit Anlauf in die Fluten. Als die noble Vierbeinerin sieht, mit welchem Spaß ihr Freund durchs Becken pflügt, wagt sie sich schließlich mit wedelndem Schwanz auf die Einstiegsplattform und steht nun etwa 20 Zentimeter tief im Wasser. Wohin sich auch „Simba“ begibt, um sich gleich danach, auf der Jagd nach einer vorbeifliegenden Frisbee-Scheibe, wieder ins Wasser zu stürzen. Frisur hin oder her, jetzt kann auch „Bella“ nicht widerstehen und lässt sich vorsichtig ins fremde Element gleiten. Doch schon nach wenigen Minuten findet auch sie Gefallen an der Schwerelosigkeit. „Etwa die Hälfte unserer Kunden kommen zum ‚Spaß-Schwimmen‘. Die anderen kommen auf Anraten eines Tierarztes wegen Gelenksproblemen, oder weil sie sich mehr bewegen sollen“, sagt Gitta Kirsten, die sich über die gute Buchungslage freut, obwohl das Hallenbad erst seit fünf Wochen geöffnet ist.

„An den Wochenenden sind wir ziemlich ausgebucht, an den Wochentagen ist es noch etwas ruhiger.“ Die gute Buchungslage liegt wohl auch an den moderaten Preisen. 25 Minuten schwimmen kosten für einen Hund mit Begleitung € 25,–, 50 Minuten kommen auf € 45,–.

Infos und Anmeldungen unter Tel.: 0670/206 61 63 oder im Internet unter www.eckhansl.at.
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