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Ausgabe Nr. 44/2017 vom 30.10.2017, Fotos: bpk-Bildagentur, picturedesk.com
Vor 150 Jahren wurde die brillante
Wissenschaftlerin Marie Curie geboren. Die einzige Frau, die zwei Mal den Nobelpreis erhielt.
Mit Albert Einstein, der sie lobte.
Seltenes Bild des Ehepaares Curie beim Ausflug.
Das Labor war ihr Zuhause
Sie wurde belächelt und geschmäht und das nur, weil sie eine Frau war. Doch die in Polen geborene Marie Curie ging unbeirrt ihren Weg, gelobt vom genialen Albert Einstein und selbst hochintelligent, forschte sie in ihrem geliebten Labor auf dem Gebiet der Chemie und Physik.
Geld und Ruhm bedeuteten ihr nichts. Dafür war Marie Curie stolz auf ihre geistigen Fähigkeiten, die sie an die Spitze der Wissenschaft brachten. Dabei hatte sie es als Frau nicht leicht. Sie wurde belächelt, geschmäht und ihre Erfolge wurden kleingeredet.

Dass ihr Leben der Wissenschaft gehören würde, war der am 7. November 1867 in Warschau als Maria Skłodowska geborenen Frau bereits im Kindesalter klar. Das jüngste von fünf Kindern eines polnischen Lehrerehepaares war stets Klassenbeste. Einmal nicht zu brillieren, schien für sie unmöglich zu sein.

Das schulische Wissen reichte ihr nicht, allerdings war es Ende des 19. Jahrhunderts Frauen in Polen nicht erlaubt zu studieren. Ein Ausweg fand sich an der Sorbonne in der französischen Hauptstadt Paris. Dort waren Frauen zugelassen, deshalb übersiedelte Maria mit ihrer Schwester Bronia, die Ärztin werden wollte. Mit 23 Jahren ging sie an die Verwirklichung ihrer Träume. Sie konnte Physik und Mathematik studieren. Sie zog in eine unbeheizte Dachkammer nahe der Universität, nannte sich fortan Marie und stürzte sich als eine von nur 23 Studentinnen mit Feuereifer ins Studium. Prof. Gabriel Lippmann, der später den Nobelpreis für die Erfindung der Farbfotografie erhielt, wurde ihr Mentor, der ihr nach ihrem Abschluss im Jahr 1894 ein Stipendium für die Analyse magnetischer Eigenschaften verschiedener Stahlsorten verschaffte. Dabei traf die Absolventin auf einen wenig bekannten Experten für Magnetismus, der eine Reihe von Messinstrumenten erfunden hatte. Sein Name war Pierre Curie.

Marie und der zurückhaltende, bescheidene Franzose, der ein Labor für Industrielle Physik und Chemie leitete, verstanden sich auf Anhieb, denn beiden ging die Wissenschaft über alles. Für den acht Jahre älteren Pierre war schnell klar, dass er die brillante Physikerin heiraten wollte. „Ich habe bei allen Entscheidungen meines Lebens gezögert, nicht aber bei Maria Skłodowska“, erzählte er später. Marie hingegen überlegte lange, heiratete Pierre dann aber 1895 doch. Sie erwarb die Erlaubnis, an höheren Mädchenschulen zu unterrichten –
Universitäten waren nach wie vor eine Männerdomäne –
und sicherte sich auf diese Weise ein eigenes Einkommen. Nebenher forschte sie mit ihrem Mann. Dass im Jahr 1897 ihre erste Tochter Irène zur Welt kam, war für die versessene Wissenschaftlerin beinahe Nebensache. Denn Marie Curie wollte ihre Doktorwürde erlangen und dafür die gerade erst entdeckten Röntgenstrahlen erforschen. Ihr Mann riet ihr jedoch, sich mit der weniger bekannten, von Henri Becquerel entdeckten Strahlung einer Uranverbindung zu beschäftigen. Ein Rat mit weitreichenden Folgen. Mithilfe der von ihrem Mann erfundenen Messgeräte und dessen Unterstützung machte sich Marie Curie an die Arbeit, untersuchte aber nicht nur Uran, sondern auch andere Elemente und fand in zahlreichen Stoffen jene Strahlung, die sie „radioaktiv“ nannte. Im Zuge ihrer Untersuchung von Pechblende, einem uranhaltigen Mineral, entdeckte Marie Curie, dass dieser Stoff noch zwei weitere strahlende Elemente enthält. Das Erste nannte sie nach ihrem Geburtsland Polonium, das Zweite Radium.

Ihre Entdeckungen wurden von männlichen Kollegen weltweit angezweifelt. Meist mit dem Verweis, dass sie als Frau gar nicht die Fähigkeiten hätte, zu forschen. Dass Marie Curie 1903 gemeinsam mit ihrem Mann und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der Radioaktivität erhielt, ist nur der Intervention ihr wohlgesonnener Wissenschaftler zu verdanken. In der Laudatio wurde aber ausschließlich Becquerel geehrt, Pierre Curie nebenbei erwähnt und Marie nur als seine Assistentin bezeichnet.

Nichtsdestotrotz waren die Curies froh über die Würdigung ihrer Arbeit. Was sie allerdings nicht vorhersehen konnten, war eine wahre Radiumhysterie. Denn während sich die Curies in ihrem Labor der Erforschung der friedlichen medizinischen und gewerblichen Nutzung von Radium widmeten, warnte Pierre auch vor dem gefährlichen Gebrauch von Radium, denn er erkannte das kriegerische Potential sowie dessen Gefährdung der Gesundheit. Dennoch ließen weder er noch seine Frau beim Umgang Vorsicht walten. Ihre zunehmenden gesundheitlichen Probleme brachten die beiden nicht mit der Radioaktivität in Verbindung.

Als im Jahr 1905 die zweite Tochter Ève zur Welt kam, schien ein wenig familiäres Idyll aufzukommen. Doch es währte nur kurz, denn am 19. April 1906 starb Pierre Curie bei einem Verkehrsunfall in Paris. Marie schien jegliche Lebensfreude verloren zu haben. „Ich lebe nur für die Erinnerung an Pierre, und um ihn stolz zu machen“, schrieb sie in ihr Tagebuch. Aus diesem Grund kehrte sie ins Labor zurück. Es war ihr eigentliches Zuhause. Sie nahm Pierres Stelle an der Sorbonne an und war die erste Frau, die dort lehrte. Ihren Töchtern konnte sie ihre Liebe nicht zeigen, doch sie sorgte dafür, dass sie die beste Ausbildung erhielten. Irène trat in ihre Fußstapfen. Im wahrsten Sinne des Wortes: 1935 wurde ihr gemeinsam mit ihrem Mann Frédèric Joliot der Nobelpreis für Physik verliehen. Sie war die zweite Wissenschaftlerin, der diese Ehre zuteilwurde. Ève wurde erfolgreiche Musikerin und Schriftstellerin.

Im Jahr 1910 verliebte sich Marie Curie erneut. Für ihre Affäre mit dem verheirateten Physiker Paul Langevin wurde sie in der französischen Presse heftig attackiert. Die Liaison wurde just zu dem Zeitpunkt publik, als ihr der zweite Nobelpreis, diesmal für Chemie für die Entdeckung von Radium und Polonium, zugesprochen wurde. Sie war die erste Wissenschaftlerin, der zwei Mal der Nobelpreis verliehen wurde und sie ist nach wie vor die einzige Frau unter den vier Mehrfach-Preisträgern.

Umtriebig blieb sie bis zum Schluss. Während des Ers-ten Weltkrieges ließ Marie Curie mobile Röntgengeräte bauen, bildete Frauen im Umgang damit aus und fuhr selbst in Feldlazarette, um Röntgenuntersuchungen durchzuführen. Unterstützt wurde sie dabei von ihrer Tochter Irène, die nach dem Krieg ihre offizielle Assis-tentin im Labor wurde. Obwohl es ihr gesundheitlich immer schlechter ging, verbrachte die Wissenschaftlerin jeden Tag im Labor, um das Radium zu erforschen.

Sie riet sogar anderen Wissenschaftlern, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, denn dass die Strahlen gefährlich sind, wurde bewiesen. Dennoch leugnete Marie Curie bis zu ihrem Tod am 4. Juli 1934, dass ihr das Radium geschadet habe. Sie starb an Leukämie.
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