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Ausgabe Nr. 43/2017 vom 23.10.2017, Fotos: picturedesk, Schneider-Press/Erwin Schneider
Peter Nidetzky
„Wir haben viele Fälle gelöst“
Seit 50 Jahren wird versucht, durch sachdienliche Hinweise der Fernseh-Zuschauer Verbrechen aufzuklären. „Aktenzeichen XY ungelöst“ ist die am längsten laufende Sendung, der 32 Jahre lang auch Peter Nidetzky für den ORF angehörte. Eine bewegende Zeit, erinnert sich der 77jährige Wiener. Am Mittwoch, 25. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF, ist die Jubiläumssendung zu sehen.
Herr Nidetzky, am Mittwoch, 25. Oktober, folgt die Jubiläums-Ausgabe von „Aktenzeichen XY ungelöst“. Seit 50 Jahren werden mit Hilfe der Zuschauer Morde und Einbrüche aufgeklärt. Sie waren über viele Jahre hinweg die „Außenstelle“ in Wien. Welche Erinnerungen sind geblieben?
Sie ist eine unangenehme Sendung gewesen. Es ging ja um Verbrechen. Die Kollegen haben vor jeder Sendung die Türen zum Studio zwei Mal zugesperrt. Natürlich gab es auch Morddrohungen mir gegenüber. Die Polizei, in dem Fall war es Interpol in Wien, hat sie relativ ernst genommen. Deshalb sind meine beiden Kinder stets mit Polizeischutz zur Schule gebracht worden.

Wie wurden Ihnen die Morddrohungen übermittelt?
Auf ein Blatt Papier war mit Zeitungsbuchstaben der Satz „Sie werden am 23. September ermordet“ geklebt. Ähnliche Briefe landeten dann jeden Tag auf meinem Schreibtisch. Als der Tag gekommen war, sah ich mich nach allen Seiten um, als ich das Haus verließ, um ins Büro zu fahren. Normalerweise ging ich zu Fuß, weil ich nahe beim ORF wohne. Aber an dem Tag fuhr ich die kurze Strecke mit dem Auto. Zum Glück passierte nichts. Ein anderes Mal fuhr ich mit dem Auto weg und hörte ein lautes Scheppern. Da hatte in der Nacht jemand leere Dosen an meinen Auspuff gehängt. In einem anderen Fall hat mich ein arbeitsloser Kochlehrling verfolgt. Er wurde dann vom Gericht wegen schwerer Bedrohung zu sechs Wochen unbedingter Haft verurteilt.

Wer hat die Fälle, die in der Sendung präsentiert wurden, ausgewählt?
Das hat Eduard Zimmermann (1929–2009), der Sendungs-Vater, selbst übernommen. Er war ständig unterwegs zu den einzelnen Innenministerien, um Fälle zu besprechen. Er war ein akribischer Arbeiter und, ich möchte fast sagen, mit der Sendung verheiratet. Er hat auch immer wieder die acht, neun Minuten langen Kurzfilme, mit denen die Fälle rekonstruiert wurden, überarbeitet.

Welche Erfolge konnte die Sendung verbuchen?
Der ORF ist im Jahr 1968 eingestiegen und in den ersten Jahrzehnten waren wir äußerst erfolgreich. Gut 43 Prozent der gezeigten Fälle wurden aufgrund von Zuschauer-Informationen gelöst.

Was war der größte Erfolg hierzulande?
Ein Wirtschaftsverbrecher konnte dingfest gemacht werden. Er saß während der Sendung in einer Autobahnraststätte und der dortige Koch, der zufällig unsere Sendung sah, erkannte ihn. Die Polizei kam sofort und der Gesuchte wurde noch während der Sendung verhaftet. Das war schon was.

Bedauern Sie es, dass der ORF die Sendung mit Dezember 2002 eingestellt hat?
Ich habe zehn Sendungen pro Jahr gemacht. Und das 32 Jahre lang, also insgesamt 320 Sendungen. Dass diese Mordgeschichten ein derartiger Erfolg sein würden, hat kaum jemand geglaubt. In den ersten Wochen war ja Teddy Podgorski der Moderator für den ORF. Er wurde damals Sport-Chef und übergab an mich. Dabei meinte er, „Mach das, das geht höchstens ein Jahr, dann ist es ohnehin vorbei.“ Also habe ich zugesagt. Es hat dann doch länger gedauert (schmunzelt).

Aber warum dann der Ausstieg des ORF, im ZDF läuft die Sendung nach wie vor recht gut?
Nun ja, wir zogen den Schlussstrich, weil immer mehr Privatsender auf den Markt drängten und uns Zuschauer verloren gingen. Wir hatten am Anfang während der Sendung 200 Anrufer, zum Schluss waren es noch 20. Die Deutschen haben weitergemacht, weil sie von der Politik unterstützt werden. Die Innenministerien der einzelnen Länder, von Hamburg im Norden bis München im Süden, wollen diese Sendung haben, als Unterstützung der Polizei. Das gab es bei uns nicht.

Halten Sie einen Wiedereinstieg für möglich?
Es gab bereits entsprechende Anfragen. Die Schweizer sind ja ebenfalls ausgestiegen, aber ich habe Anfang des Jahres Kollegen getroffen, die unbedingt wieder diese Sendung machen wollen. Natürlich müsste sie ein wenig modernisiert werden. Das starre Sendungs-Schema ist antiquiert und wie vor 40 Jahren.

Ihre große private Leidenschaft sind die Pferde. Sie gewannen mit der Mannschaft im Jahr 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona (Spanien) sogar die Silbermedaille. Reiten Sie noch immer?
Ja, in Laxenburg, an der Wiener Stadtgrenze. Ich habe dort noch einen Schimmel aus Irland im Stall, der ist mit 19 Jahren aber schon im Rentenalter.

Sie hatten vor ein paar Jahren gesundheitliche Probleme …
Nun ja, bei einem Lungenröntgen wurde vom Arzt ein Aneurysma, also eine Arterienerweiterung festgestellt. Und zwar im Bauch, auf einer Länge von sieben Zentimetern. Das war kritisch. Wenn dieser Blutkanal reißt, gibt es keine Hilfe mehr. Ich wurde dann im Wiener Allgemeinen Krankenhaus operiert und die heikle Stelle wurde überbrückt.

Was machen Sie heute?
Ich lese viel, das kam stets zu kurz. Ich habe ja Germanistik studiert. Und ich habe den Tauchsport wiederentdeckt. Auf den Malediven ist das wunderbar.
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