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Ausgabe Nr. 41/2017 vom 10.10.2017, Fotos: Fotolia, All mauritius
Jede Dritte leidet unter Haarausfall.
Eine genaue hautärztliche Untersuchung der Kopfhaut ist wichtig, um die Ursache für Haarausfall zu finden.
Der Frauen-Albtraum
Die Haare werden dünn, die Haarpracht lichtet sich und die Kopfhaut kommt zum Vorschein. Haarausfall, ob akut oder schleichend, ist vor allem für Frauen eine seelische Belastung. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, bedarf es einer genauen hautärztlichen Untersuchung. Ein erfahrener Experte auf dem Gebiet ist Prof. Adrian Tanew.
Kräftiges, volles, glänzendes Haar ist der Wunsch jeder Frau, die Wirklichkeit ist oft eine andere. Jede Dritte ist im Laufe ihres Lebens, zeitweise oder seltener dauerhaft, von Haarausfall betroffen. Während bei Männern Geheimratsecken, lichte Haare und Glatze von der Gesellschaft akzeptiert sind, ernten Frauen mit schütterem oder fehlendem Haar bald „komische“ Blicke.

Die Suche nach Hilfe führt Betroffene nicht selten vom Hausarzt zur Frisörin, in die Apotheke oder zu „Haarexperten“ ohne jeden fachärztlichen Hintergrund für dieses Problem. Am Ende ist häufig viel Geld „verbrannt“, das Haar unverändert dünn und die Haardichte nicht mehr wie früher.

„Haarausfall kann viele Ursachen haben. Es bedarf dazu einer gründlichen Untersuchung, am besten von einem Hautarzt, der sich auf das Gebiet der Trichologie spezialisiert hat und darin erfahren ist. Die Trichologie ist ein Teilgebiet der Dermatologie, bei der sich der Arzt mit den Haaren und der Kopfhaut beschäftigt“, erklärt Prof. Dr. Adrian Tanew, Facharzt für Dermatologie aus Wien (www.tanew4haut-haar.at) mit Schwerpunkt Kopfhaut- und Haarerkrankungen.

Zwischen 90.000 und 150.000 Haare bedecken beim gesunden Menschen die Kopfhaut. Davon gehen bis zu einhundert Haare täglich verloren und werden durch neue ersetzt. Erhöht sich diese Zahl dauerhaft, sprechen Ärzte vom krankhaften Haarausfall. „Meist erfolgt der Haarausfall schleichend oder schubweise. Nur in wenigen Fällen verlieren die Betroffenen plötzlich ihr Haar in großem Ausmaß, etwa nach einer Chemotherapie, einer fieberhaften Erkrankung oder einem schweren körperlichen oder seelischen Trauma. Schleichend oder akut, der krankhafte Haarausfall ist Zeichen einer Schädigung der äußerst stoffwechselaktiven Haarwurzelzellen, die zu einer Beeinträchtigung des Haarzyklus führt. Dadurch fallen die Haare früher aus und wachsen dünner nach.“

Oft sind die Hormone schuld

Der mit Abstand häufigste Grund für weiblichen Haarverlust ist der „erblich bedingte Haarausfall“. Dabei reagieren die Haare empfindlich auf das Hormon Dihydro-Testosteron, einen „Verwandten“ des männlichen Sexualhormons Testosteron. „Vor allem Frauen im Wechsel sind betroffen, weil die weiblichen Sexualhormone abnehmen. Ein typisches Merkmal ist ein breiter werdender Scheitel. Bei der Untersuchung der Kopfhaut mit einem Dermatoskop, das eine mehrfache Vergrößerung von Haut und Haar ermöglicht, ist ein erhöhter Prozentsatz an dünner werdendem Haar im Scheitel zu erkennen“, erklärt Prof. Tanew.

Hilfe bieten Haar-Spezialisten aus der Dermatologie. „Dieser Haarausfall kann gestoppt werden. Kommen Betroffene früh, ist er sogar umkehrbar. Die Haare wachsen wieder mehr und dicker nach. Die Therapie besteht aus einer dauerhaften Behandlung der Kopfhaut mit einer Minoxidil-Lösung. In bestimmten Fällen ist die Gabe von Finasterid-Tabletten möglich, weil sie aber hormonell wirken, sollte das nur in Zusammenarbeit mit einem Gynäkologen passieren. Bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko ist jedoch davon entschieden abzuraten.“ Ein schleichender, die ganze Kopfhaut betreffender Haarausfall kann durch eine Über- oder Unterfunktionsstörung der Schilddrüse, einen Eisenmangel oder möglicherweise durch einen zu niedrigen Vitamin- D-Spiegel verursacht werden. „Besteht dieser Verdacht, wird mit einer Blutuntersuchung Klarheit gewonnen. Bei Verdacht auf Eisenmangel muss der komplette Eisenstoffwechsel überprüft werden, darunter der Eisenspeicherwert Ferritin. Liegt die Ursache in einer dieser Störungen, wird mit Medikamenten oder Vitaminergänzungen geholfen. Dieser Haarausfall ist heilbar.“

Angriff des Immunsystems

Für großen Schrecken unter Frauen sorgt Haarausfall, der runde, kahle Stellen an der Kopfhaut verursacht. Ärzte sprechen vom „kreisrunden Haarausfall“ und allein der Blick auf die typischen Veränderungen an der Kopfhaut führt in den meisten Fällen bereits zu einer eindeutigen Diagnose. „Dabei handelt es sich um eine Autoimmun-Erkrankung. Das eigene Immunsys-
tem wendet sich gegen die Haarwurzeln und lässt die Haare ausfallen. Auch hier haben die Patientinnen gute Chancen, mit Hilfe einer medikamentösen Therapie, die das Immunsystem reguliert, den Haarausfall zu stoppen und die Haare zum Nachwachsen zu bringen. Anders ist die Situation, wenn eine entzündliche Erkrankung der Kopfhaut vorliegt, die unbehandelt zu Vernarbungen und bleibendem Haarverlust führt. Diese Erkrankungen sind jedoch selten. In diesen Fällen ist das Behandlungsziel, ein Fortschreiten der Erkrankung und weiteren unwiderruflichen Haarverlust zu stoppen. Damit die richtige Diagnose gestellt werden kann, ist ein vertieftes ärztliches Fachwissen und viel Erfahrung nötig“, betont Prof. Tanew. Der Spezialist befragt den Patienten ausführlich und untersucht die Kopfhaut mit dem freien Auge und dem Dermatoskop. Er sieht sich die Fingernägel und Körperbehaarung an, macht gegebenenfalls Bluttests oder entnimmt eine Hautprobe. „Bei Haarausfall gibt es auch seltene Formen, etwa wenn es bei Frauen, häufig rund um den Wechsel, zu einer anfangs kaum wahrgenommenen Kopfhautentzündung entlang des Haaransatzes kommt, wodurch er im Verlauf von Monaten und Jahren zurückweicht. Dies ist oft vom Verlust der Brauen begleitet. Die richtige Diagnose wird nur vom Dermatologen gestellt.“

Vorsicht vor unseriösen Beratungen

Das Gerücht, tägliches Haarewaschen oder herkömmliches Haarefärben führe zu Haarausfall, kann Dr. Tanew nicht bestätigen. Ärzte warnen nur vor dubiosen Haaruntersuchungen auf Mineral- und Schadstoffe sowie Schwermetalle oder Haarausfall-Ursachen wie „Schlacken“ oder „Silikone“. Bekommen Betroffene das zu hören, sollten sie kehrtmachen, denn unseriöse Haarausfall-Beratungen kosten wertvolle Zeit und meist viel Geld.
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