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Ausgabe Nr. 41/2017 vom 10.10.2017, Fotos: gepa
Die Befürworter jubeln, sie wollen nachhaltige Spiele in Tirol.
Benjamin Raich (li.) und Anton Innauer befürworten die Bewerbung.
Tirol buhlt um dritte olympische Flamme
Die Bevölkerung von Tirol soll am Sonntag entscheiden, ob zum dritten Mal die Olympischen Winterspiele in Innsbruck ausgetragen werden. Befürworter des Projektes 2026 sehen in der bereits vorhandenen Infrastruktur die größten Chancen, den Zuschlag zu bekommen. Den Gegnern der Bewerbung reicht das nicht. Sie fürchten, dass wir dennoch auf einem Millionen-Verlust sitzenbleiben.
Am Sonntag wählen die Tiroler nicht nur den Nationalrat, sie stimmen ebenso darüber ab, ob sich Innsbruck zum dritten Mal nach 1964 und 1976 für die Austragung von Olympischen Winterspielen bewerben soll. Wie es derzeit aussieht, gibt es eine knappe Entscheidung.

Die Befürworter jubeln. Sie sehen nachhaltige, ökologisch vertretbare Spiele im Tourismusland Tirol, das fast die komplette Infrastruktur für dieses Großereignis hat. Die vorhandenen sowie die in der Nähe gelegenen Sportstätten sollen genutzt werden. Als „Erfolgsbeispiel“ werden gerne die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele im Jahr 2012 in Innsbruck genannt. Damals blieb ein Überschuss von 3,3 Millionen Euro, der in den Ausbau des Tiroler Sports floss. Vertreter der Stadt, des Landes sowie zahlreiche Spitzensportler, darunter der Schispringer Gregor Schlierenzauer, der frühere Schirennläufer Benni Raich und der einstige „Adler“ Anton Innauer sind bereits Feuer und Flamme für das Projekt.

Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) wirbt damit, dass die Bevölkerung nachhaltig von den Spielen profitieren würde. „Weil sie dann die modernisierten Sportanlagen nützen kann und zudem tausend Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Zudem versprach sie, würde ein Drittel der Eintrittskarten weniger als 26 Euro kosten. Tirols Sport-Landesrat Josef Geisler (ÖVP) bläst ins gleiche Horn. „Die Olympischen Spiele 1964 und 1976 haben den Ruf Tirols als Sportland wesentlich mitbegründet. Davon profitieren wir noch heute.“

Der größte Olympia-Kritiker ist die Oppositionspartei Liste Fritz – Bürgerforum Tirol. Sie zeigt schon jetzt die rote Karte. Vor allem die Ausgaben für die Sicherheit, in Zeiten von Terroranschlägen, dürften „in die Millionen gehen“, glaubt Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Laut Geisler gibt es hierzu zwar bereits eine Zusage der Bundesregierung, „diese Kosten zu übernehmen. Die Ausgaben für die öffentliche Sicherheit würden jedenfalls durch das Plus an Steuereinnahmen gedeckt.“ Die Liste Fritz glaubt jedoch, dass die Gesamtkosten tatsächlich noch viel höher sein werden als die von Stadt und Land veranschlagten 1,175 Milliarden Euro. Bereits bei der Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele in Hamburg (D) 2014 „seien schon 1,4 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die Kosten sind weiter gestiegen“.

„Olympische Spiele sind sauteuer und brandgefährlich“, fasst Haselwanter-Schneider zusammen. Allein die Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) koste Tirol bis zu 20 Millionen Euro, die „futsch“ sind, wenn das Land den Zuschlag dann doch nicht bekomme. „Überall fehlt das Geld, in der Kinderbetreuung, in der Schule, bei den Pflegeheimen“, rechnet sie gemeinsam mit Parteiobmann Fritz Dinkhauser vor. „Aber für Olympische Spiele stehen plötzlich Millionen zur Verfügung.“

Zwar könnten Disziplinen wie Eisschnelllaufen ins Deutsche Inzell ausgelagert werden, doch ohne Neubauten wird es nach Ansicht der Kritiker nicht gehen. So müsste am zentrumsnahen Frachtenbahnhof von Innsbruck das Olympische Dorf mit 400 Wohnungen errichtet werden. Fast jeder zweite der 2.900 Athleten soll dort wohnen, der Rest sowie die 2.000 Betreuer müssen eine Unterkunft im Umland beziehen.

Teuer sind Olympische Spiele allemal, die Kosten steigen rasant. Im Jahr 1964, bei der ersten Austragung, mussten noch 7,8 Millionen Euro aufgewendet werden. Im Jahr 1976 waren es bereits 36,5 Millionen, nun gilt es, mehr als eine Milliarde Euro bereitzustellen. Das IOC weiß um die Schwierigkeit der Finanzierung und will selbst mehr als 500 Millionen Euro beisteuern.

Und so geht es weiter. Sollten die Tiroler am Sonntag für die Spiele stimmen, erfolgt im Herbst 2018 die offizielle Bewerbung. Neben Tirol rittern voraussichtlich die Schweiz, Schweden, Kanada, Kasachstan, Japan und die Türkei um den Zuschlag. Die endgültige Entscheidung fällt im Herbst 2019 in Mailand (Italien).
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