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Ausgabe Nr. 43/2017 vom 23.10.2017, Fotos: Ullrich
Der Steirer Rene Dockter ist Meister der E-Modellautos.
Seine Pokale.
Der König der AutoWinzlinge
Seine Boliden sind zwergenhaft klein, beschleunigen aber gigantisch schnell von null auf 100 km/h in nur zwei Sekunden. Der Steirer Rene Dockter, 34, steuert E-Modellautos so flink wie sonst keiner, bei der heimischen Hallenmeisterschaft in Mistelbach (NÖ) startet er als Titelverteidiger.
Die kleinen Hallenflitzer sind 45 Zentimeter lang, 700 Gramm schwer und sehen aus wie Spielzeugautos. Doch die verbissenen Mienen der in der Mistelbacher (NÖ) Trinko-Halle startenden rund 70 Fanatiker zeigen, dass in der Modellauto-Szene hochtechnologisierte teure Geräte um die besten Rundenzeiten kämpfen.

„Für ein siegfähiges Auto samt Fernsteuerung und Zubehör müssen ohne Ersatzteile 1.500 Euro hingeblättert werden“, weiß Rene Dockter, 34. „Und pro Rennwochenende verfahren wir zusätzlich an Reifen weitere 400 Euro.“

Beim ersten Lauf zur heimischen Hallenmeisterschaft der Mini-Boliden am 4. und 5. November, die in sechs Klassen ausgetragen wird, startet der dreifache Staatsmeister und Europameisterschafts-Elfte als Titelverteidiger der Königsdisziplin „1:12 Modified“. Das bedeutet, Dockters Modellflitzer ist zwölf Mal kleiner als dessen lebensgroßes Vorbild, aber nicht minder eindrucksvoll. Ein eingebauter Trinity-Elektromotor leistet 600 Watt bei bis zu 50.000 Umdrehungen in der Minute und einem Höchsttempo von 130 km/h. „Bei unseren Rennen sind Kinder und Jugendliche kaum vertreten, diese Modellautos sind Männerspielzeuge“, lacht der Medizintechniker
aus Zettling bei Graz (Stmk.). „Rechts drehe ich am Lenkrad meiner Pistolenfernsteuerung, links bediene ich den Gas- und Bremshebel“, erklärt er die Kontrollfunktionen. „Oben auf der Fernsteuerung zeigt mir ein kleiner Bildschirm alle relevanten Daten wie das Tempo an.“

Bereits mit sechs Jahren und seinem ersten ferngesteuerten Auto packte Klein-Rene der Modellauto-Virus, der ihn bis heute nicht mehr loslässt. „Anfangs fuhr ich mit meinem Vater zu diversen Rennstrecken, später habe ich alle möglichen Klassen durchprobiert.“ Rund 15 Modellautos verschiedener Sparten, die er daheim stehen hat, zeugen heute ebenso davon wie das Dachgeschoß seines gemeinsamen Hauses mit Freundin Heike, das er sich zur Mini-Rennbahn mit angeschlossener Werkstatt ausbaute. Wie viele Nächte sich Dockter hier schon mit dem Herumschrauben an den vierrädrigen Gefährten um die Ohren schlug, vermag er nicht mehr zu sagen. Aber mittlerweile gilt er als Modellauto-Experte ersten Ranges. „Meine technische Ausbildung in der HTL war hilfreich, den Rest habe ich durch jahrelange Praxis dazugelernt.“

Privat ist der Steirer ein großer Formel-1-Anhänger und steigt hobbymäßig sogar ins Kart. „Praktische Rennerfahrung in einem echten Auto schadet nicht, macht aber trotzdem noch keinen guten Modellautopiloten
aus“, versichert er. Vielmehr käme es auf das richtige Gefühl beim Bremsen und Gasgeben und auf die Linienwahl an, aber vor allem auf die vorher getätigten Feineinstellungen. Reifen, Spur und Sturz, Achsgewichtsverteilung oder Stoßdämpfer, alles, was bei den großen PS-Monstern wichtig ist, muss auch bei den Kleinen beachtet werden. „Jeden einzelnen Reifen bearbeite ich an der Drehbank, bis der Gummi hauchdünn ist, weil er auf dem Hallenfilzboden am besten funktioniert“, verrät der Meister. „Zusätzlich werden vor dem Rennen die Pneus mit einem speziellen Weichmacher eingelassen, der den Grip erhöht und ohne den ein enges Kurvenfahren nicht möglich wäre.“

Beruflich hat der Techiker seit ein paar Jahren eine eigene Firma, die Spezialgeräte für Zahnärzte verkauft und wartet. „In erster Linie sind es Röntgenapparate, die 3-D-Bilder des Kiefers liefern“, erklärt er. Weil lange Arbeitstage keine Seltenheit sind, bietet ihm das Hobby mit den Elektroflitzern ein Abschalten vom Berufsstress. „Wenn ich die Finger an die Knöpferl der Fernsteuerung lege, blende ich die Arbeit aus und tauche in die Modellsportwelt ein.“ Kreuziger
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