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Ausgabe Nr. 41/2017 vom 10.10.2017, Fotos: Einhorn Film
Vom Überlebenskampf einer sechsfachen Gepardenmama. Ab 12. Oktober in unseren Kinos.
„Als ich ‚Maleika‘ das erste Mal traf, war mir klar, dass sie mir eine tolle Geschichte liefern würde. Es fiel mir jedoch schwer, nicht einzugreifen, wenn sich vor meinen Augen wahre Dramen abspielten. Als zum Beispiel die Gepardenfamilie einen reißenden Strom überquerte und ein Jungtier von einem Krokodil gepackt wurde, habe ich tatsächlich überlegt, meine Kamera nach dem Reptil zu werfen“, erzählt der Regisseur Matto Barfuß (Bild).
„Maleika“, Königin von Afrika
„Maleika“, auf Suaheli „Engel“, so wurde die stolze Gepardin vom Tierschützer Matto Barfuß genannt, die er über Jahre hinweg mit der Kamera in Afrika begleitete. Sein gleichnamiger Film erzählt vom Fressen und Gefressenwerden, von den Schönheiten und Gefahren der Savanne und davon, dass auch Geparden manchmal arme Schweine sind.
Maleika“, so heißt eine Dokumentation, die auch als fesselnder Spielfilm bezeichnet werden kann. „Hätte ich ein Drehbuch schreiben müssen, so hätte ich das nicht besser hinbekommen“, erzählt Matto Barfuß, der eigentlich Matthias Huber heißt und aus dem deutschen Rheingau bei Heidelberg stammt.

„Den Künstlernamen habe ich mir hart erarbeitet, als ich die Alpen im Jahr 1989 barfuß überquerte“, schmunzelt der Regisseur, Fotograf, Maler, Autor und Tierschützer. Insgesamt blickt er auf 22 Jahre Afrika-Erfahrung zurück, hat Berggorillas im Kongo und Erdmännchenfamilien in der Kalahari-Wüste aus nächster Nähe kennengelernt.

Im Jahr 2013 begegnete er in der „Masai Mara“, einem der größten und schönsten Savannengebiete der Erde in Kenia, der Gepardin „Maleika“ (Suaheli für „Engel“), die sechs Junge zur Welt brachte. Für Geparden eine Sensation.

„Üblicherweise besteht ein Wurf aus zwei bis vier Babys, wobei nur wenige das erste Lebensjahr überstehen“, berichtet der 47jährige. Um von der Raubkatzenmama akzeptiert zu werden, kroch er auf allen vieren und verhielt sich wie ein Gepard, was ihm den Spitznamen „Gepardenmann“ eingebracht hat. „Ich musste auch ihre Laute so gut wie möglich nachmachen, was zum Glück wunderbar geklappt hat“, freut sich der Tierfilmer.

Eine Plagerei, die sich bezahlt gemacht hat. Denn Barfuß war hautnah dabei, während die Rasselbande heranwuchs, er begleitete die jungen Geparden bei deren erstem Ausflug mit der Mutter, der Ausbildung zu Jägern und auf der Wanderung in neue Territorien. So ist ein fesselnder Film mit wunderschönen Naturaufnahmen entstanden, der dem Zuschauer tiefe Einblicke in den Alltag dieser faszinierenden „Samtpfoten“ gewährt.

Weltweit leben allerdings nur noch knapp 7.000 Geparden in freier Wildbahn, was sie zu einer gefährdeten Art macht. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zudem nur zehn bis zwölf Jahre. Ihre Heimat ist heute fast nur noch Süd- und Ostafrika. Was schade ist, gelten die majestätischen Raubkatzen doch auch als die schnellsten Landtiere der Erde. So kann ein Gepard aus dem Stand in zwei Sekunden auf 60 km/h beschleunigen. Im Lauf erreicht er bis zu 120 km/h, die er aber nur über kürzere Entfernungen von einigen hundert Metern halten kann.

„Das Geheimnis der pfeilschnellen Jäger ist ihr stromlinienförmiger Körper mit auf Schnelligkeit ausgerichtetem Muskelaufbau“, erklärt der Gepardenmann. Männliche Tiere wiegen bei einer Rumpflänge von 1,20 Meter zwischen 60 und 70 Kilo, Weibchen bis zu 45 Kilo. Auf ihrem Speisezettel stehen neben Antilopen, Gazellen und Gnus auch kleine Nagetiere. „‚Maleika‘ jagte sogar Zebras und Büffelkälber“, musste Barfuß erstaunt feststellen.

Kein Wunder, können ausgewachsene Exemplare bei einer einzigen Mahlzeit doch bis zu 13 Kilo Fleisch verschlingen. Dafür kommen sie dann bis zu fünf Tage ohne weitere Nahrung aus. „Geparden können zwar nicht wie Löwen brüllen, dafür aber lautstark fauchen. Typisch ist ihr miauender Ruf, der bis zu eineinhalb Kilometer weit zu hören ist“, erklärt der Filmemacher. Das charakteristische Zirpen der Jungen, mit dem sie sich untereinander verständigen, „klingt für unsere Ohren hingegen eher wie ein Vogellaut“.

Optisch unübersehbar sind freilich ihre Tränenstreifen, die von den Augen abwärts bis zu den Mundwinkeln verlaufen. „Unterschieden werden können die Tiere jedoch an ihrem individuell gefleckten Fell sowie an der Zeichnung des Schwanzes“, erklärt Barfuß. Er weiß, „während sich die Männchen oft zu zweit oder zu dritt zusammentun, sind die Weibchen Einzelgängerinnen“.

Was auch die hohe Sterblichkeitsrate der Jungtiere erklärt. Schließlich muss die Mutter ihre Kleinen allein lassen, wenn es an die Nahrungsbeschaffung geht. Auch mangelt es ihr an der nötigen Körperkraft, um ihren Nachwuchs gegen andere Räuber wie Löwen, Hyänen oder Schakale zu verteidigen.

„Erst recht, wenn sie von der Jagd geschwächt oder verletzt ist“, sagt der Regisseur, der mit seinem Gepardenfilm ein afrikanisches Artenschutzprojekt in Botswana unterstützt.
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