Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 43/2017 vom 23.10.2017, Foto: Oliver Boehmer/Fotolia
Bürger fürchten die Abschaffung von Münzen und Scheinen.
Nur Bares ist Wahres!
Rund um den Weltspartag am 31. Oktober tragen viele Bürger ihr Geld zur Bank. Doch angesichts der niedrigen Zinsen horten immer mehr ihr Erspartes zu Hause. Das ist nur mit Bargeld möglich. Aber auch andere Gründe sprechen für den Fortbestand von Münzen und Scheinen.
Ende 2018 wird der 500-Euro-Schein Geschichte sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) macht den größten Euro-Geldschein zum Auslaufmodell. Er wird nicht mehr ausgegeben. „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten“, sagt EZB-Präsident Mario Draghi. Die Zentralbänker wollen auf diese Weise Geldwäsche und Terrorfinanzierung eindämmen. Eine Million Euro lässt sich in 500er-Scheinen leicht transportieren. Sie wiegt nur 2,2 Kilo. Mit 200ern müssten etwaige Kriminelle schon mehr als fünf Kilo schleppen.

Doch viele Bürger wittern anderes hinter dem Manöver. Sie fürchten die zitzerlweise Abschaffung des Bargeldes. In manchen Ländern gibt es bereits eine Obergrenze für Barzahlungen. In Frankreich dürfen höchstens 1.000, in Italien 3.000 Euro mit „echtem“ Geld gezahlt werden. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny hält allerdings die Abschaffung von Bargeld für „absurd“. Das werde „sicher nicht“ kommen, meinte er kürzlich.

In kaum einem anderen Land ist Bargeld so beliebt wie bei uns. Zwei Drittel aller Rechnungen werden damit beglichen. Liegt der Betrag unter zehn Euro, greifen neun von zehn Bürgern zu Münzen und Scheinen. Aber auch bei Summen von mehr als hundert Euro zahlt jeder Zweite mit Barem.

Die Vorliebe für das Bargeld eint Alt und Jung, Städter und Landbewohner ebenso wie Gutverdiener und Einkommensschwache. Das zeigen Studien. Nur den Deutschen sind ihre Scheine und Münzen ähnlich wichtig wie uns. Der Dichter Hans Magnus Enzensberger meinte gar: „Wer das Bargeld abschafft, schafft die Freiheit ab.“ Und er warnte: „Regierungen könnten uns am Ende total kontrollieren.“

Ausgerechnet eine Untersuchung der Deutschen Bank bekräftigt diese Sichtweise. „Bargeld gewährleistet Datenschutz und kann Bürgerrechte im Falle eines möglichen Machtmissbrauches der Regierung stärken“, lautet das Fazit der Studienautorin. „Man kann daher in der Abschaffung von Bargeld auch den Versuch sehen, die Bürger mehr zu kontrollieren.“

Noch ist es bei uns nicht so weit. In Schweden hingegen wird teilweise gar kein Bargeld mehr in Geschäften akzeptiert. Oft nehmen nicht einmal mehr die Banken Bares an. In ein paar Jahrzehnten, so sehen es Geld-Experten voraus, wird es in Schweden kein Bargeld mehr geben. Auch bei uns werden jene, die noch nicht 30 Jahre alt sind, die bargeldlose Gesellschaft erleben. Das erklärte jüngst der Chef der Erste Group Andreas Treichl. „Der Zug ist abgefahren.“

Die meisten Politiker stemmen sich allerdings noch dagegen. In einer schwarz-blauen Koalition würde dazu Einklang herrschen. Die ÖVP bekannte in ihrem Wahlprogramm: „Wir werden alles gegen die Abschaffung von Bargeld unternehmen.“ Auch wenn sie nicht grundsätzlich gegen die elektronische Bezahlung ist. Die FPÖ wiederum wollte den „Schutz des Bargeldes in die Verfassung aufnehmen“, denn „das angedachte Bargeldverbot würde den ,gläsernen Menschen‘ schaffen.“

Wer, anders als die meisten hierzulande, einen 500-Euro-Schein sein Eigen nennt, muss auch nach 2018 keine Angst vor der Entwertung haben. Die Banknote bleibt bis auf Weiteres gesetzliches Zahlungsmittel und behält für „immer“ seinen Wert, versprechen die EZB-Verantwortlichen.

Von Münzen zu „Bitcoins“
Die ersten Münzen tauchten vor rund 2.500 Jahren im kleinasiatischen Königreich Lydien (Türkei) auf. „Das waren genormte Edelmetallklümpchen“, erklärt Michael Grundner vom Geldmuseum der Nationalbank. In unseren Breiten führten die Kelten im dritten Jahrhundert vor Christus die ersten Münzen ein. Mit der Erweiterung des Römischen Reiches wurde auch dessen hochentwickeltes Münzsystem über weite Gebiete Europas verteilt. Nach seinem Zerfall verschwand der geschlossene Währungsraum. Von der Spätantike bis ins Mittelalter gingen die Menschen wieder vermehrt zum Tauschhandel über.

Erst Karl der Große ermöglichte um 800 nach Chris-
tus, dass sich das Münzgeld langsam wieder etablierte. Anders als bei den Römern gab es kein zentral gelenktes Münzwesen. Viele Städte, Fürsten oder Bischöfe prägten ihre eigenen Münzen.

Im Jahr 1762 entschloss sich Kaiserin Maria Theresia zur Ausgabe des ersten Papiergeldes in Form der Wiener-Stadt-Banco-Zettel. So sollten zusätzliche Mittel für die Kriegsführung aufgebracht werden. „Ursprünglich nur als Notmaßnahme gedacht, wurde das Papiergeld beibehalten“, sagt Michael Grundner.

Unsere Nationalbank gibt es seit 1816. Deren Experten achteten von Anfang an auf Fälschungssicherheit: „Die österreichischen Banknoten waren die ersten, die mit sogenannten Guillochen, das sind aufwändige, enge Linienmuster, versehen waren.“ Bis ins 19. Jahrhundert stand auf Geldfälschung die Todesstrafe.

Längst bezahlen wir nicht nur mit Bargeld. Die erste Kreditkarte, wie wir sie heute kennen, wurde 1950 in Amerika entwickelt. 30 Jahre später gab es die ersten Kreditkarten auch hierzulande.

Digitales Geld wie „Bitcoins“ sehen Experten nicht als Konkurrenz zu herkömmlichen Währungen. „Sie sind keiner Regulierung oder Kontrolle unterworfen“, warnt Beat Weber von der Nationalbank. „Zudem erfordert deren Speicherung und Sicherung gute Computerkenntnisse, da sie sonst leicht durch Hacker gestohlen werden können.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Neuner
Bargeld. Ein Gefühl der Sicherheit
Wenn man das Bargeld abschaffen würde wäre keine Garantie mehr vorhanden das man auch wirklich eines besitzt. Es heißt ja nicht umsonst "Nur Bares ist Wahres". Man muss das Geld angreifen können um zu spüren das man es wirklich hat. Wenn ich zu einem Automaten gehe und Geld behebe weiß ich das es noch da ist. Das man es angreifen kann. Bargeld gibt einem ein Gefühl von Sicherheit. Sicher bezahlen heute sehr viele über Online-Banking und mit der Karte weil es schneller geht aber fakt ist auch das man das Geld dann nicht vor Augen hat und nicht kontrollieren kann wieviel man noch hat. Es gibt keine Garantie das man das Geld auch wirklich hat außer man hat vorher seinen Kontostand überprüft. Das ist ebenfalls ein Sicherheitsgefühl.

Wie geht es also weiter? Ich bin jedenfalls gespannt wo uns die Diskussion rund um das Geld noch hinführt.
Werbung