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Ausgabe Nr. 45/2017 vom 07.11.2017, Foto: akg images
Max Raabe
„Ich muss nicht immer glücklich sein“
„Clärchens Ballhaus“, das ehrwürdige Tanzlokal im Zentrum der deutschen Hauptstadt Berlin, gehört zu den bevorzugten Aufenthaltsorten von Max Raabe. Nicht nur der köstlichen Kuchen wegen, die dort serviert werden. Sie sind eine vorzügliche Beigabe zum Gespräch mit dem Künstler über das neue Album. Es trägt den Titel „Der perfekte Moment … wird heut verpennt“. Vergnügliche Melodien, die zum wohl poppigsten Album des 54jährigen gehören. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat sich sowohl von der Qualität des Kuchens als auch von der neuen Platte überzeugt.
Herr Raabe, Ihr Lied „Fahrrad fahr‘n“ ist das rasanteste auf dem neuen Album „Der perfekte Moment … wird heut verpennt“. Müssen wir in Deckung gehen, wenn Max Raabe auf seinem Rad um die Ecke biegt?
So ist es (schmunzelt).

Max Raabe, der Rambo-Radler?
Nein, nein, ich fahre zivilisiert. Ich habe ein altes Herrenrad aus den Fünfzigern, das hat keine Gangschaltung, aber eine gute Umsetzung, und es fährt sehr geschmeidig. Für die Stadt ist das ideal. Ich bin auch gerade mit dem Rad hergekommen.

Das Fahrrad ist das neue Auto?
Bei mir war das immer schon so. Ich habe sogar zwei Räder, falls eines kaputt wird. Mein Auto, einen alten VW-Käfer, benutze ich eigentlich nur, wenn ich aufs Land fahre. In der Stadt ist das Fahrrad unschlagbar.

Wie praktisch sind Sie veranlagt? Können Sie an Ihrem Rad einen defekten Reifen flicken?
Das kann ich. Kette aufziehen auch. „Papa, reparier mein Fahrrad“, gab es bei uns zu Hause nicht. Da hieß es: „Mach es selber.“ Mein Vater hat mir zwar gezeigt, wie es geht, aber dann musste ich selber ran. Mein Fahrrad flicken kann ich seit meinem zwölften Lebensjahr.

Die erste Zeile auf dem neuen Album lautet: „Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein.“ Werden Sie in der Früh wach und summen diesen Satz?
Ich glaube nicht, dass ich das jemals ausformuliert habe, aber jetzt, da ich diese Zeile kenne, kommt sie mir oft in den Sinn. Es gibt sie, diese Tage, an denen die Sonne scheint und ich was Schönes vorhabe. Das sind glückliche, wenngleich seltene Tage.

Wie wichtig ist Ihnen Glück?
Ich muss nicht immer gleich glücklich sein. Ich bin auch schon zufrieden, wenn ich zufrieden bin.

Und „Der perfekte Moment … wird heut verpennt?“
Es kommt gelegentlich vor, dass ich so souverän bin und mir sage, „Ihr könnt mich alle einmal – heute bleibe ich in der Falle liegen.“ Natürlich nur an Tagen, an denen ich keine Termine oder Konzerte habe. Den ganzen Tag im Bett zu verbringen, das wäre allerdings nichts für mich. Sie finden mich eher auf dem Sofa oder in der Hängematte.

Sie haben eine Hängematte?
Oh ja. Die kann ich im Wanderbedarfsgeschäft aus Kunstseide kaufen. Die sind so leicht, dass sie in die Tasche passen. Im Wald kann ich die dann einfach zwischen zwei Bäume hängen. Ich bin zwar kein Naturbursche, aber gerne in der Natur. Wandern, schwimmen, auf Berge kraxeln, segeln, Rad fahren oder einfach nur unter einem Baum sitzen und auf die Wiese schauen, das mache ich alles gern. Aber ohne größeren sportlichen Ehrgeiz.

Ist „Der perfekte Moment … wird heut verpennt“ das poppigste Max-Raabe-Album?
Das ist gut möglich. Aber es klingt immer noch geschmeidig, die Beats sind nicht zu extrem und doch ist die Rhythmisierung etwas näher am Pop als früher. Das geht auch gar nicht anders, denn sonst klänge die Platte wie nachgemachte 20er-Jahre-Musik, und das wäre Etikettenschwindel. Die Lieder müssen nach heute klingen.
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