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Ausgabe Nr. 43/2017 vom 23.10.2017, Fotos: blaschke Fotostudio/Karin Blaschke, Parlamentsdirektion/Simonis
Helmut Graupner, Anneliese Kitzmüller
Ist die „Ehe für alle“ längst fällig?
Seit Anfang Oktober gilt in Deutschland die „Ehe für alle“. Bei uns prüft jetzt der Verfassungsgerichtshof die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Rechtlich gesehen sind die Ehe für Mann und Frau sowie die eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare weitgehend gleichgestellt. Doch die unterschiedlichen Bezeichnungen könnten eine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare bedeuten. Zuletzt haben sich ÖVP und FPÖ im Parlament gegen die „Ehe für alle“ ausgesprochen.
JA: Helmut Graupner,
Präsident Rechtskomitee LAMBDA

„Es ist traurig, dass die Politik in den vergangenen 20 Jahren nichts weitergebracht hat und die Frage letztendlich vor Gericht entschieden werden muss. Im Unterschied zu den meisten westlichen Ländern ist es bei uns zwei Männern oder zwei Frauen immer noch verboten zu heiraten. Für verschiedengeschlechtliche Paare gibt es die Zivilehe, für gleichgeschlechtliche Paare die eingetragene Partnerschaft. Dieses Eheverbot muss fallen, so wie auch die früheren Eheverbote auf Grund von Religion, Klasse, Stand und Rasse. Denn ,Ein Recht für alle‘ stellt das Grundprinzip der Gerechtigkeit dar. Auch die Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern sollen das Recht haben, eheliche Kinder zu sein.
Zudem müssen sich ,verpartnerte‘ Menschen überall dort als homo- oder bisexuell zwangsouten, wo der Familienstand ,verpartnert‘ oder ,verheiratet‘ abgefragt wird, etwa bei der Wohnungsanmeldung, bei der Arbeitsplatzsuche, bei Arztbesuchen, im Spital und so weiter. Es ist Zeit, auch diese Benachteiligung endlich zu beseitigen. Wenn alles gutgeht, könnten die ersten gleichgeschlechtlichen Paare bereits Anfang 2018 heiraten.“

Nein: Anneliese Kitzmüller,
FPÖ-Familiensprecherin

„In unserem Land gibt es bereits das Modell der eingetragenen Partnerschaft. Mit diesem Modell der eingetragenen Partnerschaft gibt es keine Diskriminierung mehr, weder im Erbrecht noch beim Besuchsrecht des Partners im Spital oder im Mietrecht. Österreichs Gesellschaft ist mehr als offen für individuelle Lebensformen. Aber nicht jede Form der Lebensgemeinschaft muss unbedingt eine Ehe sein oder kann eine Ehe sein. Sexualität und Liebe sind Privatsache. Diese soll und kann selbstverständlich jeder privat so handhaben, wie er will, hier soll und darf sich der Staat nicht einmischen. Die besondere Regelung der Ehe zwischen Mann und Frau rührt daher, dass aus dieser
Kinder hervorgehen können. Deshalb sind wir grundsätzlich dafür, dass die Institution der Ehe Mann und Frau vorbehalten bleiben soll. Die Ehe als zentrale Institution des Erhalts der Gesellschaft muss in ihrer Wertstellung als besondere Form wechselseitiger Rechte
und Pflichten unter Personen verschiedenen Geschlechts erhalten und gestärkt werden.“
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