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Ausgabe Nr. 44/2017 vom 30.10.2017, Foto: Constantin Film Verleih GmbH/Reiner Bajo
Jella Haase
„Privat bin ich keine Tussi“
Die deutsche Schauspielerin Jella Haase feierte vor wenigen Tagen ihren 25. Geburtstag. Soeben ist ihr neuer Film „Fack ju Göhte 3“ in die Kinos gekommen. Darin verkörpert sie wie in den beiden Filmen davor die Schülerin „Chantal“. Eine der größten Kino-Zicken, die die Leinwand je gesehen hat. Privat zeichnet sich Haase durch Ruhe und soziales Engagement aus.
Frau Haase, jetzt kommt der dritte und letzte Teil von „Fack ju Göhte“ ins Kino. Wie haben sich die Dreharbeiten von den anderen beiden Teilen unterschieden?
Es war wie ein Heimspiel (lacht). Wir waren alle freier in unseren Rollen, weil wir uns alle schon so gut und lange kennen und unsere Charaktere eben auch.

Stimmt es, dass es Ihnen schwerfällt, eine lustige Rolle zu spielen?
Ja, das ist richtig. Ich habe das Gefühl, ernste Rollen liegen mir mehr. Aber in Wahrheit ist das, was zählt, die Ausgewogenheit zwischen beidem.

In welchen Punkten sind Sie Ihrer Rolle als der Tussi „Chantal“ denn ähnlich?
Die Frage bringt mich ein wenig zum Grübeln. Chantal ist witzig, nimmt sich selbst nicht zu ernst und hat das Herz am rechten Fleck. Ich hoffe zumindest, dass wir uns in dieser Hinsicht ähnlich sind.

Umgekehrt: Was unterscheidet Sie beide?
Chantal ist nicht besonders nachtragend und schaut die Musiksendung „Deutschland sucht den Superstar“. Da unterscheiden wir uns definitiv.

Werden Sie aufgrund der Rolle für eine Tussi und dumm gehalten?
Zuerst einmal muss ich sagen, dass mich viele Menschen auf der Straße nicht erkennen, weil ich ganz anders hergerichtet bin. Aber generell behandeln mich andere nur wegen meiner Rolle als „Chantal“ zum Glück nicht res-pektloser. Die Menschen sehen den Unterschied zwischen der echten Person und der Film-Figur.

Eine Figur, die ziemlich bunt geschminkt und angezogen ist …
Wieder ein Unterschied zwischen ihr und mir. Ich schminke mich eigentlich gar nicht. Weniger ist mehr, ist meine Meinung. Viel zu viele Mädchen tragen Schminke, weil sie glauben, sie haben es notwendig. Sie werden dadurch frecher und lauter. Ich sage, es ist nur ein Schutzschild. Und was die Kleidung betrifft … Wir hatten ziemlich viele, ziemlich lange Kostümproben und ich hatte da schon ein paar Lieblings-„Outfits“.

Welche?
Na ja, die sind alle mehr so in die Richtung „coole Rihanna“ gegangen. Also im Sinne der Pop-Sängerin. Chantals Aufmachung ist ziemlich tussig und hat trotzdem immer wieder auch eine mädchenhafte Komponente.

Also Ihr Stil?
Nein. Privat würde ich mich als lässig und trotzdem schick bezeichnen, nicht als Tussi.

Sind Sie ein Vorbild für junge Menschen?
Das weiß ich nicht. Ich würde mich ehrlich gesagt nie als Vorbild bezeichnen. Aber ich würde mir wünschen, den Burschen und Mädchen da draußen eine gewisse Form von Natürlichkeit und Mut zu vermitteln. Junge Menschen sollen zu sich stehen und die Dinge tun, die sie glücklich machen.

Und Ihre eigenen Vorbilder?
Ich mochte Bibi und Tina immer gerne. Die beiden Mädchen vom Ponyhof. Sie erleben viele Abenteuer. Mit dieser Wildheit konnte ich mich stets identifizieren. Und zugleich bin ich ein riesengroßer Harry-Potter-Anhänger. Die Bücher habe ich alle mehrmals gelesen. Manchmal habe ich Figuren aus dieser Geschichte nachgespielt. Diese Welten waren eine nette Begleitung beim Aufwachsen.

Wie können Erwachsene Jugendliche beim Älterwerden unterstützen? In „Fack ju Göhte“ geht es ja um Jugendliche, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen können.
Wie bei dem Film gut erkennbar ist, ist es zu allererst wesentlich, einen Zugang zu jungen Menschen zu finden. Es hilft nichts, wenn sie niemand ernst nimmt. Erwachsene sollten jungen Mädchen und Burschen vertrauen. Dann klappt das mit dem Aufbauen und Ermutigen auch besser.

… dabei blind vertrauen?
Nein, auf keinen Fall. Jeder macht Fehler. Erwachsene können aber beim Reflektieren helfen. „Gut, das ist jetzt schiefgelaufen, macht aber nichts“, müssen Jugendliche auch erst gesagt bekommen. Am besten hängt der Erwachsene noch ein „Es geht weiter“ an. Auf diese Weise erhält ein junger Mensch auch die Chance, die Möglichkeit des Scheiterns als Lernprozess anzuerkennen.

Was wäre denn passiert, hätte es mit der Schauspielerei nicht geklappt?
Dann hätte ich wahrscheinlich einen sozialen Beruf ergriffen. Ich habe mich viel mit Flüchtlingspolitik auseinandergesetzt. Vielleicht läuft es ja irgendwann nicht mehr so gut, dann ist das tatsächlich eine Option.
Ich würde sonst auch gerne mit Kindern arbeiten. Es ist wichtig, dass wir ihnen von Anfang an Liebe und Zeit schenken.

Haben Sie das von Ihren Eltern gelernt?
Ja, meine Familie ist immer hinter mir gestanden. Dafür liebe ich sie.

Wofür sind Sie noch dankbar?
Ich bin unendlich dankbar für die Reise mit der „Fack ju Göhte“-Gruppe. Das sind Menschen, die mich nun seit mehr als vier Jahren begleiten und die ich mir so nicht mehr wegdenken kann. Und ich bin auch stolz auf die drei Filme und die Figuren, die wir ins Leben gerufen haben und nun ins Leben laufen lassen.

Jella Haase wurde am 27. Oktober 1992 in Berlin (D) geboren. Sie wollte schon immer Schauspielerin werden, stand auch als Schülerin bereits auf der Bühne. Im Jahr 2009 bekam sie ihre erste Rolle in dem Fernsehfilm „Mama kommt“. Es folgten kleine Auftritte in Fernsehserien wie „Polizeiruf 110“. Im Kino war sie erstmals im Til- Schweiger-Film „Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe“ zu sehen. Bekannt wurde Haase schließlich durch ihre Figur der „Chantal“ in der Film-Reihe „Fack ju Göhte“. Der dritte Teil ist vergangene Woche im Kino angelaufen. Privat tritt die 25jährige weniger schrill auf als ihre Fillmfigur. Ihr ist soziales Engagement wichtig. So setzt sie sich beispielsweise für Flüchtlinge ein.
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